Stelter Strategisch: Mit der Fed-Zinserhöhung prozyklisch in die Baisse

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kolumneStelter Strategisch: Mit der Fed-Zinserhöhung prozyklisch in die Baisse

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Die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) war lange erwartet worden. Die Reaktion der Börse erfolgt prompt.

Kolumne von Daniel Stelter

Jetzt hat die Fed also endlich die Zinsen erhöht. Ein Minischritt, mehr Symbol als echter Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes. Dennoch ein Wendepunkt an den Finanzmärkten: 2016 dürfte es bergab gehen. Eine Kolumne.

Leser dieser Kolumne kennen meine Einschätzung, dass der eigentliche Zweck der Zinserhöhung ist, wieder Spielraum für weitere Zinssenkungen zu bekommen. Noch nie waren die Zinsen nach einem mehrjährigen Aufschwung so tief. Richtig ist natürlich auch, dass noch kein Aufschwung so schwach war. Dabei geht es den USA aber deutlich besser als der Eurozone. Käme es zu einer Rezession, so müssten die Fed wie auch die EZB sogleich zu unkonventionellen Mitteln greifen, vor allem zur direkten Staatsfinanzierung und dem Helikoptergeld. Da ist es allemal besser, zumindest im ersten Schritt noch ein bekanntes, wenngleich weitgehend abgenutztes Instrument zu haben: die Zinssenkung.

Zinserhöhung trifft auf schwächelnde Märkte

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Natürlich haben jene Kritiker Recht, die die Zinserhöhung um 0,25 Prozentpunkte nur als kosmetische Maßnahme ohne jegliche Relevanz für die Realwirtschaft sehen. Dennoch hat die Entscheidung eine erhebliche symbolische Bedeutung: sie dürfte den Endpunkt der Erholung von Finanzmärkten und Konjunktur markieren. 2016 droht deutlich schlechter auszufallen, als wir es uns heute noch denken. Darauf deuten vor allem Indikatoren von den US-Finanzmärkten hin:

Stimmen zur Zinswende der Fed

  • David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank

    "Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik. Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

  • Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

    "Diese Entscheidung der Fed war fällig. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation können die USA einen langsamen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes gut verkraften. Die Auswirkungen auf die Schwellenmärkte dürften begrenzt bleiben, solange die Notenbank nur moderat an der Zinsschraube dreht. Insgesamt wird die Erhöhung zwar nicht ganz ohne kurzfristige Folgen bleiben. Allerdings sind diese leichter verkraftbar als die Risiken neuer Finanzmarktblasen.
    Die Entscheidung der Amerikaner dürfte es zudem der EZB erleichtern, ihren übertriebenen Aktionismus der letzten Monate zu überdenken. Denn Geld zum Nulltarif allein lässt die Unternehmen hierzulande nicht investieren, dazu brauchen sie vielmehr bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen."

  • Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft

    "Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

  • Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt

    "Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

  • Michael Menhart, Chefökonom Münchener Rück

    "Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea Bank

    "Ich finde die Zinserhöhung angemessen, im Grunde überfällig. Der Pfad der Zinserhöhungen im kommenden Jahr dürfte relativ flach bleiben. Gegenwind von den Finanzmärkten, etwa auch ein stärkerer Dollar, dürften das Tempo der Zinserhöhungen drosseln. Für die EZB heißt der Schritt der Fed erst einmal nicht viel."

  • Franck Dixmier, Anleihechef Allianz Global Investors

    "Die Zinserhöhung spiegelt ein begründetes Vertrauen der Mehrheit der US-Notenbanker in die Beschäftigungslage und die Aussichten auf eine mittelfristige Rückkehr der Inflation zur Zielmarke von zwei Prozent wider. Die Fed dürfte jedoch mit einem zweiten Zinsschritt warten, bis sich die Inflation erhöht hat."

  • Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Group

    "Letztlich möchten die US-Währungshüter die Nullmarke bei den Zinsen hinter sich lassen, um beim nächsten Abschwung über die nötige Zinsmunition zu verfügen. Janet Yellen wird im kommenden Jahr sehr behutsam mit weiteren Zinserhöhungen vorgehen. In Anbetracht der fragilen Lage im verarbeitenden US-Gewerbe bleiben weitere Zinsschritte aber eine Gratwanderung."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Man könnte sich jetzt darüber streiten, ob die sehr kleine Zinsveränderung tatsächlich die große Wende ist - oder nur ein kleines geldpolitisches Trostpflaster für die angespannte Weltwirtschaft. Wie geht es jetzt weiter? Drei Faktoren stehen im Fokus: die US-Inflation, die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft."

  • Klaus Wiener, Chefvolkswirt des GDV

    "Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung - dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

  • Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim

    "Unstrittig ist (...), dass der Startschuss für die Leitzinserhöhungen das Ende eines historisch einmaligen geldpolitischen Experiments darstellt. Da es keine Blaupausen für die Rückabwicklung einer solch ultraexpansiven Kurssetzung gibt, ist diese per se mit Unsicherheit verbunden und dürfte für Schwankungen an Kapital- und Devisenmärkten sorgen. Anfällig sind dabei traditionell die Volkswirtschaften und Währungen der Schwellenländer."

  • Marcel Fratzscher, DIW-Chef

    "Die Entscheidung war längst überfällig. Allerdings hat die US-Notenbank signalisiert, dass sie nur sehr langsam die Zinsen in den kommenden Jahren erhöhen wird. Die Geschwindigkeit der erwarteten graduellen Zinserhöhung könnte sich als zu langsam erweisen und die Risiken für die Finanzstabilität in den USA erhöhen. Die Prognose für die US-Wirtschaft ist gut, die Geldpolitik der USA jedoch für die kommenden Jahre weiterhin sehr expansiv."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverband BDB

    "Die Zinserhöhung der US-Notenbank ist eine gute Nachricht: Sie zeigt, dass die Fed dem konjunkturellen Aufschwung in den USA vertraut und die Folgen der Finanzkrise zum größten Teil als überwunden ansieht. Die amerikanische Notenbank hat die Marktteilnehmer sorgfältig auf den Zinsschritt vorbereitet."

  • Stefan Kreuzkamp, Chefanleger DWS

    "Die Fed betritt mit ihren Zinsschritt ganz klar Neuland: Noch nie hat sich eine US-Notenbank auf den Weg in einen Zinserhöhungszyklus gemacht, wenn die Raten für das Wirtschaftswachstum so niedrig waren und die eigene Bilanz so aufgeblasen. Die Tatsache, dass die Rücklagen von Finanzinstituten bei der Zentralbank seit 2007 von 15 Milliarden auf 2,5 Billionen Dollar angestiegen sind, macht den Weg für die Fed nicht einfacher. Wir erwarten aber nicht, dass die Fed ihre Bilanz zurückfahren wird, bevor sie nicht noch einige Zinsschritte gegangen ist.

    Dass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus startet, so kurz nachdem die EZB ihre Geldpolitik noch weiter gelockert hat, unterstreicht unseren positiven Ausblick für den US-Dollar, von dem wir glauben, dass er im kommenden Jahr die Parität zum Euro erreichen und auch unterschreiten wird."

  • Nick Peters, Fonds Manager Fidelity International

    "Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft. In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus."

  • Luke Bartholomew, Investmentmanager Aberdeen Asset

    "Die Fed hat endlich damit begonnen, die Zinsen anzuheben. Nachdem jetzt diese eine Unsicherheit aufgelöst wurde, werden sich die Fragen nun um die Geschwindigkeit der Erhöhungen im nächsten Jahr drehen. Die Fed hat für das kommende Jahr vier Erhöhungen in Aussicht gestellt, was bedeutend mehr ist als der Markt erwartet hat. In den vergangenen Jahren, waren es die Vorhersagen der Fed, die falsch waren, und der Markt hatte Recht behalten. Wir könnten letztlich am Wendepunkt stehen, an dem der Markt beginnt, die Vorhersagen der Fed ernster zu nehmen."

  • Die US-Aktien notieren mit einem Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 27 deutlich über dem langfristigen Schnitt von 16. In den letzten 100 Jahren waren US-Aktien nur im Zuge der New Economy Blase teurer.

  • Immerhin fast 70 Prozent der Aktien an der NYSE werden unter dem gleitenden Durchschnitt der letzten 200 Tage gehandelt. Ein deutliches Warnzeichen für die weitere Entwicklung der Märkte.

  • Der Aufschwung an der Börse wurde in den vergangenen Monaten von immer weniger Aktien getragen. Bei Markteinbrüchen nimmt die sogenannte Marktbreite deutlich zu: fast alle fallen. Auch dies kein gutes Zeichen für den Markt.

Das sind die Gewinner und Verlierer der Währungsschwäche

  • Gewinner Exporteure

    Die Geldflut der Europäischen Zentralbank (EZB) hat den Euro auf Talfahrt geschickt. Nach Einschätzung von Analysten könnte ein Euro schon bald weniger als ein US-Dollar kosten - erstmals seit mehr als zwölf Jahren. Ein schwacher Euro hilft Firmen aus der Eurozone, die Waren außerhalb des Währungsraums verkaufen wollen. Denn ihre Autos oder Maschinen werden auf den Weltmärkten günstiger - etwa in wichtigen Märkten wie Asien oder Amerika. Die Nachfrage nach Produkten „Made in Germany“ oder anderen Euro-Staaten dürfte anziehen. Schon 2014 verkaufte Deutschland so viele Waren ins Ausland wie nie zuvor. Allerdings: Immerhin 37 Prozent der deutschen Exporte gehen in die Eurozone. Dort spielt der Wechselkurs keine Rolle.

  • Gewinner Konjunktur

    Mehr Exporte = mehr Produktion = mehr Arbeitsplätze. Ganz so einfach geht es in der Praxis nicht, aber der EZB-Kurs mit Nullzins und Geldschwemme zielt auch in diese Richtung. Allein über den Preis werden Unternehmen aus dem Euroraum dank des niedrigen Eurokurses wettbewerbsfähiger. Somit stehen die Chancen gut, dass sie mehr verkaufen und ihre Fabriken besser ausgelastet sind. Das könnte mittelfristig auch neue Arbeitsplätze schaffen. All das bringt die heimische Wirtschaft voran.

  • Gewinner Dax-Konzerne

    „Das Milliarden-Geschenk“ titelte das „Handelsblatt“ am 22. Januar, als die EZB ihr gigantisches Anleihenkaufprogramm beschloss. Die lockere Geldpolitik der Notenbank könnte exportstarken deutschen Konzernen nach Berechnungen der Commerzbank im laufenden Jahr zwölf Milliarden Euro zusätzlich an Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) in die Kassen spülen - allein weil der Euro gegenüber dem Dollar an Wert verliert. Vom Euroverfall profitieren demnach vor allem jene Firmen, die Rechnungen und Löhne in Euro bezahlen, aber in Dollar abrechnen.

  • Verlierer Importeure

    Wer Waren oder Rohstoffe aus dem Ausland bezieht, muss sich auf höhere Kosten einstellen. Denn wichtige Rohstoffe wie etwa Öl werden international in Dollar gehandelt. Wenn der Euro im Vergleich zum Dollar an Wert verliert, werden solche Importe für Abnehmer im Euroraum tendenziell teurer. Deshalb sei ein schwacher Euro für die Exportnation Deutschland auch nur auf den ersten Blick erfreulich, kommentiert der Außenhandelsverband BGA: „Ohne die niedrigen Rohstoffpreise würde der schwache Euro tiefe Spuren in unserer Importrechnung hinterlassen und somit auch die Verkaufspreise im Export erhöhen.“ In Deutschland wäre der Preisrückgang bei Benzin und Heizöl in den vergangenen Monaten noch deutlicher ausgefallen, wenn der Eurokurs nicht so stark nachgegeben hätte.

  • Verlierer Urlauber

    Urlaube in der Schweiz oder in die USA werden teurer, wenn der Euro gegenüber anderen wichtigen Währungen an Wert verliert. Ende Januar rechnete der Bundesverband deutscher Banken (BdB) vor: Die Kaufkraft eines Euro in der Schweiz betrage nur noch etwa 55 Cent. Das heißt: Waren und Dienstleistungen waren dort zu diesem Zeitpunkt im Schnitt fast doppelt so teuer wie in Deutschland. Auch für Reisen in andere Nicht-Euroländer wie Großbritannien oder die Türkei müssen Verbraucher aus Euroländern tiefer in die Tasche greifen. Auf der anderen Seite wird für Amerikaner oder Chinesen ein Trip nach Berlin, Athen oder an die Côte d'Azur attraktiver.

  • Verlierer Unternehmen

    Für den Ausbau ihrer Geschäfte außerhalb des Euroraums müssen Unternehmen aus dem Euroraum tendenziell mehr Geld in die Hand nehmen. Wer etwa eine Fabrik in China oder in den USA errichten will und dies in der jeweiligen Landeswährung bezahlt, legt in Euro gerechnet künftig drauf.

  • Verlierer Nicht-Eurostaaten

    Während die US-Notenbank Fed ihre Geldschleusen absehbar wieder schließen will, fährt die EZB einen genau entgegengesetzten Kurs. Das erhöht die Gefahr, dass es zu einem „Währungskrieg“ kommt. Mit ihren milliardenschweren Anleihenkäufen habe die EZB „eine Tür geöffnet, hinter der die Gefahr eines Abwertungswettlaufes lauert“, kritisierte BGA-Präsident Anton F. Börner. Die Erfahrung zeigt, dass es in solchen Fällen nur Verlierer gibt.

  • Der traditionell als Konjunkturindikator dienende Dow Jones Transport Index hat den Aufwärtstrend seit August deutlich nach unten durchbrochen, ebenfalls ein Zeichen für bevorstehende Turbulenzen und eine schwächere Konjunktur.

  • Die Welle der Börsengänge (IPO) ebbt ab. IPOs sind ein bewährtes Zeichen für Höhepunkte am Kapitalmarkt, wie ich vor einigen Wochen am Beispiel von Glencore ausgeführt habe. Die Verkäufer handeln rational und versuchen einen möglichst hohen Preis zu erzielen. So markierte der Börsengang von Blackstone am 22. Juni 2007 durchaus einen guten Zeitpunkt aus dem Markt auszusteigen. Es ging zwar noch ein paar Wochen bergauf, danach aber bekanntlich deutlich nach unten. Viele der Top-IPOs seit 2011 notieren mittlerweile deutlich unter den Höchstkursen. Alibaba (-30%), Twitter (-65%), Zygna (-85%) und Groupon (-90%). Neue IPOs kommen kaum noch – und wenn, zu deutlich gesenkten Preisen. Was manche als ein positives Zeichen der Beruhigung sehen, ist wohl eher ein Warnsignal: die Investoren nehmen Risiken zurück.

Stelter strategisch Die EZB ist Gefangene der eigenen Politik

Die aufgeregte Debatte um den EZB-Entscheid ist müßig. Die EZB hat gar keine andere Wahl, als Vollgas zu geben und weiter Geld in die Märkte zu pumpen, will sie sich selbst erhalten. Eine Kolumne.

Sackgasse für die Europäische Zentralbank Quelle: dpa

  • Die wichtigste Käufergruppe für Aktien waren in den vergangenen Monaten die Unternehmen selbst. Entweder über Aktienrückkäufe oder aber über den Kauf anderer Unternehmen. In beiden Bereichen deutet sich eine deutliche Abkühlung an. Zum einen sind die Schulden der US-Unternehmen deutlich gewachsen, und die Kritik an weiteren Aktienkäufen nimmt zu. Zum anderen stehen Deals wie Allergan/Pfizer, die sich ausschließlich über Steuerersparnisse rechtfertigen lassen, für den Endpunkt eines Booms. Die Milchmädchen von heute sind nun mal die Unternehmen, wie ich hier bereits erläutert habe.

  • Daten von JP Morgan zeigen, dass US-Unternehmen nicht mehr genug Cash Flow erzeugen um Investitionen und Dividenden zu bezahlen. Sie müssten sich also weiter verschulden oder aber die ohnehin geringen Investitionen weiter kürzen. Oder die Dividende. Von Aktienrückkäufen wäre dann auch keine Rede mehr.

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