Unheimliche Aktienrally: Warum die Kurse plötzlich fallen

Unheimliche Aktienrally: Warum die Kurse plötzlich fallen

, aktualisiert 22. März 2017, 15:37 Uhr
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Ein Bild mit Seltenheitswert in den vergangenen Handelstagen: Der deutsche Leitindex fällt wieder. Diese Korrektur könnte etwas länger dauern.

von Jürgen Röder und Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Die US-Börse zeigt sich nervös, die deutschen Kurse schwächeln ebenfalls. Die Anzeichen für eine Überbewertung der Aktien mehren sich. Ist das nur eine einfache Korrektur oder ein Abgleiten in den Bärenmarkt?

Die US-Aktienmärkte haben am Dienstag den größten Kursrückgang seit einem halben Jahr erlebt. Der Leitindex Dow Jones Industrial schloss mehr als ein Prozent tiefer bei 20.668 Punkten – zuletzt war es im September vergangenen Jahres derart kräftig bergab gegangen. Der Index ging überdies fast auf seinem Tagestief aus dem Handel.

Entsprechend sind auch die Kurse am Deutschen Aktienmarkt gefallen. Der Dax eröffnete am Mittwoch 0,7 Prozent schwächer und damit unterhalb der Marke von 11.900 Punkten. Er hat damit fast die gesamten März-Gewinne wieder abgegeben. Vor allem Bankaktien verloren deutlich an Wert. In den USA fielen die Papiere der Titel von Bank of America sogar um 5,8 Prozent, am hiesigen Markt fielen die Papiere der Commerzbank um mehr als zwei Prozent.

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Zwei Dinge belasten die Märkte: Zum einem wachsen die Zweifel an einer raschen Umsetzung der Wirtschaftspläne von US-Präsident Donald Trump. Selbst die größten Optimisten registrieren langsam, dass Trump mit seinen Reformplänen in der Umsetzung Schwierigkeiten habe, sagte Analyst Michael Hewson vom Broker CMC Markets UK. Dies gelte sogar für das Gesundheitssystem – dabei gilt für die Abschaffung von Obamacare unter Republikanern große Zustimmung. Andere Reformen, etwa der Steuern oder der Bankenregulierung, sowie Infrastrukturausgaben könnten daher noch ferner in die Zukunft verschoben werden.

Das zweite Thema, das die Märkte bewegt, ist die US-Notenbank. Während sonst steigende Leitzinsen oft genug schlecht für Aktien sind, war es in den vergangenen Wochen umgekehrt. Die Aussicht auf Zinserhöhungen durch die Fed beflügelte die Börse, besonders die Papiere der Banken. Doch nach der Zinserhöhung der vergangenen Woche sagte Fed-Chefin Janet Yellen nichts zur weiteren Zinsentwicklung. Die Enttäuschung darüber traf am Dienstag gerade die Bank of America so hart, weil deren Geschäft besonders stark von noch höheren Zinsen profitieren würde.

Zudem werden die steigenden Kurse vielen Anlegern allmählich unheimlich. Bei einer neuen Umfrage von BofA Merrill Lynch unter Fondsmanagern halten 81 Prozent die US-Aktien für überbewertet. Das ist der höchste Wert seit 17 Jahren. Europäische Aktien halten sie dagegen für unterbewertet, ebenso Titel der Schwellenländer. Der S&P 500 liegt zwischen 2300 und 2400 Punkten und damit schon in der Spannbreite, den viele Banken als Ziel fürs Jahresende angesetzt hatten.

Doch es spricht derzeit vieles dafür, dass es sich nur um einfache Korrektur handelt. Die wichtigste Kennzahl für den gesamten Kapitalmarkt ist die langfristige Anleihen-Rendite, vor allem der Prozentsatz bei den zehnjährigen US-Staatsanleihen. Dass die US-Aktien schon seit langem hoch bewertet sind, liegt vor allem daran, dass die Anleiherendite so niedrig ist. Denn wenn bei Anleihen nichts zu holen ist, sind Anleger bei Aktien mit weniger Gewinn zufrieden.

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