Tokio: Droht Japans Börse der Abwärtssog?

Tokio: Droht Japans Börse der Abwärtssog?

Seit den Rekordständen Mitte Januar hat die Nervosität der Anleger deutlich zugenommen. Besonders an der Börse in Tokio stehen die Zeichen auf Sturm. Die Wirtschaftspolitik der Regierung steht vor einer Feuerprobe.

Als der frisch gewählte Shinzo Abe im Dezember 2012 die Regierungsgeschäfte in Japan übernahm, war auch an der Börse in Tokio die Aufbruchsstimmung spürbar. Die Börsianer honorierten, dass er der seit 15 Jahren währenden Deflationsphase den Kampf angesagt hat – koste es, was es wolle. Mit einer auf Hochtouren laufenden Gelddruckmaschine versucht die regierungsnahe Zentralbank Japans seitdem, den Außenwert des Yen zu drücken, um so die Exporte anzukurbeln. In den ersten Monaten funktionierte das ganz gut, statt der 114 Yen zum Jahresbeginn 2013 gab es für einen Euro am Jahresende schon 145 Yen – ein Wertverlust von mehr als einem Viertel. Der Börsenindex Nikkei schwang sich in diesem Zeitraum von knapp 10.000 Punkten auf mehr als 16.000 auf.

Aber die Börsenstimmung ist inzwischen so schlecht wie lange nicht; dem Börsenrekord folgten in diesem Jahr zunehmend Ernüchterung und Skepsis. Am gestrigen Handelstag kam es an Japans Börse mit einem Verlust von 4,2 Prozent im Nikkei zu dramatischen Kursverlusten – den höchsten seit dem 8. Oktober 2013. Der breiter gefasste Börsenindex Topix fiel sogar um 4,8 Prozent. Auch der Yen verteuerte sich seit Jahresbeginn deutlich auf nur noch 137 Yen pro Euro – rund sechs Prozent weniger als zum Jahresanfang.

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Konjunkturdaten Sorgen um Chinas Wirtschaft belasten Asien-Börsen

Die Börsen in Fernost haben am Montag Verluste verzeichnet. Vor allem enttäuschende Konjunkturdaten aus China drückten auf die Stimmung.

Ein Fußgänger schaut auf die Anzeigetafeln der Börse Tokio Quelle: dpa

Offenbar mehren sich die Zweifel, ob Japans Erholung stark genug für eine geplante Steuererhöhung ist. Denn die Abe-Regierung plant eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von fünf auf acht Prozent. Gleichzeitig trüben sich die Aussichten für die Weltkonjunktur – und damit für wichtige Abnehmerländer Japans – wieder ein, nachdem Ende des vergangenen Jahres so etwas wie Euphorie aufgekommen war. Vor allem Zweifel an einem schnellen Erstarken der US-Wirtschaft, die schrittweise Rücknahme der expansiven Geldpolitik durch die US-Notenbank sowie schwächere Wirtschaftsdaten aus China und die Krise in den übrigen Schwellenländern bremsen den Optimismus.

Mit dem Absturz am Dienstag hat der Nikkei seit Ende vergangenen Jahres mehr als 2200 Punkte oder 14 Prozent eingebüßt. Vorangegangen waren deutliche Kursabschläge an den Börsenplätzen in den USA und Europa. Am Montag hatte insbesondere der US-Einkaufsmanagerindex für die Industrie mit einem kräftigen Rückgang enttäuscht. Der Stimmungsbarometer fiel deutlich stärker als es Volkswirte - aufgrund des Wintereinbruchs - erwartet hatten. Die zunehmenden Sorgen über die Erholung der größten Volkswirtschaft der Welt drückten auch den Dollar im Vergleich zur japanischen Währung. Das ist Gift für die Aktien japanischer Exportkonzerne.

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Die Gefahr besteht, dass sich Japans Aufschwung letztlich nur als Strohfeuer entpuppt. Denn neben der Politik eines billigen Yen und enormen schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen ist Ministerpräsident Shinzo Abe vor allem die zugesagten Strukturreformen, die Ökonomen schon seit langem fordern, bislang schuldig geblieben. Auch die im vergangenen Monat um mehr als ein Viertel gestiegenen Neuwagenverkäufe sind kein Indiz für einen nachhaltigen Aufschwung, sondern gehen vor allem auf das Konto der für April angekündigten Mehrsteuererhöhung.

Am Wochenende stehen in Japan zudem Gouverneurswahlen an. Für Regierungschef Shinzo Abe kommen sie zur Unzeit, denn einer der aussichtsreichsten Kandidaten, Morihiro Hosokawa, gilt als Atomkraftgegner. Abe aber hatte die nach der Fukushima-Katastrophe vom Netz genommenen Kernkraftwerke zum Minderung des hohen Handelsdefizits wieder Strom produzieren lassen und so die Stromimporte gesenkt. Sollte aber der 76-jährige ehemalige Premierminister Hosokawa den Gouverneursposten in der 13-Millionen-Metropole Tokio erlangen, hätte Abe einen mächtigen Gegner in seiner Atompolitik. Analysten fürchten, dass dann Investoren Aktien - insbesondere japanischer Versorgungsunternehmen - abstoßen und die Märkte weiter auf Talfahrt schicken.

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