Taxi-Konkurrenz: Investoren lieben Uber

Taxi-Konkurrenz: Investoren lieben Uber

Der Fahrdienst Uber ist Überflieger des Jahres. Investoren geben ihm einen höheren Wert, als Traditionsaktien wie American Airlines oder Kraft Foods auf die Waage bringen. Dabei ist Uber noch nicht einmal an der Börse.

Der Fahrdienst Uber gilt als Senkrechtstarter, der nicht nur das Taxigewerbe gründlich durcheinandergewirbelt hat. Der Wert des Unternehmens, das gerade einmal fünf Jahre existiert, wird aktuell mit unglaublichen 40 Milliarden Dollar (rund 32 Milliarden Euro) beziffert: Diese Summe lässt sich aus der jüngsten Finanzierungsrunde ableiten, mit der sich der Fahrdienst kürzlich 1,2 Milliarden Dollar bei den Investoren für eine kleine Beteiligung holte. Die Anleger geben dem Startup damit einen erstaunlichen Vertrauensvorschuss. Der Optimismus könnte allerdings auch verfrüht sein, wie Experten betonen.

Uber greift einen verkrusteten Markt an

„Sie werden zum Kauf aufgrund reiner Spekulation eingeladen“, analysiert Sam Hamadeh, Geschäftsführer des Forschungsinstituts PrivCo. Die 40 Milliarden Dollar, auf die Investoren Uber derzeit taxieren, übertreffen den Börsenwert von Traditionsunternehmen wie etwa der Fluglinie American Airlines oder dem Lebensmittelgiganten Kraft Foods. Noch vor einem halben Jahr taxierten Investoren Uber noch nicht einmal auf die Hälfte des aktuellen Schätzwertes.

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Die 1,2 Milliarden Dollar, die Uber unter Anlegern lockermachte, zeigen auch, wie schnell private Unternehmen mit Wagniskapital wachsen können. Investitionen in Unternehmen wie Dropbox, ein Programm zum mobilen Speichern von Daten, oder den privaten Zimmer- und Wohnungsvermittlungsdienst Airbnb haben die Preise für Startups in die Höhe getrieben.

Warum Uber so umstritten ist

  • Was ist Uber überhaupt?

    Uber startete vor rund vier Jahren in San Francisco als Alternative zu Taxis, die in der kalifornischen Metropole notorisch schwer zu kriegen sind. Anfangs ging es nur darum, für etwas mehr Geld einen Chauffeur-Service mit Oberklasse-Wagen anzubieten. Inzwischen nutzt Uber seine Vermittlungsplattform auch für Dienste, bei denen Privatleute Fahrgäste mit ihren eigenen Autos mitnehmen können. Vor allem um solche Angebote entzünden sich die Streitigkeiten mit Taxi-Gewerbe und Behörden in verschiedenen Ländern.

  • Wie funktioniert Uber?

    Es ist eine Smartphone-App, wie man sie auch von den Taxi-Anwendungen kennt. Der Abholort wird automatisch ermittelt, der Kunde sieht die Uber-Fahzeuge in der Nähe. Der Fahrweg wird mit Hilfe von GPS berechnet, die Wagen kommen daher ohne Taxameter aus. Der Bezahlvorgang entfällt: Es wird einfach die bei Uber hinterlegte Kreditkarte belastet.

  • Was stört die Taxifahrer?

    Das Taxi-Geschäft überall ist vielen Regeln unterworfen. Es gibt Vorschriften für die technische Kontrolle der Fahrzeuge, die Überprüfung des Gesundheitszustands der Fahrer, spezielle Versicherungen und die Beförderungspflicht. Außerdem wird die Größe des Marktes über die Vergabe von Konzessionen eingeschränkt. So kann eine Taxi-Lizenz in New York mehr als eine Million Dollar kosten. Uber platzt mit seinen Dienstes in dieses über Jahrzehnte gewachsene Geflecht von Regeln und wirtschaftlichen Interessen.

  • Wie will Uber den Taxis Kunden abjagen?

    Beim ursprünglichen Chaufferdienst UberBLACK waren die Argumente vor allem der Komfort einer Smartphone-App, ein schickes Auto und die automatische Abrechnung. Bei den Mitfahrdiensten in Privatautos ist Uber aber auch günstiger als herkömmliche Taxis. So kostet der Service UberPOP in Hamburg einen Euro pro Kilometer bzw. 25 Cent pro Minute. Laut Hamburger Taxentarif zahlt man dagegen jeweils 2,20 Euro für die ersten vier Kilometer, je 1,90 für die nächsten fünf Kilometer und 1,40 ab dem 10. Kilometer.

  • Wie stehen deutsche Behörden zu Uber?

    Behörden und auch Landesregierungen sehen den Dienst skeptisch. In Berlin und Hamburg erließen die Behörden Unterlassungsverfügung gegen Uber. Gerichte erlaubtem dem Fahrdienst aber vorläufig die Weiterfahrt. In NRW erklärte ein Sprecher des Verkehrsministeriums zu Uber: "Nach den vorliegenden Informationen handelt es sich bei den Fahrten um genehmigungspflichtige Personenbeförderungen." Über eine solche Genehmigung verfügen die Uber-Fahrer aber offenbar nicht. Das Verkehrsministerium warnt deshalb vor hohen Bußgeldern.

Uber stellt eine Alternative zu herkömmlichen Taxis dar und vermittelt über eine Smartphone-App private Fahrer. Der durchaus umstrittene Fahrdienst greift damit einen verkrusteten Markt an, der Konkurrenz bisher nicht zulässt. Der Protest der Taxibranche war entsprechend heftig. Aber die nächsten Schritte sind schon ausgemacht. Uber will auch den Paket- und Kurierdiensten sowie Mietwagenfirmen ernsthaft Konkurrenz machen.

Lohnen sich Investitionen in Uber?

Es gibt einen großen Markt: Uber bietet seinen Fahrdienst bislang in 250 Städten in 50 Ländern an. Der Zuwachs ist groß - im vergangenen Jahr waren es nur 60 Städte in 21 Ländern. Egal ob in Asien, Nordamerika oder Europa - mit einer mobilen Smartphone-App kann ein Wagen von überallher bestellt werden. Taxi- und Limousinenfirmen machen weltweit einen Umsatz von rund 100 Milliarden Euro, wie Aswath Damodaran, Finanzprofessor an der New York Universität, schätzt.

Die Network-Effekte sind gewaltig: Ein Unternehmen wird umso wertvoller, je mehr Menschen den Service nutzen. Ein Beispiel dafür ist Facebook. Die rund 1,35 Milliarden aktiven Nutzer wollen mit Freunden kommunizieren, was der Firma Werbeeinnahmen bringt. Uber kann zumindest auf lokaler Ebene die gleiche Massenwirkung für sich erzielen. Die Idee ist, dass mehr Nutzer auch mehr Fahrer anlocken, die Wartezeiten werden geringer, was wiederum noch mehr Nutzer und Fahrer anzieht. Dieses virtuelle Feedback steigert das Wachstum und damit den Gewinn. „Wenn sie diese Netzwerke nutzen, werden sie mächtig“, sagt Anand Sanwal, Chef von CB Insights, einer Firma, die sich mit Risikokapital beschäftigt.

Erst das Taxi, dann die ganze Welt: Uber kann in verschiedene andere Marktsegmente expandieren, wie zum Beispiel Zustelldienste. Investoren hoffen, dass Uber auch in das Mietwagengeschäft einsteigt und es mit so großen Firmen wie Hertz und Avis aufnimmt. Das mobile Zahlungssystem ist dabei ein großer Vorteil, denn es verspricht mehr Gewinne.

Kredite für Jedermann

In einem Video für potenzielle neue Fahrer wirbt Uber damit, dass jeder ein Auto kaufen oder leasen kann, selbst wenn er von Banken als nicht kreditwürdig eingestuft wurde. Nur auf Grundlage des bisherigen Fahrdienstes könne Uber nicht auf 40 Milliarden Dollar eingestuft werden, sagt Hamadeh von PrivCo. Das sei nicht das, was das Unternehmen ausmacht. „Aber sie können UPS, FedEx oder sogar den Postdienst übernehmen“, meint Hamadeh.

Regulatorische Hürden: Uber hat es mit den bestehenden Vorschriften aufgenommen und sich in das Taxigeschäft hineingedrängt. Das hat etwa in Chicago oder Miami scharfe Proteste der Taxifahrer nach sich gezogen. In Nevada sind sogar Autos beschlagnahmt worden. In Berlin und Frankfurt haben die Verwaltungsgerichte den privaten Taxi-Konkurrenten ganz verboten. Uber betreibe ein entgeltliches Angebot ohne entsprechende Genehmigung, obwohl die nach dem Personenbeförderungsrecht erforderlich sei, hieß es zur Begründung.

Morgan Stanley kommt in einem Bericht über die Bedrohung von Uber für Mietwagenfirmen zu dem Schluss, dass die scharfen Angriffe zeigten, wie sehr sich Verbraucher mehr Wahlmöglichkeiten wünschten.

Neue Wettbewerber drängen auf den Markt: Ubers ärgster Konkurrent ist nicht nur die Taxibranche, die natürlich ihr Territorium schützen will. Kleinere Startups wie Lyft, Sidecar, Hailo und Bandwagon drängen in den umkämpften Markt. Lyft wurde drei Jahre nach Uber gegründet, wirbt mit lustigen Werbesprüchen und einem pinkfarbenen Schnurrbart auf den Autos. Das Startup aus San Francisco nahm in dieser Woche einen Finanzchef unter Vertrag als Zeichen dafür, dass das Unternehmen wächst. Der Fahrdienstanbieter ist derzeit aber nur in den USA aktiv.

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Wo kommt das Geld her? Uber hat noch keine Geschäftszahlen an die Öffentlichkeit gegeben. Angaben über den Wert des Unternehmens beruhen deshalb auf reinen Schätzungen. Es könne aber als sicher gelten, dass Einnahmen und Gewinne, wenn es denn welche gibt, den Wert von 40 Milliarden US-Dollar nicht rechtfertigten, sagt Hamadeh von PrivCo. Um auf solche Zahlen zu kommen, müsse man schon eine rosige Vorstellung vom Erfolg des Taxigeschäfts haben, betont er. „Es ist wirklich blindes Vertrauen, dass sie den Wettbewerb gewinnen.“

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