Stelter strategisch: Die EZB entfacht bestenfalls ein Strohfeuer

kolumneStelter strategisch: Die EZB entfacht bestenfalls ein Strohfeuer

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Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)

Kolumne von Daniel Stelter

Die EZB dürfte nur vordergründig liefern, was die Märkte brauchen. Die jüngste Erholung dürfte vieles bereits vorweg genommen haben. Wie Anleger mit dem EZB-Entscheid umgehen sollten.

Nun tagt sie also wieder, die Europäische Zentralbank (EZB). Gespannt blicken die Märkte der Welt nach Frankfurt und erhoffen sich die erlösende Nachricht: Noch mehr Geld – sei es in Gestalt noch tieferer Refinanzierungszinsen, noch negativerer Einlagenzinsen, noch mehr Käufe von Staatsanleihen oder gar einer Ausweitung des Programms auf Bankanleihen und Papiere mit zweifelhafter Bonität.

Viel spricht dafür, dass die EZB diesmal nicht enttäuscht. Also geht es weiter im bisherigen Spiel, eine Solvenzkrise wie eine Illiquiditätskrise zu behandeln. Banken, Finanzmärkte und Finanzminister dürfte es freuen. Kauft die EZB doch wieder Zeit, und man kann darauf setzen, dass sich die Nachfolger mit dem dann noch größeren Problem herumschlagen müssen.

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Aber was tut der Investor? Auf den Börsenzug aufspringen und die absehbaren Gewinne mitnehmen oder bereits heute vorwegnehmen, was unweigerlich kommt: die erneute Korrektur, der erneute Ruf nach weiterem Geld, die immer drastischeren Interventionen? Das große Anleihekaufprogramm der EZB ist gerade mal ein Jahr alt. So verfestigt sich der Eindruck, dass die Maßnahmen der Notenbanken Strohfeuer sind, die immer kürzer brennen und immer weniger Wärme erzeugen.

Zur Person

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erschien sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Kann also gut sein, dass heute der Grundsatz gilt: sell the News. Denn im Kern unterstreicht die EZB mit ihren immer verzweifelteren Interventionen, dass auch die Notenbanker mit ihrem Latein am Ende sind.

Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik wachsen

Hat die US-Notenbank Fed mit ihrem Entscheid, die Zinsen in den Abschwung hinein zu erhöhen, im Dezember die sinkenden Kurse an den Börsen verstärkt, so könnte die EZB nun das Gegenteil von dem erreichen, was sie eigentlich beabsichtigt. Die Börse könnte fallen statt zu steigen. Denn es wachsen doch die Zweifel an der Wirksamkeit der Geldpolitik. Erst wenn die letzten Hemmungen fallen und die Notenbanken zur direkten Finanzierung von Staatsausgaben übergehen, dürfte es zu einem wahren Boom an den Börsen kommen. Nur dann können wir davon ausgehen, dass es gelingt, Deflation und Rezession nachhaltig zu überwinden. Je mehr das die Finanzmärkte realisieren, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die Märkte nicht mehr wie gewohnt auf die Notenpresse reagieren.

Das Drama, welches sich zur Zeit in Portugal und Österreich mit der Behandlung von Anleihegläubigern staatlich garantierter Schulden abspielt, wirft ein Schlaglicht auf die Größe der Probleme, vor denen wir stehen. Mich wundert dabei nicht so sehr, dass die Staaten versuchen, Gläubiger zur Kasse zu bitten, sondern, dass die Gläubiger so naiv waren, an Versprechungen von Staaten und insolventen Banken zu glauben.

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19 Kommentare zu Stelter strategisch: Die EZB entfacht bestenfalls ein Strohfeuer

  • Seit wann ist es dem Ökonomen erlaubt, Zweifel zu säen. Der Ökonom hat Kausalzusammenhänge zu klären, sonst muss er schweigen oder man entzieht ihm das Wort.

  • Die WIWO kann sich glücklich schätzen, einen so hervorragenden Makro-Ökonomen als Kolumnist zu haben.

    Sein neues Buch "Eiszeit" müßte Pflichtlektüre für jeden sein, der sich mit Finanzfragen beschäftigt.

    Wenn man seine wohl richtigen Erkenntnisse in die Tat umsetzen würde, könnte man sich in der kommenden Eiszeit große Verluste im Wertpapier-Segment ersparen.

    Die in der System-Presse agierenden Jubel-Perser werden in seinem Buch als das dargestellt, was sie sind: Protagonisten der Finanzmafia, "John Laws" der heutigen Zeit, die unermüdlich an ihrem schädlichen Ponzi-System zum Nachteil der Anleger arbeiten.

  • Für den Langfristanleger ist es s.....egal was Herr Draghi heute macht. Es ist auch völlig egal wie Herr Stelter darüber denkt. Herr Stelter kann die Dinge so verkaufen, damit es aussieht als ob er wüsste wie sich die Börsen zukünftig entwickeln. Kann er aber nicht, weil das niemand kann.

    Und nach dem Zinsentscheid ist vor dem Zinsentscheid. Also cool bleiben und immer daran denken:Die Zukunft ist niemals klar: Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen. Unsicherheit ist deshalb der Freund von Langfrist-Investoren. (Warren Buffet)

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