US-Börse: Was die Wiederwahl Obamas für die Börse bedeutet

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US-Börse: Was die Wiederwahl Obamas für die Börse bedeutet

von Stefan Hajek

Mitt Romney wäre den Börsianern lieber gewesen. Aber bei Staatsschulden und der Gewinnbesteuerung von Unternehmen muss der US-Präsident pragmatisch vorgehen. Was die Märkte von Obama erwarten dürfen - und was nicht.

Wahlverlierer Mitt Romney gratulierte Obama zwar umgehend zu dessen Wahlsieg, forderte seine Parteigenossen auf, nun den Wahlsieger Obama zu unterstützen und kündigte "Zusammenarbeit über die Parteigrenzen hinweg" an.

Doch dies tat er im Wissen, dass es vorerst (mindestens bis 2014) bei der soliden Mehrheit seiner Republikaner im Kongress bleiben wird und er wichtige Vorhaben des Präsidenten dort weiterhin blockieren kann.

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Bislang ist nicht klar, weshalb die Republikaner ihre in der ersten Amtszeit Obamas dort oft gezeigte Blockadehaltung nun weniger oft oder vehement demonstrieren sollten. Ohnehin ist unklar, wie weit die innerparteiliche Macht des Wahlverlierers in den kommenden Jahren noch reichen wird und ob Romneys Einfluss auf seine Partei groß genug sein wird, solch eine überparteiliche Arbeit anzustoßen, selbst wenn er seine Ankündigung ernstgemeint haben sollte.

US-Präsidentschaftswahl 2012

So wird eine überparteiliche Einigung zu wichtigen Themen weiterhin schwierig zu erreichen sein. Zuallererst merken werden die Märkte dies bei der so genannten Fiskalklippe (dem Auslaufen zahlreicher Steuervergünstigungen), bei der schon bald erneut nötigen Anhebung der gesetzlichen Schulden-Obergrenze und bei der langfristigen Steuerung der US-Staatsschulden.

Die größten Pleitekandidaten der USA

  • Kalifornien

    Kaliforniens Haushaltsloch brachte schon Ex-Gouverneur Arnold Schwarzenegger zur Verzweiflung. Weder die Schließung von Gefängnissen noch die Sperrung von Nationalparks konnten die Finanzkrise des Landes lösen. In diesem Jahr wird im bevölkerungsreichsten US-Staat wohl eine Lücke im Haushalt von 25,4 Milliarden Dollar klaffen. Zur Einordnung: Das ist fast ein Drittel (29,3 Prozent) des Gesamtetats von 2011. Nun wird überall gespart – außer bei der Filmförderung für Hollywood.

  • Illinois

    Der fünftgrößte US-Staat war jahrelang die Heimat von US-Präsident Barack Obama. Er arbeitete in Chicago und ist noch heute in der „windy city“ äußert beliebt. Die Finanzlage des Landes ist besorgniserregend. Für 2012 erwartet Illinois ein Haushaltsloch von 15 Milliarden Dollar (44,9 Prozent des aktuellen Budgets). Die Bonität des Staates gilt schon jetzt als gering. Investoren leihen Illinois nur für hohe Zinsen ihr Geld. Die Schuldenspirale dreht sich damit immer weiter.

  • Minnesota

    Der Bundesstaat an der Grenze zu Kanada hat nicht nur viele Gewässer ("Land der tausend Seen"), sondern auch viele Schulden. Für das Gesamtjahr 2012 gehen die Behörden von einem Haushaltsloch von knapp vier Milliarden US-Dollar aus. Schon im Juli 2011 war Minnesota zeitweise zahlungsunfähig. Zoos und Nationalparks wurden geschlossen, Bauarbeiten an Straßen wurden eingestellt und 22.000 staatliche Bedienstete in den unbezahlten Urlaub geschickt.

  • Connecticut

    Der kleine Ostküstenstaat zwischen New York und Rhode Island steckt ebenfalls in der schwersten Finanzkrise seiner Geschichte. Im Haushalt 2012 fehlen 3,7 Milliarden Dollar (20,8 Prozent des 2011er-Etats). Selbst die private Elite-Uni Yale in Connecticut bleibt von der Krise nicht verschont. In ihrem Uni-Budget für 2011/12 fehlen 68 Millionen Dollar.

  • Louisiana

    Der Südstaat musste in den vergangenen Jahren viele Tiefschläge verkrafte. Erst wütete Hurrikan „Katrina“ über das Land, dann folgte eine schmerzhafte Rezession und 2010 schließlich noch die Ölkatastrophe. Der Haushalt ist vollkommen überlastet. Es klafft 2012 ein Loch von 1,7 Milliarden US-Dollar (22 Prozent des 2011er-Etats).

  • Nevada

    Der Wüstenstaat ist durch eine Stadt weltbekannt: Las Vegas. Die Spielermetropole zieht jährlich Touristen aus allen Teilen der Erde an. Der Haushalt des Bundesstaates kann davon aber nicht profitieren. 2012 wird der Haushalt eine Lücke von 1,5 Milliarden Dollar aufweisen. Allerdings: Die Summe entspricht fast der Hälfte des derzeitigen Etats Nevadas.

  • Oregon

    Der nördliche Nachbar von Kalifornien wird 2012 wohl ein Haushaltsloch von 1,8 Milliarden US-Dollar verkraften müssen. Diese Summe beträgt ein Viertel des Gesamthaushaltes von 2011. Es wird drastisch gespart: Sowohl bei Kranken und Rentnern als auch bei Schülern und Studenten.

Das kleinere Übel

Immerhin: Der Worst Case aus Sicht der Börse - eine Patt-Situation mit unklarem Ausgang wie im Jahr 2000 - ist nicht eingetreten. So eröffneten die Märkte im Ausland zunächst leicht im Plus. Die Börsen in London und in Hongkong legten zu. Der Dax notierte nach knapp drei Stunden im Handel bei rund 7.426 Punkten und damit gut ein halbes Prozent im Plus. Der Nikkei-Index in Tokio schloss im Handelsverlauf fast unverändert.

Die Futures auf die US-Börsen hingegen gaben vor Handelseröffnung deutlich nach. Wie erwartet starteten dann um 15 Uhr europäischer Zeit die US-Börsen - sowohl S&P 500 als auch Dow Jones - deutlich schwächer; beide Indizes gaben rund 1,5 Prozent nach.

Obama bleibt US-Präsident Märkte erleichtert über schnelles Wahlergebnis

Die Unsicherheit über den Wahlausgang ist endlich vorbei, davon profitieren die Börsen. Trotzdem steht die nächste Bedrohung für die Märkte schon in Lauerstellung.

nikkei tokio börse Quelle: REUTERS

Kein, Wunder: Der erklärte Favorit der Börsen, Mitt Romney, hat sich nicht durchgesetzt. Doch ein am Ende überraschend klarer Sieger Obama ist den Märkten allemal lieber als eine wochenlange Hängepartie.

Zumal einige Probleme sofort angegangen werden müssen, und ein wiedergewählter Präsident ist immerhin handlungsfähig; die Administration muss nicht ausgewechselt werden; das hat viele Vorteile, auch und gerade für die Wirtschaftspolitik.

Weiterhin kein "Durchregieren"

Die Fiskalklippe muss bereits am 3. Januar 2013 umschifft werden. Obama wird also mit dem konservativ dominierten Kongress zusammenarbeiten müssen. Ob dieser sich nun pragmatischer dabei zeigt, als in der ersten Amtszeit Obamas, ist völlig offen. Eine Chance auf Zusammenarbeit wäre da, dies hängt jedoch nicht vom Präsidenten, sondern von den Republikanern ab.

Gelingt eine Einigung nicht, hätte dies verheerende Folgen, fürchten zahlreiche Marktbeobachter. Zahlreiche Steuervergünstigungen laufen am 1.Janur 2013 aus; ihre Wirkung wird von Volkswirten auf bis zu drei Prozent der US-Wirtschaftsleistung geschätzt. Sie müssen also zumindest teilweise verlängert werden, so die Hoffnung der Wall Street, auch wenn dies langfristig eine weitere Schwächung des Steueraufkommens und der Staatsfinanzen bedeutet.

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