Stelter strategisch: Ölaktien - Steinzeitpapiere oder lohnende Investments?

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Aktien von Ölförderern: Ein lohnendes Value Investing?

Kolumne von Daniel Stelter

Sucht man günstig bewertete Aktien, stolpert man zwangsläufig über die Ölwerte. Die Aktien der Ölproduzenten locken mit hohen Dividendenrenditen. Fragt sich nur: wie lange noch?

Es ist schwer, im heutigen Umfeld moderat bewertete Aktien zu finden. Umso mehr stechen die Aktien von Ölförderern ins Auge; sie scheinen zu den günstigeren Werten zu gehören –  zumindest wenn man sich am Kurs-Buchwert-Verhältnis orientiert. Also der Marktkapitalisierung relativ zum Wert der Aktiva des Unternehmens. Laut Bank of America sind die US-Energiewerte so billig zu haben, wie noch nie im Betrachtungszeitraum seit 1986. Relativ zum Aktienindex werden sie nach dieser Bewertungsformel mit einem Abschlag von 45 Prozent gehandelt, verglichen mit einem Durchschnitt von 15 Prozent. Zeit also zuzugreifen?

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Zum Autor

  • Daniel Stelter

    Daniel Stelter war von 1990 bis 2013 Unternehmensberater bei der Boston Consulting Group (BCG), zuletzt als Senior Partner, Managing Director und Mitglied des BCG Executive Committee. Seit 2007 berät Stelter internationale Unternehmen zu den Herausforderungen der fortschreitenden Finanzkrise. Zusammen mit David Rhodes verfasste er das 2010 preisgekrönte Buch „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“. Weitere Bücher folgten, so eine Replik auf das Buch „Das Kapital im 21. Jahrhundert“ des französischen Ökonomen Thomas Piketty unter dem Titel „Die Schulden im 21. Jahrhundert“. Im Februar 2016 erscheint sein neues Buch, „ Eiszeit in der Weltwirtschaft“. Stelter ist Gründer des auf Strategie und Makroökonomie spezialisierten Forums „Beyond the Obvious“, das Antworten auf die wirtschaftlichen und finanzpolitischen Fragen unserer Zeit sucht.

Nun bedeutet eine relativ günstige Bewertung noch lange nicht, dass es eine gute Idee ist, eine Aktie zu kaufen. Denn es kann sehr wohl sein, dass die Bewertung richtigerweise eine schlechte zukünftige Entwicklung widerspiegelt. Im hier genannten Bewertungsmaßstab ist es durchaus fraglich, ob die Buchwerte wirklich noch so hoch sind wie angenommen. Ein Blick auf die Meldungen der vergangenen Woche genügt. So meldete Royal Dutch Shell einen Quartalsverlust von sechs Milliarden US-Dollar, nachdem zwei große Explorationsvorhaben in Kanada und Alaska abgesagt wurden, was immerhin Abschreibungen von 8,3 Milliarden zur Folge hatte. Auch so können sich Buchwerte und Marktwerte einander annähern, sicherlich nicht zur Freude der Aktionäre!

Wer kaufen will, muss also nicht nur auf die zweifellos günstige Bewertung schauen, sondern auch die Frage beantworten, wie es denn fundamental mit den Unternehmen weitergeht. Dabei ist zunächst festzuhalten, dass der derzeitige Ölpreisrückgang länger andauert als von vielen prognostiziert und sich nicht mehr alleine mit der „Fracking“ -Revolution in den USA erklären lässt. Konjunkturrisiken in China, Liquiditätsnöte der Produzenten und ein zunehmender Strukturwandel in den Verbraucherländern führen zu einer gänzlich neuen Lage am Markt. Wer hätte gedacht, dass den Saudis einmal das Geld ausgehen würde? Nun warnt der IWF, dass das Land in finanzielle Schwierigkeiten geraten wird, sollte der Ölpreis sich nicht erholen oder die Ausgaben drastisch eingeschränkt werden.

Fakten zum Rohölpreis

  • Wieviel Öl gibt es noch auf der Erde?

    Die Fachleute unterscheiden zwischen Reserven und Ressourcen. Reserven sind Rohstoffe, die mit heutigen Mitteln wirtschaftlich gefördert werden können, also zum Verbrauch zur Verfügung stehen. Ressourcen sind weitere Vorkommen eines Rohstoffs in der Erdkruste, die aber noch nicht zugänglich sind. Die Ölreserven betragen, je nach Quelle, ungefähr 220 bis 240 Milliarden Tonnen, davon etwa ein Fünftel aus unkonventionellen Quellen wie Schieferöl und Ölsände. Den bisherigen Verbrauch seit Beginn des Ölzeitalters beziffert die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) auf 175 Milliarden Tonnen.

  • Wie lange reicht das Öl?

    Bei heutigem Verbrauch noch mehr als 50 Jahre. Die Nachfrage und der Verbrauch werden jedoch in den nächsten Jahrzehnten zunehmen. Öl ist mit einem Anteil von einem Drittel der wichtigste Energieträger. Damit hat es zwar relativ an Bedeutung verloren; vor 40 Jahren hat Öl noch fast die Hälfte des weltweiten Energieverbrauchs abgedeckt. Aber der Energieverbrauch steigt weltweit weiter an und damit auch der Ölverbrauch. Nach der Prognose von BP erhöht er sich bis 2035 von heute 90 auf 109 Millionen Barrel pro Tag. Andere Prognosen sind niedriger, die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet mit 104 Millionen Barrel bis 2040.

  • Kann diese steigende Nachfrage mittelfristig befriedigt werden?

    Da streiten die Gelehrten. Es gibt zwei Denkschulen. Die Anhänger der Peak-Oil-Theorie gehen davon aus, dass bei konventionellem Öl bereits das Fördermaximum erreicht ist und nur mit teuren unkonventionellen Methoden wie Fracking von Ölschiefer und Förderung von Ölsänden noch Produktionssteigerungen möglich sind. „Nur Nordamerika trug in den Jahren seit 2005 überhaupt zu einer Steigerung der globalen Ölförderung bei. Ohne Berücksichtigung der USA und Kanada ist die Welt bereits seit neun Jahren auf dem Ölfördergipfel“, heißt es auf einer Internet-Seite der Peak-Oil-Fraktion. Sie sieht stark steigende Ölpreise bereits vor 2020 voraus.

  • Wird diese Sichtweise in der Fachwelt geteilt?

    Die Peak-Oil-Theorie hat eher an Zustimmung verloren; auch weil ihre Befürworter den Zeitpunkt für den Ölgipfel schon mehrfach verschieben mussten. „Die Dinge stehen nicht still in der Energieindustrie“, sagt Daniel Yergin, einer der weltweit führenden Ölexperten. Durch technische Innovation könnten immer neue Ressourcen entwickelt und zu förderbaren Reserven werden. Für jedes geförderte Fass Öl würden so 1,5 neue Fässer den Reserven hinzugefügt. Yergin erwartet, dass sich die Ölförderung gegen Mitte des Jahrhunderts auf einem Plateau befindet, ehe dann die Förderung und die Nachfrage langsam nachgeben.

  • Warum kommt es immer wieder zu starken Schwankungen beim Ölpreis?

    Der Wissenschaftler Leonardo Maugeri hat bereits 2012 eine Ölschwemme und fallende Preise ab 2015 vorhergesagt, weil die Kapazitäten zur Ölförderung auf der Angebotsseite erheblich ausgeweitet würden. „Der Schiefergas-Ölboom in den USA ist keine Blase, sondern die wichtigste Revolution im Ölsektor seit Jahrzehnten“, schrieb er in einer Studie. Es gebe enorme Mengen von konventionellem und unkonventionellem Öl, das zum Teil noch gar nicht entdeckt sei. Ein Fördergipfel, ein Peak-Oil, sei nicht in Sicht. So ist es gekommen. Es gibt Öl im Überfluss und die Preise sind verfallen. Das Förderkartell Opec hat sich vorläufig selbst aus dem Spiel genommen und will den Ölhahn nicht mehr zudrehen. Sondern ganz marktwirtschaftlich versuchen, seine Kostenvorteile bei der Förderung auszuspielen.

  • Wie wird sich der Ölpreis im Jahr 2015 entwickeln?

    Kurzfristig ist der Ölpreis einer Vielzahl von verschiedenen Einflüssen ausgesetzt, von Kriegen oder Krisen über Handelsembargos und Finanzspekulation bis hin zu Naturkatastrophen und Wetterverhältnissen. Diese kurzfristigen Preisschwankungen kann niemand vorhersehen. Mittelfristig erwarten die meisten Experten eine Periode mit eher gemäßigten Preisen und gut versorgten Märkten für mehrere Jahre. Es gibt allerdings auch Gegenstimmen, die bereits jetzt Rohöl für deutlich unterbewertet halten und vor einem Preisanstieg warnen, etwas bei den Bankanalysten. Die BGR vertritt einen mittleren Kurs. Erdöl, so die Behörde, sei der einzige Energierohstoff, bei dem sich eine Limitierung abzeichnet.

Alternative Energien auf der Überholspur

Die Steinzeit endete bekanntlich lange bevor die Welt keine Steine mehr hatte. Das Ölzeitalter wird ebenfalls weit vor dem oft beschworenen Ende der fossilen Brennstoffe enden. Dabei liegt das nicht an den zunehmenden Subventionen für alternative Energien, wie wir das in Deutschland so gerne machen, sondern an der Tatsache, dass sie keine Subventionen mehr brauchen. Prognostizierte die International Energy Agency (IEA) vor sechs Jahren die Erzeugung von rund 20 Gigawatt aus Solarenergie im Jahr 2015, so liegt die weltweite Kapazität tatsächlich bei 180 Gigawatt. Diese Explosion der Kapazitäten ging mit einem erheblichen Preisverfall einher. Sogar in den USA war die Hälfte der neu installierten Kapazitäten in den vergangenen zwei Jahren Solarenergie.

Zugleich scheint es die Politik ernst zu meinen mit der Begrenzung des CO2 Ausstoßes. Nach China hat nun auch Indien die Position gewechselt und wird sich beim Klimagipfel in Paris in das Lager jener Länder einreihen, die eine Abkehr von den fossilen Brennstoffen anstreben. 155 Länder, die für etwa 88 Prozent des CO2-Ausstosses der Welt stehen, haben ihre Pläne zur Reduktion von CO2 bereits vorgelegt. In Summe planen sie eine Reduktion der Nachfrage nach fossilen Brennstoffen um 30 bis 40 Prozent.

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