Stelter strategisch: Die besten Wetten gegen den Markt

kolumneStelter strategisch: Die besten Wetten gegen den Markt

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Pferderennen beim Melbourne Cup, Australien

Kolumne von Daniel Stelter

Wer gegen den Markt wettet, kann viel Geld verdienen. Vorausgesetzt er arbeitet mit Netz und hat ein glückliches Händchen beim Timing.

In der vergangenen Woche habe ich an dieser Stelle über den Charme der Wetten gegen die Mehrheit gesprochen. Angesichts der einhelligen Meinung an den Märkten zu Aktien (steigen), Zinsen (steigen), Dollar (steigt), Gold (fällt) und Konjunktur USA (boomt demnächst), ist es nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Enttäuschung und damit zu einer Trendumkehr kommt. Keine Entwicklung, sie mag noch so überzeugend wirken, verläuft linear.

Erste Zweifel dürften den Investoren spätestens mit den aktuellen Interviews von Donald Trump kommen. Der designierte Präsident scheint es offensichtlich nicht nur mit seinen positiven Ankündigungen (Steuersenkungen/Infrastrukturprogramm) ernst zu meinen, sondern auch mit den negativen. Protektionismus und Abschottung sind ernstere Gefahren, als die Finanzmärkte wahr haben wollen. Es kann also gut sein, dass der Trendbruch schneller da ist, als wir gedacht haben.

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Was wir 2016 hätten kaufen sollen

Blickt man in die Vergangenheit, kann man sehr schön zeigen, dass sich die Wette gegen die Mehrheitsmeinung lohnt. Analysten der Citigroup haben dies getan und die Financial Times hat vor einigen Wochen darüber berichtet. Dabei wurde die Mehrheitsmeinung an der Kursentwicklung des Vorjahres festgemacht. Was besonders stark gefallen war, wurde gekauft, was besonders stark gestiegen war, verkauft. Die Ergebnisse sind durchaus interessant.

Zunächst der Blick zurück: Was wären denn die besten Wetten der „Contrarians“ – so nennt man die Spekulanten gegen den Markttrend – im Januar 2016 gewesen? Der Kauf von Öl (2015: - 31 Prozent/ 2016: +42 Prozent), Aktien der Schwellenländer (-15 Prozent/+13 Prozent) und Gold (-10 Prozent/+9 Prozent).

Stelter strategisch Für Wetten auf die Trendumkehr ist es noch zu früh

Gegen die Mehrheitsmeinung zu wetten, kann sich auszahlen. Der Mehrheit hinterherzulaufen auch. Das gilt vor allem hinsichtlich der vielen Prognosen zu Dollar, Gold und Zinsen. Alles eine Frage des Timings.

Quelle: Mopic - Fotolia

Noch höhere Renditen – natürlich mit mehr Risiko – waren auf der Ebene einzelner Aktien zu erzielen, so mit Rio Tinto (2015: -34 Prozent/2016: +60 Prozent), BHP Billiton (-35 Prozent/+46 Prozent) und Royal Dutch Shell (-31 Prozent/+45 Prozent), welche alle von der deutlichen Erholung der Rohstoffpreise profitiert haben. Auch in anderen Sektoren gab es deutliche Bewegungen, so bei Qualcomm (-33 Prozent/+39 Prozent) und Wal-Mart (-29 Prozent/+17 Prozent). Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Märkte übertreiben und man aus der Gegenreaktion Gewinn schlagen kann. So sie kommt.

Auch Wetten auf fallende Kurse von zuvor stark gestiegenen Werten waren ertragreich. Allerdings nicht so erfolgreich wie der Kauf von zuvor sehr unpopulären Werten. Am besten lief die Wette gegen Hochzinsanleihen mit einem Gewinn von 17 Prozent.

Auf der Ebene von Einzelaktien hat man laut Citigroup mit Wetten auf fallende Kurse gegen den Markt im Schnitt sogar etwas Geld verloren. Dies unterstreicht die Schwierigkeit des Timings. Wenn man etwas zu früh kauft, ist das zwar schmerzhaft, führt aber nicht zu einem Totalverlust. Wenn man zu früh mit Optionen oder Futures auf fallende Kurse setzt, ist ein Totalverlust nicht auszuschließen, weil die Zeit gegen einen läuft.

Und was ist 2017?

Doch wie sollte man vorgehen, wenn man heute gegen den Markt wetten möchte? Auch hierfür hat die Citigroup ein paar Ideen. Als Käufe werden unter anderem die Aktien von Pharmakonzernen gesehen. Werte wie Teva, Allergan, Novo Nordisk, Novartis und auch Bayer stehen auf der Liste. Diese Industrie verdeutlicht sehr schön die Grenzen der Methodik. Kommt es nämlich wie zunehmend befürchtet zu einer härteren Gangart der US-Regierung gegen die Pharmakonzerne, die einen Großteil ihrer Gewinne auf dem höchstprofitablen – und deshalb auch für Bürger so teuren – US-amerikanischen Markt erzielen, sind noch tiefere Kurse nicht auszuschließen. Man würde also zu früh in ein fallendes Messer greifen.

Nicht besser sieht die Liste der Verkaufsempfehlungen aus. Diese wird von den Gewinnern des Vorjahres dominiert, also Rohstoffwerten wie Rio Tinto, BHP Billiton und Glencore. Gibt es durch Trumps Interventionen tatsächlich eine konjunkturelle Belebung, kann es sein, dass diese Aktien zwar nicht mehr weiter zulegen, aber auch nicht nachhaltig verlieren. Ein denkbar schlechtes Ergebnis für jenen, der auf fallende Kurse setzt.

Über einen Zeitraum von 20 Jahren – auch dies zeigt die Studie der Citigroup – war die Strategie, gegen den Markt zu wetten in neun Jahren erfolgreich, die Strategie der Mehrheitsmeinung zu folgen in elf Jahren. Man könnte einfach sagen: die Chancen stehen 50/50, weshalb man als Privatanleger, wie hier immer wieder betont, lieber an einem stabilen Portfolio festhalten sollte, statt mit dem Versuch, den Markt zu schlagen, nach Kosten einen garantiert tieferen Ertrag zu erwirtschaften.

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