ThyssenKrupp: Diese Aktie ist nichts für Angsthasen

ThyssenKrupp: Diese Aktie ist nichts für Angsthasen

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Die Zentrale von ThyssenKrupp in Essen.

von Saskia Littmann

ThyssenKrupp hat zwar am Dienstag Zahlen vorgelegt, für Anleger bleiben trotzdem viele Fragen offen. Nicht nur eine Kapitalerhöhung wird immer wahrscheinlicher, der Kurs der Aktie enthält viel heiße Luft.

Wer Aktien des kriselnden Stahlriesen ThyssenKrupp hält, braucht zur Zeit starke Nerven. Zu groß ist die Unsicherheit, gerade für Aktionäre bleiben auch nach Bekanntgabe der 9-Monats-Zahlen des Unternehmens am Dienstagabend viele Fragen offen. Können die Stahlwerke in den USA und Brasilien verkauft werden? Was passiert, wenn einer oder beide Deals nicht zustande kommen? Droht eine Kapitalerhöhung?

Die Unsicherheit spiegelte sich auch am Mittwoch im Kurs wieder. Zunächst ging es für das Papier weit in den Keller ans Ende des Dax. In der Spitze rutschte die Aktie unter 16 Euro und sackte damit um über fünf Prozent ab. Im Laufe des Vormittags konnte ein Teil der Verluste wieder gutgemacht werden, das Papier stabilisierte sich bei rund 16,50 Euro und einem Minus von rund zwei Prozent (Stand: 15:00 Uhr).

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Bereits Ende Juli, als Zweifel am Verkauf der Übersee-Stahlwerke die ThyssenKrupp-Aktie auf Talfahrt schickten, drohte die Aktie zu einem Zockerpapier zu werden. Daran hat sich nichts geändert, im Gegenteil. Denn die am Dienstag präsentierten Zahlen legen die Achillesferse des Essener Konzerns offen, nämlich die Kapitalausstattung. Da sieht es düster aus. Während der Stahlkonzern am Ende des Geschäftsjahres 2011 (30.09.2011) noch über Eigenkapital in Höhe von 10,4 Milliarden Euro verfügte, waren es zum Stichtag Ende Juni dieses Jahres nur noch mickrige 2,9 Milliarden Euro. Gegenüber dem Vorjahr ging das Eigenkapital um satte 68 Prozent zurück, die Eigenkapitalquote sackte um weitere 1,5 Prozentpunkte auf magere acht Prozent ab. Das ist der mit Abstand schlechteste Wert aller Industrieunternehmen im Dax.

Kapitalerhöhung immer wahrscheinlicher

Die von Beobachtern bereits seit einigen Monaten erwartete Kapitalerhöhung wird damit immer wahrscheinlicher. Denn das Unternehmen muss seine Kapitaldecke stärken, lediglich ein baldiger Verkauf könnte die Wogen wieder glätten. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" aus dieser Woche arbeitet das Unternehmen schon unter Hochdruck an einer solchen Maßnahme, bis zu einer Milliarde Euro an frischem Kapital wollen die Essener an der Börse einsammeln.

ThyssenKrupp Stahlkocher am Boden

ThyssenKrupp wird offenbar die verlustreichen Stahlwerke in Übersee nicht los, mit den Bietern konnte keine Einigung erzielt werden. Die Aktie rauschte daraufhin in den Keller und wird immer mehr zum Zockerpapier.

Die Zentrale von ThyssenKrupp in Essen Quelle: AP

Für die Aktionäre heißt das allerdings nichts gutes. Zwar sind Kapitalerhöhungen nicht per se schlecht, solange ein Unternehmen gut dasteht lassen sich damit wichtige Investitionen finanzieren. Im Fall ThyssenKrupp aber ist klar, dass das Unternehmen zwingend auf zusätzliches Kapital angewiesen ist, um über die Runden zu kommen. Für den Anleger dürfte also unter dem Strich nicht viel mehr bleiben als eine Verwässerung seiner Aktien.

Drohen Kreditausfälle?

Die schlechte Eigenkapitalausstattung des Konzerns sorgt auch dafür, dass die Verschuldung ständig zunimmt. Angesichts der schlechten Zahlen - das Verhältnis der Netto-Finanzschulden zum Eigenkapital (Gearing) stieg auf 185,7 Prozent - fürchte einige bereits den Ausfall von Bankkrediten. Viele zweifeln aber zurecht daran, ob es tatsächlich soweit kommt. Der Rückhalt, den der große Industriekonzern in Politik und Wirtschaft hat, dürfte immer noch enorm sein.

Profitieren könnte ThyssenKrupp dagegen von einem allgemeinen Konjunkturaufschwung in Deutschland. Wie das Statistische Bundesamt heute bekanntgab, ist die deutsche Wirtschaft im zweiten Quartal dieses Jahres so stark gewachsen wie schon lange nicht mehr. Da die Stahlindustrie traditionell eine sehr konjunktursensible Branche ist, dürfte ThyssenKrupp von einem Wachstumsschwung profitieren. Insbesondere dann, wenn wichtige Abnehmer weiter zulegen können, etwa die Automobilindustrie.

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Langfristig betrachtet steht der Kurs des Stahlriesen überraschenderweise gar nicht so schlecht dar. Über die letzten zwölf Monate betrachtet verzeichnet die Aktie eine Seitwärtsbewegung, innerhalb der letzten drei Monate gab es sogar ein deutliches Plus. Allerdings wird der Kurs getragen von den Hoffnungen auf einen Verkauf der Werke in Übersee. Anleger, die bei günstigen Kursen eingestiegen sind, hoffen jetzt auf den Deal. Denn sollte es noch zu einem Verkauf kommen, dürfte der Kurs der ThyssenKrupp-Aktie einen deutlichen Sprung nach oben machen.

Heiße Luft

Dennoch ist das Papier eher für Zocker geeignet, die das Risiko nicht scheuen. Wenn der Konzern das Kapitalproblem lösen kann oder der Verkauf der Stahlwerke funktioniert, kann der Kurs auch wieder deutlich steigen, ein Wert über 20 ist drin. Andererseits besteht auch noch Luft nach unten, wenn die heiße Luft um die Verkaufshoffnungen endgültig aus dem Kurs genommen werden und der wie ein Bauklotzturm in sich zusammen fällt.

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