Staatsanwälte ermitteln: Banken treiben Börsenumsätze künstlich nach oben

Staatsanwälte ermitteln: Banken treiben Börsenumsätze künstlich nach oben

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von Annina Reimann

Banken handeln Aktien zwischen dem Börsenparkett und dem Xetra-System hin und her und treiben so deren Umsätze künstlich in die Höhe. Staatsanwälte und Börsenaufsicht ermitteln.

Mit einem Auge hat Bernhard Wolf ständig seinen zweiten Bildschirm im Blick. Der zeigt ihm live, wie viele Aktien des Konsumforschers GfK an der Börse gehandelt werden. Nicht sehr viele – im Schnitt 12.000 pro Tag. Wolf ist bei GfK in Nürnberg für Investor Relations zuständig, er betreut Investoren. Den großen Fonds ist viel Umsatz wichtig. Wolf kann sie nur für die GfK-Aktie begeistern, wenn sie mit großen Positionen jederzeit ein- und aussteigen können. „Viele große Investoren kommen noch nicht in einem adäquaten Zeitraum in unsere Aktie rein oder wieder raus“, sagt Wolf.

Um neue Anleger zu gewinnen, muss der 54-Jährige Vollgas geben. Der legale Weg kostet Zeit: 2012 hat Wolf mit seinem Team 417 Einzelgespräche mit Investoren und Analysten geführt, GfK auf 15 Roadshows in sieben Ländern und auf 13 Kapitalmarktkonferenzen präsentiert. Erst wenn Anleger kaufen, nachkaufen und irgendwann Gewinne mitnehmen, hat Wolf den Umsatz nachhaltig gesteigert.

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Wie sich Handelsumsatz und Kurs der vwd-Aktie entwickelten

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Mehr Umsatz

Wer schneller mehr Umsatz und damit Erfolg will, muss zu zweifelhaften Methoden greifen – Machenschaften, die laut einem Schreiben der Deutschen Börse an Banken und Börsenhändler dazu geeignet sind, „das Vertrauen in die Ordnungsmäßigkeit des Börsenhandels“ zu beschädigen. An der Börse aufgefallen waren Händler, die für „außergewöhnlich hohe Umsätze“ gesorgt hatten – und zwar auf den ersten Blick völlig sinn- und zwecklos. Eine Strategie oder die Absicht, Gewinne zu machen, sei bei den Deals nicht erkennbar gewesen. Die Verdächtigten sollen Aktien immer wieder im Kreis gehandelt und sie zwischen Börsenparkett und Xetra-System hin und her verkauft haben.

Laut Börse wiederholte sich dies „regelmäßig, ohne dass Aufträge Dritter zur Ausführung“ gekommen seien. „Diese Geschäfte repräsentierten oftmals einen erheblichen Anteil am Tagesumsatz in diesen Werten“, schrieb die Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse in ihrem Brandbrief von November 2012. Die verdächtigen Ringgeschäfte beschäftigen die Börsenaufsicht im hessischen Wirtschaftsministerium, die Finanzaufsicht BaFin und die Staatsanwaltschaft Frankfurt.

Aktienumsätze künstlich aufblasen ist kein Kavaliersdelikt

Aktienumsätze künstlich aufzublasen ist kein Kavaliersdelikt: Wer es tut, täuscht vor, dass ein Papier liquide ist. Damit sendet er Investoren falsche Signale – hart formuliert: Er manipuliert den Markt. Zwar verändern die Umsatzpusher den Kurs – wenn überhaupt – nur minimal. Für die Staatsanwaltschaft Frankfurt kommt es allerdings nicht darauf an, ob der Preis bewegt wird: „Bereits die Kursfestsetzung als solche kann bei künstlich erzeugten Umsätzen eine Preiseinwirkung darstellen, sofern die Kausalität zwischen Manipulationshandlung und festgestelltem Preis nachgewiesen werden kann“, schreibt die Behörde.

Im April hat sich die Staatsanwaltschaft mit vier Mitarbeitern der Bank Close Brothers Seydler auf die Zahlung von Geldauflagen geeinigt: Damit das Verfahren gegen sie eingestellt wurde, mussten die Banker zwischen 2250 und 9900 Euro zahlen. Die Staatsanwaltschaft hatte sie verdächtigt, im Jahr 2011 Umsätze in der Aktie des Finanzinformationsanbieters vwd künstlich erzeugt zu haben (siehe Grafik).

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