Swiss Life: Börse rätselt über Maschmeyers Aktien-Paket

Swiss Life: Börse rätselt über Maschmeyers Aktien-Paket

, aktualisiert 09. Dezember 2011, 13:21 Uhr
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Carsten Maschmeyer (rechts) hat seinen Rückzug aus dem Verwaltungsrat der Swiss Life schon länger vollzogen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Börse rätselt, wo das Aktienpaket der Swiss Life von Carsten Maschmeyer landen wird. Nach seinem Rückzug aus dem Verwaltungsrat hatte der AWD-Gründer angekündigt, seinen Aktienanteil deutlich zu reduzieren.

ZürichNach dem Rückzug des Finanzunternehmers Carsten Maschmeyer beim größten Schweizer Lebensversicherer Swiss Life rätselt die Börse, wo Maschmeyers Aktienpaket landen wird. Bis das klar ist, dürfte der Aktienkurs nach Ansicht von Händlern und Analysten unter Druck stehen. Der 52-Jährige will rund 700.000 seiner gut 1,6 Millionen Aktien verkaufen, womit sein Anteil unter die meldepflichtige Marke von drei Prozent rutschen würde. Bis Freitag war nicht klar, ob Maschmeyer seine Titel bereits veräußert hat. Der Börse müsste er ein Unterschreiten der Meldeschwelle innerhalb von vier Handelstagen melden.

Die Swiss-Life-Aktien stiegen am Freitag zwar um drei Prozent auf 92,40 Franken und damit stärker als der europäische Versicherungssektor. Das führte ein Händler allerdings auf eine technische Erholung nach dem vorangegangenen Einbruch zurück. „Zwei Tage ist die Aktie mit großen Umsätzen gefallen - heute steigt sie mit kleinen Volumen.“ Seit Mittwoch, als Maschmeyer seinen Rückzug angekündigte, haben die Titel über fünf Prozent eingebüßt. „Bis klar ist, wohin seine Aktien gehen, dürfte der Kurs unter Druck stehen“, erklärte ein Börsianer.

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Maschmeyer will seine Aktien zwar nicht einfach auf den Markt werfen, sondern sie sollen im Wege einer Privatplatzierung von einem oder mehreren Investoren übernommen werden. Dass Käufer für ein Swiss-Life-Paket Schlange stehen, gilt unter Analysten allerdings als wenig realistisch. Abgewunken hat etwa schon der Talanx-Konzern, der mit rund zehn Prozent an dem Schweizer Marktführer beteiligt ist. „Wir wollen unseren Anteil nicht verändern“, sagte ein Sprecher von Deutschlands drittgrößtem Versicherer bereits am Mittwoch.

Dass ein Rivale die Bewegung im Aktionariat des Versicherers als Gelegenheit ergreifen und Swiss Life ganz übernehmen könnte, halten Börsianer und Analysten ebenfalls für unwahrscheinlich. Angesichts der strengeren Kapitalvorschriften, die ab 2013 wegen des neuen europäischen Regelwerks Solvency II drohen, hätten viele Versicherer schlicht kein Geld für Zukäufe, sagte ein Analyst. Außerdem gelte die Schweiz als gesättigter Versicherungsmarkt. Maschmeyers Swiss-Life-Aktien würden wohl früher oder später wieder im Markt landen, sagten Händler. Zum aktuellen Kurs hat sein Paket von gut fünf Prozent einen Wert von 150 Millionen Franken (121 Millionen Euro).


Analysten begrüßen den Rückzug

Grundsätzlich begrüßten Analysten aber, dass sich der AWD-Gründer drei Jahre nach dem Verkauf seines Finanzmaklers an Swiss Life aus dem Verwaltungsrat zurückgezogen hat. Vor allem die Verstrickung Maschmeyers in Rechtsstreitigkeiten in Österreich und Deutschland wurde zunehmend als Hypothek für den Konzern angesehen. „Mit dem Rücktritt aus dem Verwaltungsrat sollen die Diskussionen um AWD wieder versachlicht werden“, erklärte ZKB-Analyst Georg Marti. Maschmeyer selbst hatte am Mittwochabend erklärt, er wolle mit diesem Schritt „den unberechtigten Angriffen auf meine Person und auf AWD den Boden entziehen.“ Offen bleibt auch, ob Swiss Life nicht doch noch eine Abschreibung auf AWD vornimmt. Zwar bekräftigte Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig erst jüngst in einem Zeitungsinterview die Werthaltigkeit der Vertriebstochter. Nach dem Ausscheiden von Maschmeyer könnte das Management AWD allerdings genauer unter die Lupe nehmen, sagte ein Brancheninsider.

Die Schweizer hatten den Finanzmakler 2008 für 1,2 Milliarden Euro übernommen und kämpfen seither damit, die Geschäfte des von der Finanzkrise stark getroffenen hannoverschen Unternehmens wieder in Schwung zu bringen. „AWD kann zur Diversifizierung der Vertriebstätigkeiten beitragen, wurde aber zu einem überhöhten Kaufpreis übernommen, was eine Goodwill-Abschreibung nach sich ziehen könnte“, erklärte Analyst Stefan Schürmann von der Bank Vontobel.

Quelle:  Handelsblatt Online
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