Stimmung an den Börsen: Gewinne meist hui, Kurse meist pfui

Stimmung an den Börsen: Gewinne meist hui, Kurse meist pfui

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Noch ist die Quartalssaison sehr jung, doch zumindest sind bisher große Enttäuschungen bei den meisten Unternehmen ausgeblieben.

von Christof Schürmann

Noch ist die Quartalssaison jung, doch zumindest sind große Enttäuschungen bisher ausgeblieben. Den Aktienkursen hilft das trotzdem nicht - im Gegenteil.

Lange hatten sich die Kurse deutscher Dividendenpapiere resistent gezeigt, gegen eine schwächere Entwicklung der Weltwirtschaft, gegen die mit dem Ukraine-Krieg einhergehenden Russland-Sanktionen, gegen die Kriege im Nahen Osten und gegen die Ängste, die die Ebola-Epidemie mit sich bringen. 

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Obwohl Aktien so teuer bewertet waren, wie schon seit knapp eineinhalb Dekaden nicht mehr, schwangen sich viele Kurse auf. Die 50 Nebenwerte im MDax etwa schafften dieses Jahr Rekord-Kurs-Höhen, die Kurse der Dax-Unternehmen näherten sich immerhin bis auf 20 Prozent ihrem alten Gipfel – jeweils ohne Dividenden berechnet. Und die bisher letzte größere Korrektur im weltwichtigsten Aktienindex S&P 500 liegt bereits drei Jahre zurück.

Stimmung gedreht

Die Flucht in Aktien ist aber schon seit längerem nicht mehr mit überbordend starken Unternehmensergebnissen unterfüttert – die Preise, die Anleger gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis und Kurs-Buch-Verhältnis bezahlen, sind entsprechend hoch und weit über ihrem historischem Durchschnitt.

Vielmehr drückte die Nullzinspolitik der Notenbanken Investoren mangels renditeversprechenden Alternativen in den Aktienmarkt. Seit knapp einem Monat hat Stimmung gedreht. Um jetzt einen deutlicheren Absturz als die zuletzt gesehenen rund sieben Prozent Verlust im S&P 500 und 14 Prozent Minus im Dax zu verhindern, bedarf es zumindest überzeugender Unternehmensergebnisse für das am 30. September abgelaufene Quartal und dazu optimistische Ausblicke.

Börsen in Aufruhr - ist die Angst vor der Krise berechtigt?

  • Was spielt sich derzeit an den Finanzmärkten ab?

    Vor allem eingetrübte Konjunkturperspektiven belasten die Märkte. Die Rohstoffpreise - ein Barometer für die wirtschaftliche Lage - befinden sich auf Talfahrt. Zu den Sorgen über die Wirtschaft kommt die Verunsicherung durch Krisen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Furcht vor einer Ausbreitung von Ebola. „Die Anleger sind nervös und nutzen jede Gelegenheit zum Verkaufen, während noch vor Wochen jede Schwäche zum Nachkaufen genutzt wurde“, sagt Marktexperte Daniel Saurenz von Feingold Research. Die Stimmung sei innerhalb kürzester Zeit von fast schon euphorisch auf sehr negativ gedreht. Auch an den Anleihemärkten dominiert die Angst. Die Risikoaufschläge für Papiere aus den europäischen Krisenländern zogen stark an, während die Renditen auf die deutschen Staatspapiere auf Rekordtiefs fielen. Letzteres deutet auf eine große Nachfrage der Investoren hin - die sogenannten Bundesanleihen gelten als sicherer Hafen in Krisenzeiten.

  • Haben die Anleger die Gefahren für die Wirtschaft zu lange ignoriert?

    Tatsächlich haben insbesondere die Aktienmärkte die politischen Krisen und die Gefahren einer globalen Wachstumsschwäche lange Zeit kaum beachtet. Die Notenbanken pumpten billiges Geld in den Markt. Und wegen der mickrigen Zinsen mangelte es an Alternativen, so dass die Anleger in großem Stil zu Aktien griffen. „Befürchtet wird nun ein Übergreifen der Wirtschaftsschwäche und sinkender Inflationsraten aus der Eurozone auf die USA“, sagt Volkswirt Eugen Keller vom Bankhaus Metzler.

  • Sind die Notenbanken mit ihrem Latein am Ende?

    Während die US-Notenbank Fed jahrelang Milliarden in die Wirtschaft pumpte und Erfolge vorweisen konnte, gilt die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei vielen Ökonomen mittlerweile als wenig wirksam. „Die jüngst von der EZB beschlossenen Maßnahmen zielen auf das Angebot an Krediten ab, aber tatsächlich fehlt es angesichts der wirtschaftlichen Schwäche an Nachfrage“, sagt Volkswirt Keller. Auch die jetzt diskutierten, breit angelegte Staatsanleihekäufe würden nichts am Grundproblem ändern.

  • Sind die Konjunkturängste gerechtfertigt?

    Laut Volkswirten gibt es zwar Grund zur Vorsicht, allerdings sollten die jüngsten Signale nicht überbewertet werden. Nach Einschätzung der Experten von Goldman Sachs gilt das vor allem mit Blick auf die USA. Dort gebe es wenig Anzeichen einer Konjunkturabkühlung. Auch die Ausbreitung des Ebola-Virus sehen die Experten der US-Investmentbank nicht sonderlich kritisch. Es müsse schon viel passieren, bis derartige Ereignisse tiefere Spuren in der Wirtschaft hinterließen. Mit Blick auf Europa hält Graham Secker, Marktstratege bei Morgan Stanley, die Konjunkturaussichten zwar nicht für rosig, aber längst nicht so trübe wie die Anlegerstimmung es signalisiere.

  • Droht am Ende der große Crash am Aktienmarkt?

    Noch sehen Experten keinen Grund für übertriebene Angst. Nach dem starken Lauf der vergangenen Jahre sind auch größere Korrekturen nicht ungewöhnlich. Investoren sollten nicht die Nerven verlieren und blind der Masse hinterherrennen, sagt Marktexperte Saurenz. Möglicherweise nutzten manche Investoren die niedrigen Kurse auch zum Kaufen, was den Markt stützen würde. Viel schlechter könne die Stimmung am europäischen Aktienmarkt nicht werden, schrieb Morgan-Stanley-Experte Secker wie zur Beruhigung.

Pharma und Chips laufen

Noch ist die Quartalssaison jung. Doch zumindest sind bisher große Enttäuschungen bei den meisten Unternehmen ausgeblieben. So haben neue Medikamente das Geschäft des Pharma- und Konsumgüterriesen Johnson & Johnson (Penaten, Listerine) kräftig angeschoben.

Der Gewinn des US-Konzerns legte um 60 Prozent auf 4,8 Milliarden Dollar zu, die Erlöse kletterten um fünf Prozent auf 18,5 Milliarden Dollar. Auch die Prognose stimmt: Das Management hat das alte Gewinnziel für das Gesamtjahr angehoben.

Weltgrößter Chiphersteller Intel verzeichnet Rekordumsatz

Der Halbleiter-Konzern Intel hat im vergangenen Quartal seinen bisher höchsten Umsatz erzielt und den Gewinn deutlich gesteigert. Die Geschäftszahlen und die Umsatzprognose übertrafen die Erwartungen der Analysten.

Die Quartalszahlen von Intel weisen auf einen Rekordumsatz hin. Quelle: dpa

Positiv überrascht hat auch Intel die Börsianer. Nachdem sich der PC-Markt stabilisiert hat, konnte der weltgrößte Chip-Hersteller im dritten Quartal zwölf Prozent mehr Gewinn einfahren. 3,3 Milliarden Dollar blieben bei einem um acht Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar gestiegenen Umsatz hängen.

Tablet-Computer hatten in den vergangenen Jahren klassischen Schreibtisch-Rechnern das Leben schwer gemacht, was auf Intels Geschäfte negativ durchgeschlagen war.

Mit ganz anderen Problemen hatte zuletzt die im CAC40 notierte Danone (Actimel) zu kämpfen. In Asien mussten die Franzosen vergangenes Jahr Babynahrungsprodukte aus den Regalen holen. Inzwischen ist dies kein Belastungsfaktor mehr.  Im dritten Quartal legte der Konzern ein Umsatzplus von 6,9 Prozent auf 5,4 Milliarden Euro hin; Babynahrung wuchs sogar um 19,2 Prozent. Für das Gesamtjahr 2014 erwartet Danone insgesamt über alle Sparten einen Erlös-Zuwachs von 4,5 bis 5,5 Prozent.

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