Unternehmensfinanzierung: Blankokredite auf dem Vormarsch

kolumneUnternehmensfinanzierung: Blankokredite auf dem Vormarsch

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Die restriktive Kreditvergabepraxis in der Finanzwirtschaft führt notwendigerweise zu Umbau-Phänomenen im System und zu neuen Kreditvergabemodellen

Kolumne

Wegen der Gefahr einer Kreditklemme wird der Realkredit von Unternehmen an Unternehmen zunehmend eine Alternative zum realen Kredit der Banken. Dies birgt jedoch große Risiken.

Wenn Banken durch Pleiten und gesetzliche Restriktionen, wie den Basel-II und III-Bestimmungen, sich eine verhaltene Vergabe von Krediten, Darlehen, Kontokorrent und ähnlichem auferlegen, hat dies konsequenterweise unmittelbare Effekte auf die Realwirtschaft. Denn eine restriktive Vergabepraxis von Darlehen aus der Finanzwirtschaft muss notwendigerweise durch Kreditsubstitute aus der Realwirtschaft kompensiert werden.

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Der einfachste Weg, um im Kurzfristbereich Reduzierungen von Betriebsmittelkrediten aufzufangen oder zu egalisieren, ist dabei die Ausweitung der Kreditlinien bei Kreditoren durch erweiterte Zahlungskonditionen. Diese sollten kontraktgemäß zwar regelmäßig verhandelt werden, müssen aber oft auch stillschweigend vom Gläubiger akzeptiert werden.

Das entstehende Problem dabei ist, dass die Liquidität des Lieferanten stärker eingeschränkt wird und zusätzlich in hohem Maße sowohl das Risikovolumen als auch das Risikopotential ansteigen. Denn anders als es Usus der Banken ist, wird beim Warenkredit die Bonität des Abnehmers oft nur unzulänglich geprüft, geschweige denn, dass Forderungen durch Sicherheiten verbürgt und abgesichert werden.

Weniger Sicherheit, mehr Risiko

Während Banken quasi alle Linien ihres „realen Kredits“ – hierzu zählen neben langfristigen Darlehen auch kurzfristige Geldmittel – zunächst durch eine Analyse des Kreditnehmers belegen (wobei diese Bonitätsanalyse gesetzlich vorgeschrieben ist) und dieser anschließend durch weitergehende Sicherheiten untermauert wird, sind Lieferanten oft bereit, mit wenigen Standardinformationen erhebliche Risiken einzugehen, die keine werthaltigen Aussagen, wie sie beispielsweise Kennzahlen liefern, zulassen. Deren „Realkredit“, sprich: der dingliche Lieferantenkredit, gründet deshalb im Insolvenzfall zunächst allein auf den sogenannten „einfachen Eigentumsvorbehalt“, also den unverarbeiteten, direkt zuzuordnenden Waren des Gläubigers, dessen Eigentum bis zur vollständigen Zahlung vorbehalten wird.

Schon im Falle der Vermengung oder Weiterveräußerung, kann es zu kollidierenden Rechten mit Dritten kommen, die insbesondere bei einer masselosen Pleite häufig uneinbringlich sein wird. Ähnlich diffizil ist die Situation bei Verarbeitungsprozessen, bei denen bereits eine Wertschöpfung durch Produktion stattfand. Oft sind diese Risikotypen extern unversichert, weil es anders als in der Finanzbranche keinerlei Verpflichtungen zu einer vertraglichen Ausgestaltung gibt. Sie bleiben dementsprechend oft - als unternehmerische Entscheidung - blanko.

In diesen Fällen wird der Begriff „Kredit“ also auf seinen semantischen Ursprung zurückgeführt: Glauben (und Hoffen).

Um dem riskanten, bei Klumpenrisiken auch Existenz gefährdenden, B2B-Handel eine betriebswirtschaftlich gesicherte Basis zu geben, vertrauen insbesondere größere Mittelständler, aber auch Konzerne auf externe Dienstleister, die dann das wesentliche Obligo bei einem Ausfall übernehmen. Analog der Finanzbranche heißen diese Absicherungen „Kreditversicherungen“. Ferner besteht die Möglichkeit, dass der Lieferant den Forderungsbestand komplett oder selektiv refinanziert, um damit seinerseits die Liquidität vollumfänglich aufrecht zu erhalten.

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