Stelter strategisch: Zehn Gründe für einen Crash in den nächsten Monaten

kolumneStelter strategisch: Zehn Gründe für einen Crash in den nächsten Monaten

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Leicht überhitzt: Am 25. Januar 2017 überschritt der US-Industriewerteindex Dow Jones erstmals die Marke von 20.000 Punkten, heute notierte er knapp unter 21.000 Punkten.

Kolumne von Daniel Stelter

Die Börsen eilen von Rekord zu Rekord, Euro- und Finanzkrise scheinen überwunden, die Weltwirtschaft brummt, die Inflation zieht an. Das spricht scheinbar für steigende Aktienkurse. Aber noch mehr spricht für den Crash.

Tanzen wir auf dem Vulkan wie 1929, 1999 und 2007 und stehen vor einer deutlichen Korrektur? Droht gar ein Crash an den Märkten? Wenn man will, lässt sich eine beeindruckende Liste an Argumenten für einen Einbruch zusammenstellen. Und – mindestens – ein gewichtiges Argument dagegen.

1. Die US-Börse ist so teuer wie (fast) nie

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So, wie die Weltwirtschaft an China hängt, so hängen die Weltfinanzmärkte an der Wall Street. Schwer vorstellbar, dass es dort bergab geht, ohne die anderen Märkte mit in den Abgrund zu reißen. Die Flughöhe der US-Börsen ist durchaus hoch. Median-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Shiller-KGV, Umsatz-Multiple, Buchwert-Multiple, Cash-Flow-Multiple, Dividendenrendite, Marktkapitalisierung relativ zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) und viele weitere Indikatoren deuten auf eine erhebliche Überbewertung der US-Börse hin. Nicht so hoch wie zum Zeitpunkt der historisch größten Überbewertung im Jahr 2000, aber über den Werten von 1929 und 2007. Wenig verwunderlich, dass anerkannte Value Investoren – die also auf den Preis beim Kauf achten – erklären, die Börse müsste sich halbieren um wieder interessant zu werden.

2. Die Börsianer werden immer sorgloser

Der Optimismus der amerikanischen Privatanleger ist so hoch wie lange nicht mehr. So liegt die Quote von Aktien zu Liquidität in den Portfolios der von der American Association of Individual Investors (AAII) befragten Investoren so hoch, wie in 90 Prozent der Monate in den letzten 30 Jahren nicht. Die Anleger sind also fast voll investiert. Das gilt übrigens auch für die institutionellen Investoren, die Goldman Sachs zufolge so positiv gestimmt sind wie zuletzt vor zehn Jahren.

Zugleich ist die Volatilität – ein weiterer Indikator für die Nervosität an den Märkten – deutlich zurückgegangen. Der VIX liegt schon seit Monaten auf Rekordtief. Klar im Wiederspruch zu Indikatoren der globalen Risiken, die in den vergangnen Jahren einen deutlichen Anstieg verzeichneten.

Während die Volatilität zurückging, nahmen die Wetten auf einen weiteren Rückgang der Volatilität zu. Das erinnert fatal an die Kreditausfallversicherungen, die vor der Finanzkrise verkauft wurden. Solange alles gut geht, werden so gute Renditen erzielt. Kippt die Stimmung im Markt, kommt es zu einer Verkaufspanik mit entsprechenden Kursausschlägen, die auf den Aktienmarkt wirken.

Stelter strategisch Die Illusion vom passiven Investment

Medien und Banken werben für die passive Geldanlage: Kostengünstige, börsengehandelte Indexfonds statt teurer Geldmanager, die obendrein noch schlechte Leistung erbringen. Intuitiv richtig, aber dennoch eine Illusion.

Bausparen Quelle: Fotolia

3. Die Anleger sind immer passiver

Mehrfach schon war der Trend zum „passiven Investment“ - überwiegend in Indexfonds - Thema dieser Kolumne, weshalb ich auf eine Wiederholung verzichte. Weder ist das Investment „passiv“, noch risikofrei. Im Gegenteil führt die Investition in diese passiven Produkte zu einer deutlichen Trendverstärkung. Aktien die steigen, werden entsprechend mehr nachgefragt, was zu einem Herdenverhalten der Anleger führt. Statt also Risiken zu reduzieren, führt diese Anlageform zu größeren Risiken und verstärkt den Trend zur Überbewertung.

4. Und wiegen sich in der Sicherheit ständiger Liquidität

Dieses Verhalten der Anleger hat auch damit zu tun, dass von den Verkäufern der Produkte versprochen wird, diese jederzeit handeln und vor allem liquidieren zu können.  Das haben auch die amerikanischen Geldmarktfonds getan, bis es im Zuge der Finanzkrise zum Undenkbaren kam. Plötzlich waren die Anlagen nicht so liquide wie gedacht, Zahlungen verzögerten sich. In der Folge wuchs die Panik noch weiter an. Gut möglich, dass alleine aus diesem Grund eine eigentlich normale Korrektur zu einem ausgewachsenen Crash heranwächst. Indexfonds sind per Definition voll investiert. Geraten die Anleger in Panik schlägt das ungefiltert auf den Markt durch.

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