Tool der Woche : Ratenkredite lohnen sich nicht für jedermann

Tool der Woche : Ratenkredite lohnen sich nicht für jedermann

, aktualisiert 12. Mai 2017, 15:42 Uhr
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Wer Konditionen für Ratenkredite vergleicht, kann jede Menge Geld sparen.

von Milena Merten und Sarah DollQuelle:Handelsblatt Online

Niedrige Zinsen verleiten dazu, sich seine Wünsche mit Ratenkrediten zu erfüllen. Diese sind aber nicht für alle sinnvoll – vielmehr sollte man vorab Angebote sorgfältig vergleichen. Feste Regeln dienen der Orientierung.

FrankfurtIn Niedrigzinszeiten leben immer mehr Deutsche auf Pump. Banken haben im vergangenen Jahr neue Kredite im Wert von insgesamt 141,3 Milliarden Euro verliehen – 9,2 Prozent mehr als im Vorjahr, wie der Bankenfachverband berechnet hat. Das verwundert nicht, denn die Bedingungen für Darlehen sind günstig: Der Durchschnittszins für Ratenkredite sinkt seit Jahren – aktuell liegt der effektive Jahreszinssatz nach Angaben der Bundesbank bei 5,62 Prozent und damit um sieben Prozent niedriger als im Vorjahr und sogar um 28 Prozent tiefer als 2011. Gleichzeitig haben immer mehr Menschen einen Arbeitsplatz, die Reallöhne steigen: allein im vergangenen Jahr um 1,8 Prozent. Die Konsumenten erreichen also eine bessere Bonität, sie werden kreditwürdiger.

Unter solchen Voraussetzungen klingen Ratenkredite tatsächlich verlockend, wenn man sich etwa ein neues Auto oder eine neue Einbauküche leisten will, aber das Geld nicht verfügbar hat. Das Prinzip ist einfach, die zu zahlende Summe steht von Anfang an fest: Ein Geldhaus leiht einem die benötigte Summe und man zahlt sie anschließend in regelmäßigen Raten zu einem festgelegten Zinssatz zurück.

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Doch Verbraucherschützer mahnen zur Vorsicht. Nicht für jeden lohnt sich ein Ratenkredit. Manche Banken oder Online-Portale werben zwar mit sehr niedrigen Zinsen, diese gelten aber oft nur für Kunden mit bester Bonität. Max Herbst, Inhaber der Finanzberatung FMH, erklärt: „Nur zwei bis drei Prozent aller Konsumenten bekommen tatsächlich die Top-Konditionen aus der Werbung.“ Die große Mehrheit erhalte nur den Zinssatz für „gute“ Bonität.

Hinzu kommt: Je mehr laufende Ratenkredite man hat, desto negativer wirkt sich das auf die Bonität aus. Für viele ist es sinnvoll, nach bonitätsunabhängigen Krediten suchen. Ein Ratenkredit lohne sich ohnehin nur bei größeren Anschaffungen zu einem Preis ab etwa 3000 Euro aufwärts, meint Herbst. „Für kleinere Käufe reicht ein Dispo-Kredit, der ist schneller zu beantragen und flexibler zurück zu führen.“

Da Banken häufig für kleine Beträge keine Ratenkredite vergeben, greifen Verbraucher gern zu einem höheren Kredit, dessen Volumen die eigentlich benötigte Geldmenge übersteigt. Davor warnt Herbst: „Einen höheren Kredit aufzunehmen, nur damit man einen Puffer fürs nächste Mal hat, ist vollkommener Blödsinn.“ Der Finanzexperte rät dazu, für Ratenkredite grundsätzlich eine lange Laufzeit mit niedrigen Raten anzusetzen. „Die neueren Ratenkredite kann man jederzeit durch eine Sondertilgung ganz oder teilweise vorzeitig begleichen – so will es der Gesetzgeber“, sagt Herbst.

Die Gebühr für die vorzeitige Rückzahlung darf maximal ein Prozent betragen und manche Banken verzichten auch darauf. Als Faustregel gilt Herbst zufolge außerdem: Die Ware, die man mit dem Ratenkredit bezahlen will, sollte eine längere Lebensdauer haben als die Kreditlaufzeit. Eine Urlaubsreise noch Jahre später abzuzahlen sei frustrierend. Von einem renovierten Badezimmer habe man allerdings auch nach der Kreditlaufzeit noch etwas.


Vorsicht vor „Lockangeboten“

Einige Firmen werben damit, alte Kredite mit höheren Zinssätzen in einen günstigeren Ratenkredit umzuschulden. Roman Schlag von der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände bezeichnet solche Annoncen als „Lockangebote“. Er warnt: „Umschuldungen können trügerisch sein. Die Situation scheint erst einmal positiver, aber im Endeffekt bekämpft man Schulden mit noch mehr Schulden. Genau so entsteht eine Schuldenspirale.“

Sebastian Hagen, Referent für Finanzen bei der Verbraucherzentrale Sachsen, rät, genau zu prüfen, ob sich ein solches Umschuldungsangebot im konkreten Einzelfall wirklich lohnt. „Die Frage ist immer: Welche Kosten fallen genau an, um aus meinem alten Kredit herauszukommen?“ Denn bei vorzeitiger Rückzahlung kann eine Entschädigungsgebühr der Bank anfallen – bei älteren Krediten kann diese durchaus höher ausfallen.

Nur bei Beachtung aller Kostenfaktoren zeige sich, ob sich eine Umschuldung in einen Ratenkredit mit günstigen Zinsen unter Umständen lohnt. FMH-Geschäftsführer Herbst teilt diese Meinung: „Das lohnt sich wirklich nur sehr selten – und wenn, dann ist die Ersparnis sehr gering.“ Um den Weg aus den Schulden zu finden, solle man sich stattdessen einen Überblick über seine Schulden machen und Einsparmöglichkeiten ausloten.

Grundsätzlich gilt also: Bei Ratenkrediten sollte man genau hinschauen und nicht mehrere gleichzeitig aufnehmen. Verbraucherschützer Hagen rät, sich nicht nur von kurzfristig niedrigen Zinsen leiten zu lassen, sondern immer zu hinterfragen, warum das Angebot so günstig sei. Vor der Kaufentscheidung solle man sich immer fragen: „Brauche ich das wirklich genau jetzt? Oder kann der Wunsch noch warten?“ Wenn die Anschaffung dringend nötig ist, zum Beispiel weil das Auto kaputt ist und man ein neues braucht, dann sollten Verbraucher die Angebote genau vergleichen.

Dabei hilft der Handelsblatt-Ratenkreditrechner, mit dem man die Laufzeit, den Kreditbetrag und die Bonitätskriterien individuell festlegen kann: Im Ergebnis erhält man verschiedene Angebote, die man dann wiederum sorgfältig vergleichen sollte: In erster Linie sollte man sich die monatliche Rate leisten können. Mindestens genauso wichtig ist der Effektivzins. Wer vorher gewissenhaft abwägt, läuft weniger Gefahr, in die Schuldenfalle zu laufen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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