Tool der Woche: Festgeldzinsen sollten genau geprüft werden

Tool der Woche: Festgeldzinsen sollten genau geprüft werden

, aktualisiert 03. März 2017, 18:53 Uhr
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Ein Stapel Euro- und Cent-Münzen: Die Zinsen für Festgeld sind trotz gestiegener Inflation extrem niedrig, nach Abzug der Geldentwertung verbrennen Sparer Geld.

von Anke RezmerQuelle:Handelsblatt Online

Die Zinsen für Spargeld sind zuletzt weiter gesunken. Um nicht noch mehr Geld zu verbrennen, sollten Sparer Angebote vergleichen. Denn die Geldhäuser zahlen unterschiedliche hohe Zinsen.

FrankfurtEs sind keine guten Nachrichten für Sparer, die ihr Geld auf Konten und Sparbüchern parken: Zuletzt ist die Inflationsrate in Deutschland vor allem wegen des teureren Ölpreises auf 2,2 Prozent geklettert, im Februar erreichte sie den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Auch in der Euro-Zone sind die Verbraucherpreise nach einer ersten Schätzung im Februar um zwei Prozent gestiegen, wie das Statistikamt Eurostat mitteilt – auf den höchsten Wert seit Januar 2013. Die Zinsen für Tages- und Festgeld sackten dagegen immer weiter ab.

Der Grund: die Geldschwemme der Europäischen Zentralbank (EZB), die mit dem billigen Geld versucht, die Konjunktur in der Euro-Zone in Schwung zu bringen. Die Banken zahlen schon seit geraumer Zeit Strafzinsen für ihre Einlagen bei der Notenbank. Ihren Geschäftskunden zwacken daher immer mehr Geldhäuser Zinsen für Einlagen ab. Und bei Privatkunden ist der Sparzins immer tiefer gesunken. Viele Banken bieten schon gar kein Tages- oder Festgeld mehr an. Im Durchschnitt hat sich der Satz für das täglich verfügbare Tagesgeld 2016 halbiert auf nun 0,18 Prozent, wie die Frankfurter FMH-Finanzberatung berechnet. Ähnlich schrumpfte der Zins für Festgeld. Sparer bekommen im Schnitt gerade noch 0,22 Prozent.

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Doch auch, wenn Experten die Zinsen für das Kontosparen nun in einer Talsohle sehen, bedeutet das noch lange nicht, dass Banken und Sparkassen in naher Zukunft wieder großzügig Sparzinsen zahlen werden. Zwar dürften die 25 Ratsmitglieder der EZB bei ihrem Treffen am kommenden Donnerstag vor allem über das Thema Inflation im Euroraum sprechen. Denn der von den Notenbankern angestrebte Zielwert der Geldentwertung von knapp unter zwei Prozent ist nun mehr als erreicht, was die Debatte über ihren geldpolitischen Kurs befeuert. Doch mit einem tatsächlichen Kurswechsel in Richtung einer restriktiven Geldpolitik, der irgendwann auch wieder höhere Leitzinsen bedeutet, rechnen Volkswirte eher im Herbst.

Bisher trieben neben Energiepreisen saisonale Einflüsse die Preise, sagt etwa Kristian Tödtmann, Volkswirt der Sparkassentochter Deka Bank. Im Februar rechnet er mit einem Höhepunkt der Entwicklung. Lebensmittelpreise seien durch das kalte Winterwetter deutlich gestiegen, das dürfte nicht so bleiben. So werde sich die Inflationsrate in Deutschland um zwei Prozent einpendeln, erwartet der Ökonom.

Sicher ist, dass Sparer derzeit real Geld verbrennen

Langfristig hält Tödtmann es allerdings für „unvermeidlich, dass sich höhere Inflationsraten auch in höheren Zinsen niederschlagen“. Er rechnet damit, dass die Kerninflation, also die Preissteigerung eines für die EZB maßgeblichen Warenkorbs, nur langsam zunimmt und die Notenbanker den Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik daher nicht überstürzen.

Für Sparer bleibt damit eines vorerst sicher: Sie verbrennen real – nach Abzug der Inflation – Geld, wenn sie ihr Erspartes auf Sparbüchern oder Konten liegen lassen. Steuern auf Erträge sind hier noch gar nicht berücksichtigt.

Wichtiger denn je ist es somit, zu prüfen, wie viel Geld wirklich auf Konten liegen muss. Klassisch dient Geld auf Konten - wie das stets verfügbare Tagesgeld, Sparbücher oder Festgeld mit kürzeren Laufzeiten - als Reserve für unvorhersehbare oder absehbare künftige Ausgaben. Dafür empfehlen Berater als Daumenregel, dass jeder drei Nettogehälter verfügbar haben sollte. Je nach Geschmack und Bedarf kann man das Geld ganz flexibel anlegen als Tagesgeld oder einige Monate festlegen mit dem Festgeld. Geld über mehrere Jahre zu sehr niedrigen Zinsen fest zu legen, macht aktuell eher wenig Sinn: Wenn die Zinsen doch irgendwann steigen, steckte das Kapital dann in Tiefstzinsen fest. Auf absehbare Zeit rechnet aber etwa Sigrid Herbst von der FMH-Finanzberatung nicht damit, dass die Zinsen für das Kontensparen deutlich steigen.

Die Deutschen schießen allerdings mit ihren 2,15 Billionen Euro in Bargeld oder auf Sparbüchern und Konten, wie die Bundesbank errechnete, weit übers Ziel hinaus – sind dies doch knapp vierzig Prozent ihres Geldvermögens. Über die Reserve-Euro hinaus empfehlen Finanzexperten je nach Anlagehorizont und Risikoempfinden des Sparers einen Mix aus verschiedenen Anlagearten, um diverse Renditechancen wahrzunehmen, aber Risiken von Verlusten zu verteilen.

Für das Reservekapital lohnt es auch in diesen Zeiten bescheidener Zinsen Angebote zu vergleichen. „Es gibt noch immer große Unterschiede“, sagt Herbst von FMH: Nicht wenige Banken bieten derzeit gar kein Festgeld an, die höchsten Zinsen für sechs Monate sind 1,15 Prozent im Jahr, für zwölf Monate sind es 1,6 Prozent, wie Herbst sagt. Welche Banken aktuell die besten Angebote haben, zeigt der Handelsblatt-Festgeld-Rechner.

Wer sein Geld zu einem planbaren Zins für eine kürzere Zeit anlegen möchte, kann bei der estnischen Big Bank für Festgeld über sechs Monate 0,8 Prozent bekommen, über zwölf Monate 0,9 Prozent. Dafür muss er dann mit einem verringerten Einlagenschutz von 100 000 Euro pro Person leben. Das beste Angebot mit deutschem Einlagenschutz kommt FMH zufolge von der deutschen Tochter der türkischen Akbank: über sechs Monate zahlt der Handelsfinanzierer 0,5 Prozent im Jahr, über zwölf Monate 0,65 Prozent.

Mit erkennbar höheren Zinsen locken ausländische Kreditinstitute über Onlinevermittler. So vermittelt das Portal Zinspilot Festgeld der rumänischen Alpha Bank Romania: über sechs Monate gibt es 1,15 Prozent Zinsen pro Jahr, über zwölf Monate 1,6 Prozent. Allerdings müssten Sparer ihr Kapital im Fall einer Pleite in dem Land der Bank einklagen. Und im Fall der Alpha Bank hätten Sparer nach dem EU-Einlagenschutz nur einen Anspruch auf den Gegenwert von 100 000 Euro in rumänischen Lei.

Verbraucherschützer raten daher Sparern immer wieder davon ab, nach Zinsaufschlägen im Ausland zu jagen. Aussichtsreicher dürfte es sein, den persönlichen Anlagemix zu optimieren.

Quelle:  Handelsblatt Online
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