Südeuropas Börsen: Einstiegschancen in den Krisenstaaten

Südeuropas Börsen: Einstiegschancen in den Krisenstaaten

von Andreas Toller

Die Börsen Südeuropas waren schon auf Erholungskurs, als ihnen die Wahl in Italien einen herben Rückschlag verpasste. Ist das eine Chance für den Einstieg? Welche Werte Anleger beobachten sollten.

Frank Fischer ist mit seinen Aktien aus den Eurokrisenstaaten sehr zufrieden. Vor einem Jahr hatte der Berater des Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen die schlechte Stimmung am Aktienmarkt zum Einstieg genutzt und Aktien aus den kriselnden südeuropäischen Börsen in sein Portfolio genommen. „Nach dem Ausverkauf im Frühjahr 2012 waren viele Aktien extrem unterbewertet. Wir hatten uns schon vorher mit Italien beschäftigt und eine Vielzahl italienischer Aktien unter Beobachtung, die wir dann günstig kaufen konnten. Das hat sich bereits gelohnt.“ So konnte sein Fonds etwa die Aktie des italienischen Diagnostik-Spezialisten Diasorin bei Kursen zwischen 18 und 22 Euro einsammeln. Inzwischen liegt Fischer mit den Papieren rund 50 Prozent im Plus.

Kaufgelegenheiten im Kurstal

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Börsen im Sturzflug bieten nervenstarken Anleger oftmals gute Kaufgelegenheiten. Am 26. Februar schien wieder so eine Chance für Anleger gekommen: Als sich das Ergebnis des Urnengangs in Italien abzeichnete und deutlich wurde, dass eine Regierungsbildung aufgrund der unterschiedlichen Mehrheiten in Italiens Parlament und Senat nahezu unmöglich wird, reagierten die Börsen prompt mit herben Kursverlusten. Vor allem die Mailänder Börse knickte ein. Der Börsenindex MIB büßte seitdem zeitweise 13 Prozent ein. Die üppigen Kursgewinne der vorangegangenen Monate waren dahin.

Die Verkaufswelle erfasste umgehend die Börsen weltweit. Denn mit dem unbrauchbaren Wahlausgang war plötzlich auch die Eurokrise wieder zentrales Gesprächsthema in den Handelssälen und auf dem Parkett - nachdem sich in den drei Monaten zuvor die Krisenangst an der Börse endlich etwas gelegt hatte. Die Befürchtung, ohne durchsetzungsstarke Regierung in Italien könnte die Krisenbekämpfung in Europa erlahmen, verursachte eine Schockwelle an Europas Börsenplätzen. Betroffen waren vor allem die Märkte in den krisengeplagten Ländern der Eurozone. Die Börsen in Athen und Lissabon sackten um rund sieben Prozent ab. Die Madrider Börse verlor zeitweise sogar mehr als acht Prozent - konnte sich aber zwischenzeitlich wieder erholen. Auch die Börsen in Paris und Frankfurt mussten deutliche Abschläge hinnehmen.

20 Milliarden Euro hat der italienische Wahlkrimi weltweit an den Börsen vernichtet. Nach Achterbahnfahrten schlossen die Kurse überall im Minus. Die Märkte reagieren auf die politische Unsicherheit in der Eurozone.

Keine kopflose Verkaufspanik

Plötzliche Kurseinbrüche wie der beschriebene bieten immer auch Chancen zum Einstieg. Schließlich gibt es auch in den überschuldeten Krisenländern Unternehmen, die solide Geschäfte machen und eine herausragende Marktstellung innehaben. Bei der Verkaufswelle im Frühling 2012 wurden nahezu alle Aktien an den Börsen in Athen, Mailand, Madrid und Lissabon in Gruppenhaft genommen. So konnten Investoren wie Fondsberater Fischer bis zum Tief im Sommer Qualitätsaktien deutlich unter ihrem fairen Wert in ihr Depot legen. Wer seinerzeit Aktien aus den Krisenländern kaufte, konnte sicher sein, dass sich die Kurse der zu unrecht abgestraften Papiere schnell erholen würden, wenn die Krise abklingt. Die Kurs-Gewinn-Verhältnisse (KGVs) - ein einfaches Maß dafür, ob eine Aktie teuer oder vergleichsweise günstig ist - fielen auf teils absurd niedrige Werte. Allgemein gilt ein KGV unter zehn als Indiz für eine unterbewertete Aktie, ein KGV von mehr als 15 signalisiert ein eher teures Wertpapier.

Doch nachdem der Wahlausgang in Italien die Eurokrise in Erinnerung rief, verlief der Abverkauf nicht so pauschal über alle Branchen wie 2012. Die ganz große Verkaufspanik blieb aus. Qualitätsaktien wie Diasorin kamen erst gar nicht unter die Räder, sondern zuckten bestenfalls kurz. „Der Markt differenziert inzwischen wieder stärker, die Aktien sind nicht mehr durchweg günstig“, sagt Fondsberater Fischer. „Die guten Aktien sind gar nicht mehr gefallen, sondern teilweise sogar gestiegen. Die gewissenhafte Auswahl ist für Anleger daher noch wichtiger geworden. Sie müssen einfach ein paar Steine mehr umdrehen, um eine Kaufgelegenheit zu entdecken.“

Die gibt es jedoch zweifellos. Die Suche könnte sich lohnen, denn derzeit spricht einiges für eine neue Hausse an den Aktienmärkten. Vor allem der Mangel an Anlagealternativen im Niedrigzinsumfeld und die historisch betrachtet noch immer niedrige Bewertung der Aktienmärkte sorgen für Kursfantasien. Wenn sich die Angst vor einem Zusammenbruch der Eurozone irgendwann gelegt hat, die Schuldensünderstaaten mit ihrem Sparkurs Erfolg haben und sich auch die Konjunktur in diesen Ländern allmählich wieder erholt, dürften die Börsen in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland überproportional profitieren.

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