Übernahmeprämien: Die Zeitbomben in den Dax-Bilanzen

Übernahmeprämien: Die Zeitbomben in den Dax-Bilanzen

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Durch die schwache Gewinnentwicklung und hohe Bilanzrisiken drohen Dax-Aktionären böse Überraschungen

von Christof Schürmann

1000 Punkte ging es für den Dax seit seinem Jahreshoch zeitweise runter. Zu Recht: Denn die Gewinnentwicklung der Unternehmen ist zunehmend negativ. Zudem drohen hohe Abschreibungen wegen der Euro-Krise. Worauf sich Anleger einstellen sollten.

Wer darauf setzen wollte, dass die deutsche Fußballnationalmannschaft bei der Europameisterschaft den Titel erringt, dem stellte das britische Wettbüro William Hill zuletzt für einen Euro Einsatz vier Euro Rückzahlung in Aussicht – wenn denn die Männer um Bundestrainer Jogi Löw am 1. Juli tatsächlich den Pokal in die Höhe recken sollten. Genau die gleiche Quote bot William Hill Anfang Mai noch allen, die auf einen Austritt Griechenlands aus dem Euro wetten wollten. Doch der Ansturm war zu groß, die Griechen-Exit-Wette stellte William Hill inzwischen ein.

Nicht nur Wettanbietern ist es an den Finanzmärkten inzwischen zu heiß; auch Investoren flüchten in Scharen. Die Gefahr, dass Griechenland nach der Neuwahl am 17. Juni erneut keine Euro-freundliche Regierung stellen könnte; der schleichende Exitus spanischer Banken; zunehmend schwächere Konjunkturdaten – die Liste der Belastungsfaktoren ist ungewöhnlich lang.

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Nur kurze Erholungen

Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor im Mai sieben Prozent – das schlechteste Wonnemonat-Ergebnis seiner Geschichte. Bis Anfang Juni sackte der Leitindex gar um elf Prozent ab. Trotz der Zwischenerholung vergangene Woche hat der Dax seit Mitte März nahezu ohne Unterbrechung 1000 Punkte oder ein Siebtel an Wert eingebüßt. Erst nach den Wahlen in Griechenland erholte sich der Aktienindex wieder etwas und zittert um die 6200-Punkte-Marke.

Verwundert reiben sich diejenigen die Augen, die Dax-Aktien bei weit höheren Kursen oberhalb von 7000 Punkten als gnadenlos günstig bezeichnet und auf einen weiteren Kursanstieg gesetzt hatten. Kaum ein Vermögensverwalter, kaum ein Bankstratege hierzulande, der dieses Jahr Investoren nicht zu einem weiteren Dax-Einstieg oder zumindest zum Halten von Aktienpositionen bewegen wollte. Der medial zum Börsenguru und Value-Investor hochgejubelte Wormser BWL-Professor Max Otte etwa, seit vier Jahren auch Fondsmanager, verlautbarte noch Ende März: „Der Dax ist bei 7500 Punkten fair bewertet, aber wenn er in dieser Gemengelage rasch auf 10.000 Punkte steigen würde, wäre das keine Überraschung.“

Dax-Anleger haben noch Glück gehabt

Wer denkt, der Kursverfall sei allein auf das Banken- und Staatsschuldendesaster rund um den Globus zurückzuführen, liegt falsch. Vielmehr sind viele Anlegerträume auf hohe Unternehmensgewinne geplatzt – und es droht weiteres Ungemach. Das zeigt die Analyse der gerade beendeten Quartalssaison und eine Auswertung der Bilanzen aller 30 Dax-Konzerne.

Dabei stehen Anleger mit ihren Verlusten aus Dax-Aktien noch relativ gut da. Investoren schickten die Kurse an den Schwellenländer-Börsen allein im Mai um zwölf Prozent in den Keller. Historisch auch die Talfahrt japanischer Aktien. Der breit gefasste Topix-Index hatte per Ende Mai neun Wochen lang in Folge mit einem Minus abgeschlossen und sich seither nicht erholt. Das gab es zuletzt 1975.

Und die Talfahrt an den Märkten und im Dax dürfte noch nicht beendet sein. Hauptgrund: Die Unternehmensgewinne fallen niedriger aus als allgemein von der Optimistenschar erwartet. Noch im Januar schätzten Analysten im Durchschnitt, dass die 30 Dax-Konzerne im vergangenen Jahr 73 Milliarden Euro netto verdient hätten. Doch wer die Erträge der im Frühjahr vorgelegten Bilanzen für 2011 addiert, kommt nur auf gut 61 Milliarden Euro.

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