Stelter strategisch: Am Dollar hängt doch alles - auch Öl(aktien)

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Logo von Shell.

Kolumne von Daniel Stelter

Nicht Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis für Öl, sondern die globale Geldpolitik. Wenn das stimmt, sind Ölaktien reine Währungsspekulation. Ist jetzt die Zeit, aus der Ölbranche auszusteigen?

Jede Woche einen Kommentar zur Geldanlage zu schreiben, ist eigentlich eine komische Idee. Vor allem, wenn man wie ich davon überzeugt ist, dass wenige strategische Weichenstellungen für den langfristigen Anlageerfolg weitaus wichtiger sind als kurzfristiges Handeln, die Auswahl einzelner Aktien und vermeintliche Tipps. Deshalb verweise ich regelmäßig auf die Notwendigkeit einer Diversifizierung über Anlageklassen und Regionen hinweg und dies zu möglichst geringen Kosten. Letzteres setzt neben der Wahl der richtigen Bank auch einen Verzicht auf unnötiges Handeln voraus.

Trotzdem bin ich im letzten November von meinen selbst gewählten Grundsätzen abgewichen und habe das Pro und Contra einer Anlage in Ölaktien – und konkret in den Aktien von Shell – diskutiert. Auslöser war neben dem bereits stark gefallenen Kurs und dem tiefen Ölpreis die Tatsache, dass ich die Aktie selber in meinem Portfolio halte und ich mir die Frage gestellt habe: verkaufen oder nicht? Nach Diskussion der Gründe für Verkauf (Ende des Ölzeitalters, dauerhaft tiefer Ölpreis) und Halten (Öl werden wir noch lange brauchen, erhebliche Kostensenkungspotenziale in der Branche, Shell einer der besten Werte, hohe Dividende, die zudem seit 1945 nie gesenkt wurde) kam ich dann zum Schluss, die Aktie zu halten und eventuell sogar zuzukaufen.

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Letzteres war zum damaligen Zeitpunkt jedoch keine gute Idee. Notierte die Aktie am 5. November noch bei 23,34 Euro, erreichte sie den (vorläufigen) Tiefpunkt erst Mitte Januar 2016 mit 16,69 Euro. Ein gutes Beispiel dafür, dass man sich als Kolumnist nicht allzu weit aus dem Fenster lehnen sollte. Und zugleich dafür, dass das mit dem Timing an der Börse so eine Sache ist - gelingt es doch den Wenigsten, den Markt zu schlagen. Mir auch nicht.

Zur Person

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erschien sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Mittlerweile steht die Aktie von Shell wieder fast auf dem Niveau vom November vergangenen Jahres, wenn man die im Februar gezahlte Quartalsdividende mit einrechnet. Stellt sich für mich wiederum die Frage, ob ich die Aktie jetzt aus dem Portfolio werfen sollte. Schließlich habe ich gesehen, dass es noch viel tiefer gegangen ist, und von der Erholung des Ölpreises in den letzten Wochen hätte ich jetzt schon profitiert. Und ob er weiter steigt, ist mehr als fraglich, da sich doch keiner der fundamentalen Faktoren geändert hat: China kämpft weiter mit einer deutlichen Konjunkturabschwächung, Saudi Arabien will dem Iran das Geschäft vermiesen und zugleich den Weltmarktanteil und vor allem den wichtigen chinesischen Markt gegen Russland verteidigen. Der technologische Fortschritt macht die Alternativenergien auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig.

Warum ist der Ölpreis überhaupt gestiegen, fragt man sich da. Bei meiner Suche nach einer Antwort bin ich auf einen interessanten Aufsatz von Ben Hunt gestoßen. Darin zeigt der Investmentmanager unter anderem ein beeindruckendes Bild von der Korrelation des handelsgewichteten Kurses des US-Dollars mit dem Preis für ein Barrel Öl. Die Korrelation liegt bei minus 0,96 Prozent! Will heißen: steigt der gewichtete Kurs des US-Dollars, fällt der Ölpreis und umgekehrt. Von Anfang 2014 bis zum Januar 2016 zeigt das Chart einen steigenden US-Dollar und einen fallenden Ölpreis. Seither hat sich die Entwicklung umgekehrt. Der Dollar fällt und der Ölpreis steigt völlig losgelöst von Produktions- und Nachfragemengen. Das ist zumindest interessant.

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