Suche nach Rendite: Was den Aktienmarkt 2013 antreibt

Suche nach Rendite: Was den Aktienmarkt 2013 antreibt

von Stefan Hajek

Trotz Schuldenkrise und Konjunkturangst läuft die Börse. Zu Recht: Zinspapiere bringen wenig, Unternehmen sind noch günstig bewertet und zahlen attraktive Dividenden. Warum Aktien für Anleger fast alternativlos sind.

Wer dieser Tage kurz vor 20 Uhr den Fernseher anmacht, um die Tagesschau zu sehen, könnte glauben, die ARD-Redaktion habe ein paar Beiträge vertauscht. In die gewohnten Krisenbilder von demonstrierenden Spaniern, wütenden Griechen und übernächtigten Brüsseler Politikern mischt sich Seltsames: Vom Frankfurter Parkett berichtet Anja Kohl („erfahrene Anleger wissen längst...“) täglich von neuen Kurs-Hochs, besserer Stimmung und gestiegenen Erwartungen. Fast wie Ende 1999.

Wie passt das zusammen? Eine Lösung der Schuldenprobleme in Europa ist nach wie vor weit entfernt, die faulen Kredite in den Bilanzen spanischer Banken steigen unvermindert, die Griechen brauchen wieder neue Rettungsmilliarden, fast jeder fünfte Südländer ist ohne Job. Auch China, Indien und Brasilien, eben noch gefeiert, schwächeln. Und in den USA droht schon wieder eine Rezession. Sogar Deutschland ist nicht länger die Insel der Seligen. Die Bundesbank hat ihre Wachstumsprognose für 2013 drastisch nach unten korrigiert, nur noch um 0,4 Prozent wird die Wirtschaft demnach zulegen.

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Überall grassiert die Krise, nur Anleger wollen davon nichts wissen: Der Dax hat über das Jahr um 33 Prozent zugelegt; dazu schütteten die 30 Dax-Unternehmen rund 28 Milliarden Euro Dividende an ihre Aktionäre aus – so viel wie im bisherigen Rekordjahr 2008. Die Aktien vieler Dax-Unternehmen sind an der Börse sogar so wertvoll wie noch nie.

Dax-Aktien im Check: A bis D

  • Adidas

    Mit Abstand europäischer Marktführer, seitdem Konkurrent Puma ins Straucheln gekommen ist. Stabile Geschäftsentwicklung, weiteres Wachstum in Sicht. Analytisch nicht billig, aber stabile Halteposition.

    Quelle: Wiwo.de, Anton Riedl, 12.10.2012

  • Allianz

    Operative Fortschritte im klassischen Versicherungsgeschäft, allerdings bleibende Unsicherheiten durch aktuelle Schuldenkrise. Kurstechnisch zuletzt vielversprechende Entwicklung – große Aufwärtswende bis nächstes Jahr möglich.

  • BASF

    Durch breites Produktspektrum immer weniger anfällig vom reinen Chemiezyklus; strategisch vielversprechender Ausbau der Agrarchemie. Bewertung akzeptabel, Dividende gut, bei Schwäche kaufen.

  • Bayer

    Starke Kursentwicklung trotz gemischter Nachrichtenlage. Gleicht Schwäche im Pharma-Kerngeschäft zunehmend besser aus; strategischer Ausbau in Richtung Pflanzenschutz aussichtsreich. Kurzfristig Rücksetzer möglich, dann interessant als Basisinvestment.

  • Beiersdorf

    Sehr trendstarke Aktie, oft gegenläufige Entwicklung zum Dax, analytisch nicht billig, aber durch neues Management und Strategie wieder interessant, Dauerinvestment.

  • BMW

    Zuletzt wieder merklich stabilisiert, auch durch gute Absatzzahlen. Bewertung günstig, Dividende gut, Kaufsignal bei Kursanstieg über 63 Euro.

  • Commerzbank

    Nach heftigem Absturz hohes, aber sehr spekulatives Erholungspotenzial. Analytische Zahlen je Aktie durch Rettungsaktionen verwässert, deshalb fundamental keineswegs billig. Kurstechnisch riskant, aber Wende nach oben durchaus möglich; heißeste Aktie im Dax.

  • Continental

    Nach jüngstem Kursanstieg erst Beruhigung abwarten. Aktie keineswegs günstig, starke Konkurrenz durch neue Offensive von Bridgestone. Wenig Dividende, kein Kauf.

  • Daimler

    Derzeit schwächster Autowert, kurstechnisch angeschlagen. Modellpolitik schwierig, wird immer stärker von Konkurrenten bedrängt. Hat mit zyklischem Lastwagengeschäft dazu eine offene Flanke. Kein Kauf.

  • Deutsche Bank

    Chance auf Turn-around besteht, doch große Unsicherheit durch die Umwälzungen der Branche. Bewertung nicht überzogen, substanziell und operativ deutlich stärker als Commerzbank.

Skeptiker meinen, die Kurse seien reif für einen Einbruch. „Historisch betrachtet nimmt die Börse die wirtschaftliche Entwicklung meist um sechs bis neun Monate vorweg“, sagt Klaus Schlote, Geschäftsführer des Brokers Solventis. Niemand rechne aber mit einer so viel besseren Konjunktur, wie das die Börsenrally suggeriere, meint Schlote: „Wir können froh sein, wenn wir in Europa 2013 mit einer schwarzen Null beim Wachstum davonkommen.“ Die Sparprogramme fordern ihren Tribut; die Staaten kürzen Ausgaben, die Banken knausern mit Krediten – Gift für die Börse, normalerweise.

Schon nähert sich der Index der „magischen Marke von 8000 Punkten“, sagt Vermögensverwalter Jens Ehrhardt, den dabei kein sehr gutes Gefühl beschleicht: Im März 2000 und Ende 2007 stürzte der Dax nach Überschreiten der Marke jeweils um über 50 Prozent ab. Auch Andreas Utermann, oberster Anlagestratege von Allianz Global Investors, ist skeptisch: „Im Dax sind viele Unternehmen mit zyklischem Geschäftsmodell“, warnt er, „deren Bewertung hängt stark von der Entwicklung der Weltwirtschaft ab.“

Dax-Aktien im Check: D bis I

  • Deutsche Börse

    Nach Fehlschlag der Fusion mit Nyse Euronext Wachstum aus eigener Kraft. Langfristig stabiles Geschäftsmodell mit nachhaltigen Gewinnen; kurzfristige Entwicklung eher unsicher. Indifferentes Kursbild.

    Quelle: Wiwo.de, Anton Riedl, 12.10.2012

  • Deutsche Lufthansa

    Anfällig für Schwankungen der Treibstoffpreise und konjunkturbedingter  Auslastungen. Kurstechnisch in der Bodenbildung, fundamental noch keine Zeichen einer Erholung erkennbar.

  • Deutsche Post

    Geschäftliche Entwicklung zuletzt erstaunlich stabil, gute Dividende, Bewertung nicht überzogen. Daueranlage mit eher begrenzten Kurschancen.

  • Deutsche Telekom

    Zuletzt sogar auf dem schwierigen US-Geschäft Fortschritte, in Deutschland läuft die Offensive gegen Dauerrivalen Vodafone. Kurstechnisch in großer Bodenbildung, Dividende sollte auch nach Auslaufen der bisherigen Garantie überdurchschnittlich hoch bleiben. Für langfristige Anleger.

  • Eon

    Gewinner der abermaligen Energiewende. Umstrukturierung durch neues Management kommt voran, Schuldenabbau muss noch weiter gehen. Bleibt großer Spieler auf dem Energiemarkt, operative Erfolge sollten weiterhin ansprechende Dividende ermöglichen. Kurstechnisch vielversprechende Aufwärtswende.

  • Fresenius Medical Care

    Weltweiter Marktführer bei Dialyse, stabile Wachstumsraten. Expansion in Asien sollte weiteres Potenzial erschließen. Als Daueranlage eignet sich mittlerweile die Muttergesellschaft eher.

  • Fresenius SE

    Tritt schrittweise aus dem Schatten der dominierenden Tochter FMC. Durch breiteres Geschäft weniger risikoanfällig, dennoch Profiteur des weltweiten Wachstumsmarkts Gesundheit. Bewertung noch angemessen, Daueranlage.

  • HeidelbergCement

    Aktie und Unternehmen mit hoher Volatilität – also hohem Risiko. Analytisch keineswegs billig, geringe Dividende.

  • Henkel

    Konnte sich in den vergangenen Jahren durch strategische Weiterentwicklung schrittweise von der Anfälligkeit eines zyklischen Chemiekonzerns lösen. Gutes, margenstarkes Produktportfolio. Aktie technisch und fundamental in fortgeschrittener Entwicklung, bei Schwäche aber weiterhin interessant.

  • Infineon

    Schwierige, hochzyklische Branche, deren Aussichten derzeit eher verhalten sind. Kurstechnisch schwer angeschlagen, meiden.

Auf der Habenseite steht zunächst, dass die Börse seit Wochen nicht mehr auf schlechte Nachrichten reagiert. „Die Rücktrittsankündigung Mario Montis etwa hätte vor einem Jahr noch panikartige Reaktionen ausgelöst, die Aktienmärkte in die Tiefe und die Rendite italienischer Staatsanleihen in die Höhe gejagt“, sagt Martin Hüfner, Chefvolkswirt bei Assénagon.

Neben der Dauerkrise um Banken und Staatsschulden drückte zuletzt die „fiskalische Klippe“ in den USA, wo zum Jahresende zahlreiche Steuervergünstigungen und Konjunkturprogramme auslaufen.

Einigen sich Demokraten und Republikaner nicht darauf, die Programme zu verlängern, könnte das die US-Wirtschaft in die Rezession stürzen. Die USA sind außerhalb der EU nach wie vor der wichtigste Absatzmarkt der meisten Dax-Unternehmen. Doch die Börse wettet auf eine Einigung. „Die Chancen darauf stehen gut“, sagt Goldman-Sachs-Strategin Abby Joseph Cohen.

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