US-Börse: Falsche Ehrfurcht

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MF Global: Mehr als 1000 Mitarbeiter wurden entlassen

von Angela Hennersdorf

Der Broker MF Global ist das erste US-Opfer der Euro-Krise. Auch deutsche Anleger sind betroffen.

Das nenne ich einen schlechten Witz: Gary Gensler, Chef der US-Terminmarktaufsichtsbehörde (CFTC), forderte gerade auf einem Treffen der Finanzbranche in New York, dass die Aufsichtsbehörden besser kontrollieren sollten, wie Broker mit Kundengeldern umgehen. Das war, nachdem der Broker MF Global pleitegegangen war. Derselbe Gensler hatte noch im Juli neue Vorschriften zu genau diesem Thema hinausgezögert. Er habe der Branche mehr Zeit zur Bewertung der neuen Regeln geben wollen, rechtfertigt er sich.

Der Wertpapierhändler MF Global soll bis zu 600 Millionen Dollar an Investorengeldern abgezweigt haben, um den eigenen Handel zu stützen, als die Firma schon am Abgrund stand. Die Not war offenbar groß. Mit milliardenschweren Wetten, genau 6,3 Milliarden Dollar, auf die Erholung europäischer Anleihen hatte sich das US-Finanzhaus verspekuliert. Anfang November meldete es Insolvenz an. Auf fast 40 Milliarden Dollar summieren sich die Schulden. Kunden kommen nicht an ihr Geld, Investoren droht ein massiver Verlust, mehr als 1000 Mitarbeiter von MF Global sind schon entlassen worden.

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Weder die CFTC noch die US-Börsenaufsicht SEC haben gemerkt, dass bei MF Global etwas schieflief. Erst im Februar war MF Global zum "Primary Dealer" gekürt worden, der auch direkt mit der US-Notenbank Fed Geschäfte abwickeln darf. Nun haben die Behörden Ermittlungen gegen den Wertpapierhändler aufgenommen.

MF-Global-Pleite wertet Superfund-Produkte ab

Versagt haben nicht nur die Aufsichtsbehörden, sondern auch die MF-Global-Vorstände, allesamt erfahrene Finanzexperten, einer sogar langjähriger Experte für Risikomanagement. Vor allem aus Ehrfurcht vor Jon Corzine, dem mittlerweile zurückgetretenen Chef, hat der Vorstand bis zum Schluss mitgezockt. Corzine gilt als Wall-Street-Legende: Er war Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Gouverneur von New Jersey und wurde als Nachfolger von US-Finanzminister Tim Geithner gehandelt.

MF Global ist das erste Opfer der Euro-Schuldenkrise in den USA. Gemessen an den Vermögenswerten in der Bilanz, legte der Broker die achtgrößte Pleite in der US-Unternehmensgeschichte hin. Dass sie die Einzigen sind, die sich verspekuliert haben, ist unwahrscheinlich. Kurz nach MF Global hieß es, die Investmentbank Jefferies habe sich mit Bonds europäischer Krisenländer verzockt. Nach heftigen Kursverlusten wurden deren Aktien zeitweise vom Handel ausgesetzt. Jefferies legte Positionen offen, danach ergeben sich keine Probleme mit Euro-Bonds.

Angekommen ist die MF-Global-Pleite auch bei deutschen Anlegern – ausgerechnet über den in Deutschland massiv verkauften österreichischen Hedgefonds Superfund. Das MF-Insolvenzverfahren könnte für einzelne Superfund-Produkte einen Abwertungsbedarf von fünf bis zehn Prozent bedeuten, sagt Superfund-Gründer Christian Baha. Ex-MF-Chef Corzine übt sich derweil in Demut. Er sei traurig, sagt er – und verzichtet auf eine Abfindung in Höhe von zwölf Millionen Dollar.

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