Starinvestor auf Twitter: Wer schafft es, Warren Buffett zu hacken?

KommentarStarinvestor auf Twitter: Wer schafft es, Warren Buffett zu hacken?

von Hauke Reimer

Rechtzeitig vor der Berkshire-Hathaway-Hauptversammlung am Samstag hat sich jetzt auch Starinvestor Warren Buffett bei Twitter angemeldet. Wer ihn hackt, könnte ganz schnell Millionen machen. 

Mit zwei Tweets hat sich Warren Buffett über 260.000 Follower gesichert. Das nenne ich mal ein rationales Verhältnis von Aufwand und Ertrag  – ich habe es mit fünf Kurznachrichten seit Januar 2009 nur auf sechs Follower gebracht. Der kluge alte Investor sollte aber aufpassen, dass sein Account nicht gehackt wird. Stellen Sie sich vor, was passieren würde, wenn von seinem Konto aus auf  einmal getwittert würde, er werde sein Aktienpaket an der Münchener Rück aufstocken: Die Aktie würde fliegen, wer sich vorher mit ihr oder mit Call-Optionen auf die Aktie  eingedeckt hätte, könnte Millionen machen. Unwahrscheinlich ist das alles nicht: Zuletzt wurden der britische Guardian und die Nachrichtenagentur AP gehackt. Und Investoren ­ oder besser: ihre Handelsprogramme - hauen auch auf läppische kleine Tweets hin wie blöde milliardenschwere Aktienorders raus.

Erst schießen, dann fragen

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Börse ist eben wie John Wayne: Erst schießen, dann fragen. So wie Ende April, als die Nachrichtenagentur AP über Twitter zwei Explosionen im Weißen Haus und einen verletzten Präsidenten meldete. An der Wall Street zogen die Profis den Colt und drückten ab: Verkaufen! Der Dow Jones rauschte binnen Sekunden um 145 Punkte nach unten. Alle US-Aktien zusammen waren auf einmal 200 Milliarden Dollar weniger wert.

Klar, die Nachricht passte in die Zeit, nach dem Bombenanschlag beim Boston-Marathon und Giftbriefen ans Weiße Haus. Falsch war sie trotzdem. Ein paar Minuten später meldete  ein Washingtoner AP-Korrespondent, ebenfalls über Twitter, dass der AP-Account gehackt worden sei, angeblich von Assad-treuen Syrern. Die Börsenprogramme schalteten wieder auf Kaufen um.

Diese Aktien hat Buffett im Depot

  • Coca Cola

    Anzahl der Aktien: 200 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 8,73 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 21,6 Prozent

  • Wells Fargo

    Anzahl der Aktien: 320 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 6,51 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 19,56 Prozent

  • American Express

    Anzahl der Aktien: 151,6 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 12,67 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 19,56 Prozent

  • Procter & Gamble

    Anzahl der Aktien: 79,1 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 2,74 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 9,83 Prozent

  • Kraft Foods

    Anzahl der Aktien: 58,8 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 3,4 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 5,8 Prozent

  • Wal Mart

    Anzahl der Aktien: 39 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 1,1 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,26 Prozent

  • Wesco Financial

    Anzahl der Aktien: 5,7 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 80,1 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 4,32 Prozent

  • Conoco Phillips

    Anzahl der Aktien: 34,2 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 1,93 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 3,43 Prozent

  • US Bancorp

    Anzahl der Aktien: 69 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 3,59 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 3,51 Prozent

  • Johnson & Johnson

    Anzahl der Aktien: 10,3 Millionen

    Anteil am gesamten Unternehmen: 0,5 Prozent

    Anteil in Buffetts Portfolio: 2,7 Prozent

    Stand: 14.08.2012, Quelle: SEC, eigene Recherchen

Zwei Quellen? Ist nicht

Jeder Journalistenschüler bekommt heute eingehämmert, dass er, will er eine brisante Nachricht veröffentlichen, sich auf mindestens zwei Quellen stützen muss. Wer ein paar Milliarden bewegen will, dem reicht offenbar auch eine Quelle. An der Börse lief die ganze Herde in  eine Richtung. Zeit, die Story gegen zu checken, hat niemand.

Das ist nicht gravierend neu. Händler verkauften auch früher, wenn kursbewegende Nachrichten einliefen. Neu ist, dass Computer sehr viel höhere Volumina automatisch auf den Markt werfen – und dass Nachrichten und Gerüchte auf sehr viel mehr Kanälen laufen können. Die Obama-Falschmeldung ist kein Einzelfall, wenn auch ein besonders heftiger. Hervorragend geeignet ist Twitter auch, um Gerüchte  zu streuen. Im Januar etwa verbreiteten mehrere Adressen, Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sei zurückgetreten. Dax und Euro gingen daraufhin in die Knie – bis die Bundesbank dementierte.

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