Stahlkonzern: Salzgitter im Gewitter

Stahlkonzern: Salzgitter im Gewitter

von Andreas Wildhagen

Die zweitgrößte deutsche Stahlhütte kämpft mit Überkapazitäten auf dem Markt. Ein Großauftrag aus Russland könnte zudem zur Überlebensfrage für Salzgitter werden.

Heute ist Hauptversammlung der traditionsreichen Salzgitter AG in Braunschweig. Die Großaktionäre werden nicht sehr glücklich sein, was ihnen Salzgitter-Chef Jörg Fuhrmann dort berichten wird. Der Stahlkonzern, der seine Erze über lange Züge vom Seehafen Hamburg bezieht, leidet unter einem ruinösen Preiskampf. Nun müssen die Salzgitter-Manager um einen Großauftrag bangen: Das Unternehmen Europipe, das Salzgitter und Dillinger Hütte gemeinsam betreiben, hatte zu Beginn des Jahres einen höchst lukrativ erscheinenden Auftrag aus Russland bekommen.

Ein 600 Kilometer langes Teilstück von South Stream, einer Pipeline durch das Schwarze Meer, soll geliefert werden. Doch durch Krim- und Ukraine-Krise und die dadurch drohenden Wirtschaftssanktionen könnte sich das Projekt doch noch hinauszögern oder auf Eis gelegt werden. Für Salzgitter hat der Pipeline-Auftrag ein Volumen von 300 Millionen Euro. Für einen Konzern, der 2013 einen Verlust in Höhe von knapp 500 Millionen Euro einfuhr, 95 Millionen Euro davon bei der Röhrenfertigung, ist so ein Auftrag fast schon überlebenswichtig, mutmaßen Analysten.

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Der Vorstandchef des italienischen Energiekonzerns Eni, der an South-Stream beteiligt ist, gab kürzlich vor dem italienischen Parlament einen düsteren Ausblick. Paolo Scaroni hatte bei einer Anhörung die Zukunft von South Stream skeptisch beurteilt. Die Europäische Kommission könnte die für den westlichen Festlandabschnitt von South Stream notwendigen Genehmigungsbürgschaften verweigern und damit die Finanzierung erschweren. Auch internationale Presseberichte ahnen nichts Gutes. So berichtete der Londoner „Daily Telegraph“, dass nach internen Quellen in Brüssel dem Pipelineprojekt ziemlich schlechte Aussichten bescheinigt würden. Das wäre fatal für die Zukunft von Salzgitter.

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Auch von dem deutschen Energiekommissar Günther Oettinger kommen negative Signale: „Unsere Gespräche über Pipelines wie South Stream beschleunige ich zur Zeit nicht. Sie werden sich verzögern.“ Russland will bei seinen Gasexporten mit Hilfe von South Stream die Ukraine umgehen. Umso bänger werden die Salzgitter-Manager. Deswegen war der Beifall von Salzgitter-Chef Fuhrmann besonders laut, den er dem Putin-Besuch von Siemens-Chef Joe Kaeser zollte. „Chapeau!“, jubelte Fuhrmann, „ich finde das richtig gut“. Er sei erschüttert darüber, in welcher Geschwindigkeit man in den Jargon des Kalten Krieges zurückgefallen sei. Fuhrmann beschwor die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Russland „ohne Hysterie“.

Er sagte es nicht nur diplomatisch, sondern auch in eigener Sache. Im Interesse von Salzgitter und seiner Beschäftigten.

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