Stelter strategisch: Aktien im Angebot oder der Griff ins fallende Messer?

kolumneStelter strategisch: Aktien im Angebot oder der Griff ins fallende Messer?

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Never catch a falling knife?

Kolumne von Daniel Stelter

Ist es nach der deutlichen Korrektur an den Aktienmärkten schon wieder Zeit zuzugreifen? Oder fällt das Messer weiter? Die Entscheidung will wohlüberlegt sein. Eine Kolumne.

Selbst wenn die Märkte nach dem turbulenten Jahresauftakt nun den Boden zu finden scheinen – für sogenannte Charttechniker ist die Sache klar. Eine Korrektur von zwanzig Prozent und mehr bedeutet Baisse, und damit sollte es, abgesehen von kleineren Erholungen, weiter bergab gehen. Eine solche Prognose würde eigentlich auch zu dieser Kolumne passen, warne ich doch schon lange vor mauen Renditen angesichts der hohen Preisniveaus an den internationalen Finanzmärkten.

Doch so einfach ist es nicht. Zum einen ist da die Empirie, die die Kollegen der Financial Times am vergangenen Samstag vorgelegt haben. Sie haben anhand historischer Daten festgestellt, dass jene, die an dem Tag, an dem die Märkte gegenüber der Spitze zwanzig Prozent verloren hatten,  Aktien gekauft hatten,  damit nicht so schlecht gefahren sind. Neunmal hat der S&P 500 seit 1950 mehr als zwanzig Prozent eingebüßt, und  nur zweimal haben die Käufer in den darauf folgenden zwölf Monaten richtig Geld verloren. Dies war 1973 und 2008 der Fall. Nach 2001 kam es nur zu einem leichten Verlust von einem Prozent. Und im Schnitt war der Ertrag der nächsten zwölf Monate immerhin zehn Prozent.

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Es sind aber nicht solche Zahlenspiele, auf die man sich verlassen sollte, sondern auf die nächste Geldspritze der Notenbanken. Und dafür spricht in der Tat einiges

Dennoch bietet eine genauere Analyse der genannten Chartverläufe noch interessante Hinweise. In zwei Phasen ging es nach der 20 Prozent Korrektur noch weiter bergab: 1973 und 2008. 1973 lagen die Bewertungen, gemessen am Shiller-PE bereits unter dem langfristigen Durchschnitt, der allerdings durch die Jahre 1995 bis 2015 nach oben verzerrt ist. Nimmt man diese – auf lange Sicht als außergewöhnlich zu betrachtende - Periode aus, waren Aktien auch damals schon teuer. 2008 waren sie wie auch im Jahr 2000 sehr teuer.

Konzentriert man sich nun auf diese Kennzahl, zeigt sich, dass in acht von den neun Fällen, in denen nach 20 Prozent Verlust deutliche Gewinne zu erzielen waren, die Aktien schon vor dem Einbruch relativ günstig bewertet waren. Umgekehrt: nur einmal gelang ein schneller Wiederanstieg der Kurse, obwohl die Aktien zuvor schon relativ teuer waren. Das war der Fall im Jahr 1970. Womit ich zu dem Schluss komme, dass für die Frage, ob man heute in Aktien investieren oder die Finger davon lassen sollte, letztlich doch die Bewertung eine entscheidende Rolle spielt.

Und da ist zunächst festzuhalten, dass US-Aktien nach wie vor recht teuer sind. Das kann  auf lange Sicht – und diese kann, wie letzte Woche diskutiert, sehr lange sein – eher maue Renditen bedeuten. Europäische Aktien sind zwar deutlich günstiger. Doch auch dies ist keine Garantie dafür, dass sie sich besser entwickeln – schon gar nicht, wenn die Wall Street weiter fällt (was nicht ausgeschlossen ist) ,und die EU weiterhin ihre Probleme nicht in den Griff bekommt (was sogar wahrscheinlich ist).

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