Stelter strategisch: Was die Fed auch tut, es spielt keine Rolle mehr

kolumneStelter strategisch: Was die Fed auch tut, es spielt keine Rolle mehr

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Analysten und Forscher der Bank of England steuern interessante Studien zum Thema Niedrigzins bei.

Kolumne von Daniel Stelter

Am 21. September könnte die US-Notenbank Fed die Zinsen erhöhen. Oder auch nicht. Sparen Sie sich die vielen Artikel und Studien zum Thema. Es bleibt noch lange Zeit bei tiefen Zinsen. Dafür gibt es viele gute Gründe.

Schon mehrfach habe ich mich an dieser Stelle mit dem Zinsniveau und der Politik der Notenbanken beschäftigt. Anlässlich der ersten Zinserhöhung der Fed im Dezember war ich skeptisch. „Mit der Fed-Zinserhöhung prozyklisch in die Baisse“ war die These. Kurzfristig stimmte die Prognose, auf Sicht von neun Monaten stimmte sie nicht. Die Börsen in den USA haben sich unter deutlichen Schwankungen nicht so schlecht entwickelt. Was nicht bedeutet, dass es so weiter gehen muss. Denn die Erholung basierte nicht zuletzt auf der bis jetzt zutreffenden Erwartung, dass die Fed eben die nächsten Zinsschritte nicht durchführt. Das hat vor allem den Dollar geschwächt und damit den Druck auf die mit rund neun Billionen in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer reduziert. Sollte die Fed nun die Zinsen weiter erhöhen, könnte dieser Druck über eine Dollaraufwertung wieder zurückkehren.

Bessere Aussichten für die Weltwirtschaft

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Doch jenseits der Frage nach dem Wie und Wann des nächsten Zinsschrittes ist die wahre Frage doch die nach dem Ob: stehen wir vor einer Trendwende zu deutlich höheren Zinsen? Einer Trendwende, die von Sparern sehnlichst herbeigesehnt wird und für Pensionskassen und Lebensversicherungen eine Frage des Überlebens ist? Die Financial Times spekulierte am vergangenen Wochenende in diese Richtung und verwies auf die Tatsache, dass zyklische Aktien seit Monaten die Dividendenwerte schlagen. Die Märkte spielen Aufschwung durch, was schlecht für zinsabhängige und gut für konjunkturabhängige Werte ist.

Stelter Strategisch Mit der Fed-Zinserhöhung prozyklisch in die Baisse

Nun hat die Fed also endlich die Zinsen erhöht. Ein Minischritt, mehr Symbol als echter Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes. Doch ein Wendepunkt an den Finanzmärkten: 2016 dürfte es bergab gehen. Eine Kolumne.

Die Entscheidung der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) war lange erwartet worden. Die Reaktion der Börse erfolgt prompt. Quelle: REUTERS

Die Idee ist durchaus nicht so fernliegend, wie man auf den ersten Blick denken mag. Die Geldmengen weisen in den Kernregionen wie China, USA und Europa nach oben, die Kreditvergabe nimmt also zu. Die Staaten sind schon lange von der Sparpolitik abgerückt – wenn man von Deutschland absieht, wobei auch hier die Staatsausgaben deutlich steigen. Die anstehenden Wahlen in den USA und Europa sprechen für eine weitere Lockerung. Die Erkenntnis ist zudem gereift, dass die Geldpolitik es nicht alleine richten kann. Die direkte Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken (Stichwort Helikopter-Geld) wird immer mehr hoffähig gemacht. An dieser Stelle schon letztes Jahr diskutiert, beherrschte das Thema im vergangenen Monat die Notenbanktagung von Jackson Hole.

Mehr Staatsausgaben, mehr Kreditvergabe und in gewissem Umfang aufgestauter Konsum können uns durchaus einen konjunkturellen Frühling in der Weltwirtschaft bescheren. Etwas höhere Zinsen würden da gut in das Bild passen, und die Maßnahme der Fed wäre verkraftbar.

Geldpolitik der EZB: Belastungen durch Niedrigzinsen

  • Sparbuch und Co

    In Deutschland beliebte Sparformen wie Tages- und Festgeld werfen kaum noch etwas ab. Die niedrige Inflation gleiche die negativen Effekte der niedrigen Zinsen allerdings aus, betont EZB-Präsident Mario Draghi. Derzeit liege die Verzinsung minus Inflation höher als im Durchschnitt der 1990er Jahre. „Zu der Zeit hatten Sie höhere Zinsen auf dem Sparbuch, aber zugleich meist Inflation, die weit darüber lag und alles auffraß“, sagte Draghi jüngst in einem Interview. Im Mai lagen die Verbraucherpreise in Deutschland nach vorläufigen Berechnungen gerade einmal um 0,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

    Stand: 07.06.2016

  • Strafzinsen und Bankgebühren

    Finanzinstitute müssen Strafzinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB parken. Für den durchschnittlichen Privatkunden sind Strafzinsen bislang kein Thema. Man werde „alles tun, um die privaten Sparer vor Negativzinsen zu schützen - in Teilen auch zu Lasten der eigenen Ertragslage“, sagte jüngst der Chef des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes, Georg Fahrenschon. Wenn die aktuelle Niedrigzinsphase aber lange andauere, würden die Sparkassen die Kunden letztlich nicht davor bewahren können. Zudem könnten Geldhäuser nach Angaben des Präsidenten des Bundesverbandes der deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), Uwe Fröhlich, gezwungen sein, an der Gebührenschraube zu drehen: „Jeder muss in seiner Bank überlegen, wie er über Konditionen-Gestaltung gegen die Ertragsverluste anarbeitet, die ohne Zweifel da sind.“

  • Altersvorsorge

    Lebensversicherern fällt es immer schwerer, die hohen Zusagen der Vergangenheit zu erwirtschaften. Die Folge: Die Verzinsung des Altersvorsorge-Klassikers sinkt seit geraumer Zeit. Auch Betriebsrenten leiden, Firmen müssen wegen der Zinsschmelze immer mehr Geld für die Pensionsverbindlichkeiten zurücklegen. Viele Unternehmen versprechen bei Neueinstellungen daher keine konkreten Leistungen mehr, sondern sagen lediglich zu, einen bestimmten Betrag pro Monat in Vorsorgekassen einzuzahlen. Das Zinsrisiko tragen die künftigen Pensionäre.

Dennoch keine Trendwende

Dennoch muss ich Wasser in diesen süßen Wein gießen: Nachhaltig höhere Zinsen sind nicht in Sicht. Natürlich sollte man – umgekehrt – nicht darauf setzen, dass die Zinsen ewig tief bleiben; das entspricht aber nur meiner grundsätzlichen Empfehlung, niemals auf nur ein Szenario zu setzen.

Also, warum dann keine Zinswende? Weil die Notenbanken nur ein Akteur von vielen sind beim Thema Zinsen. Erfahrungsgemäß können sie eher die Zinsen senken als erhöhen, weil die durch ihren Angebotssatz einen Preis setzen. Niemand würde mehr zahlen als die Notenbank fordert, aber einige durchaus weniger. Deshalb ist das Handeln von Notenbanken immer asymmetrisch, wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich bemängelt. Hinzu kommt, dass die Notenbanken letztlich der privaten Geldschöpfung durch die Geschäftsbanken hinterherlaufen und nicht umgekehrt, wie die Analysten der Bank of England im vergangenen Jahr erläutert haben.

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