Tool der Woche : Wer in der Gunst der Analysten steht

Tool der Woche : Wer in der Gunst der Analysten steht

, aktualisiert 23. Juni 2017, 17:21 Uhr
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Die TecDax-Firma profitiert vom Trend zum elektronischen Bezahlen.

von Susanne SchierQuelle:Handelsblatt Online

Von der Attacke auf Wirecard ist nicht mehr viel zu spüren. Die Aktie des Zahlungsdienstleisters ist in den vergangenen Monaten kräftig gestiegen. Was die Anlageprofis erwarten, können Anleger im Handelsblatt-Analystencheck nachlesen.

FrankfurtNoch vor gut einem Jahr sah die Welt bei Wirecard alles andere als rosig aus: Im Februar 2016 brach die Aktie des Zahlungsdienstleisters um gut ein Viertel auf unter 32 Euro ein, nachdem ein bis dahin unbekanntes Researchhaus schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben hatte. Doch Investoren haben sich davon offenbar nicht nachhaltig beirren lassen. Erst vor wenigen Tagen kletterte die im TecDax notierte Aktie auf ein neues Rekordhoch bei 60,90 Euro Euro, fiel am Freitag aber wieder etwas zurück. Bei der Hauptversammlung in dieser Woche sei man aber von den Anlegern in den höchsten Tönen gelobt worden, betont eine Unternehmenssprecherin. Alle Tagesordnungspunkte segneten die Aktionäre mit großer Mehrheit ab.

So gut wie vergessen scheint, dass eine Firma namens Zatarra den Wirecard-Kurs im vergangenen Jahr in die Knie zwang, indem sie dem Unternehmen Betrug und Geldwäsche vorwarf. Es wird vermutet, dass Hintermänner an der Kursbewegung verdienen wollten. Wirecard wies die Anschuldigungen denn auch zurück. Doch auch wenn der Vorfall angesichts der starken Kursentwicklung wieder in den Hintergrund tritt, dürfte so mancher Privatanleger verunsichert bleiben, was Investitionen in die Aktie betrifft. Zumal es für den Anbieter von Lösungen für den elektronischen Zahlungsverkehr nicht das erste Mal war, dass es kritischen Berichten ausgesetzt war, die zu Kursrückgängen führten.

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Die Profis lassen sich davon jedoch nicht abschrecken. Die große Mehrheit der Experten, die den Wert beobachten, rät derzeit zum Kauf. Allerdings sind die gesteckten Kursziele nach den starken Anstiegen in diesem Jahr zum Teil schon erreicht. Interessierte Anleger können aktuelle Einschätzungen im Handelsblatt-Analystencheck abfragen. In der Online-Anwendung werden regelmäßig neue Empfehlungen und Kursziele zahlreicher Banken und unabhängiger Research-Institute ausgewertet. Goldman Sachs-Analyst Mohammed Moawalla betont beispielsweise, dass Wirecard der Top-Pick bei Zahlungssystemen sei – angesichts überdurchschnittlichem Wachstum und strategischem Reiz. Auch Harald Heider von der DZ Bank meint, dass das TecDax-Unternehmen weiterhin vom weltweit starken Wachstum des Online-Handels und vom bargeldlosen Bezahlen im stationären Handel profitieren werde. „Die Digitalisierung des Bezahlens steht erst am Anfang, wir sehen daher noch riesiges Potenzial“, sagt auch die Sprecherin des Unternehmens.

Anlegerschützer raten ebenfalls nicht generell ab, Aktien eines Unternehmens zu kaufen, das Ziel einer Kursattacke war: „Angriffe auf Aktienkurse passieren häufig bei Unternehmen, die in ihrer Kapitalmarktkommunikation relativ intransparent sind. Dann haben die Angreifer eine realistische Chance, mit ihren Aussagen den Kurs tatsächlich zu bewegen“, erklärt ein Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). „Anleger, die in Firmen investieren wollen, die bereits einmal Opfer eines solchen Angriffs waren, sollten sich also vorher anschauen, ob diese sich bei der Offenlegung wichtiger Informationen verbessert haben.“ Wenn nicht, sei die Gefahr groß, dass sie erneut Opfer einer Attacke werden könnten.

Die Wirecard-Sprecherin räumt ein, dass sich solche Attacken an der Börse auch in der Zukunft kaum verhindern lassen. Doch das Management konzentriere sich aufs Kerngeschäft und versuche, dieses den Investoren so gut wie möglich nahezubringen: „Als Zahlungsdienstleister sind wir deutlich komplexer als ein Turnschuhverkäufer. Unser Geschäftsmodell müssen wir daher ausführlicher erklären.“ Sie glaube aber, dass die angelsächsischen professionellen Anleger auch die nicht ganz einfache Bilanz von Wirecard mittlerweile verstanden hätten.


Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an.

Wirecard ist indes nicht das einzige deutsche Unternehmen, das schon Ziel solcher Attacken geworden ist. Auch der Kölner Werbevermarkter Ströer und die Münchener Beteiligungsgesellschaft Aurelius sind schon ins Visier von sogenannten Leerverkäufern geraten. Diese leihen sich bei anderen Anlegern gegen eine Gebühr die entsprechenden Aktien, verkaufen sie und hoffen, dass der Kurs fällt. Dann können sie die Aktie günstiger am Markt kaufen und an den Verleiher zurückgeben. Bei Wirecard schaltete die Finanzaufsicht Bafin nach den Vorkommnissen die Staatsanwaltschaft München ein, die ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Marktmanipulation gegen mehrere Verdächtige einleitete. Die Ermittlungen dauerten aktuell noch an, wie eine Behördensprecherin bestätigte. Das Unternehmen selbst werde nach wie vor nicht verdächtigt. Auch bei Ströer habe die Staatsanwaltschaft Frankfurt ein entsprechendes Ermittlungsverfahren eingeleitet, bestätigte ein Pressesprecher. Zuvor hatte das Wirtschaftsmagazin Capital darüber berichtet.

Wirecard selbst will mögliche eigene rechtliche Schritte nicht kommentieren, so lange das Verfahren läuft – und redet lieber über die Entwicklung des operativen Geschäfts. Mit dem sind die Analysten durchaus zufrieden: Im ersten Quartal 2017 stieg das über die Plattform abgewickelte Transaktionsvolumen im Vorjahresvergleich um 34 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro. Die Umsätze legten um 31 Prozent auf rund 275 Millionen Euro zu, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte ähnlich stark auf über 81 Millionen Euro.

Berenberg-Analyst Jean Beaubois kommentierte nach der Zahlenbekanntgabe, dass er die Prognose des Unternehmens für das Gesamtjahr für zu konservativ halte. Bisher rechnet Wirecard mit einem Ebitda von 382 bis 400 Millionen Euro. Beaubois erwartet jedoch, dass das Management diese vor den Zahlen für das zweite Quartal anheben werde. Im besten Fall könne das Unternehmen 420 Millionen Euro erreichen.

Moawalla von Goldman Sachs verweist zudem darauf, dass Wirecard nicht nur durch Zukäufe sondern auch aus eigener Kraft stark wächst. Das organische Wachstum betrug in den ersten drei Monaten des Jahres 25 Prozent: „Wirecard bleibt gut positioniert in der Zahlungslandschaft sowohl durch seinen Online-Fokus als auch die schnelle Expansion im asiatisch-pazifischen Raum“, ergänzt er. Im März hat das Unternehmen bekanntgegeben, das Kreditkartenakzeptanz-Geschäft der Citigroup in elf asiatisch-pazifischen Ländern zu übernehmen.
Insgesamt betreute Wirecard zum Ende des ersten Quartals rund 29.000 große und mittelgroße Kunden sowie 160.000 Kleinstkunden. Zusätzliche Partnerschaften entstanden in dem Zeitraum unter anderem mit Festo, T-Systems und Rossmann. Aktuell kam noch die Haushaltswarenkette Zwilling als Kunde dazu.

Quelle:  Handelsblatt Online
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