US-Börsen-Rally : Warum die Trump-Bullen falsch liegen

US-Börsen-Rally : Warum die Trump-Bullen falsch liegen

, aktualisiert 16. Januar 2017, 18:58 Uhr
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Anlageexperten warnen vor einer Trump-Blase auf dem US-Aktienmarkt. Bullischen Anlegern könnte sie die Laune vermiesen.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Trump-Euphorie an den Börsen ebbt kurz vor seiner Vereidigung als US-Präsident merklich ab. Trump-Bullen könnten noch ihr blaues Wunder erleben, warnen Experten. Europäische Papiere würden unterdessen attraktiver.

FrankfurtDer 9. November 2016 wird den Anlegern als der Tag in Erinnerung bleiben, an dem die Trump-Rally begann. Gut möglich, dass der 20. Januar 2017 ihnen als der Tag in Erinnerung bleiben wird, an dem die durch den Überraschungssieg des US-Republikaners und Multimilliardärs Donald Trump ausgelöste Börsen-Euphorie endgültig verpufft. Es ist der Tag, an dem Trump offiziell als US-Präsident vereidigt wird.

In den vergangenen Wochen sorgte Trump immer wieder durch Twitter-Attacken gegen Unternehmen für Furore. Zuletzt drohte er den deutschen Autobauern mit Strafzöllen. Der künftige Präsident der vereinigten Staaten wird immer mehr zum Unsicherheitsfaktor. Das kommt nun auch bei den Investoren an. Amundi, Europas größter Vermögensverwalter, hält es gar für möglich, dass all jene Anleger, die in Erwartung von Konjunkturimpulsen der Trump-Regierung massiv in US-Aktien umgeschichtet haben, ihr blaues Wunder erleben werden.

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Zwar könnten zusätzliche Staatsausgaben und Steuererleichterungen des neuen US-Präsidenten den laufenden Wirtschaftsaufschwung in den USA verlängern, sagt Didier Borowski, Chefvolkswirt bei Amundi. Doch dürften die republikanischen Abgeordneten darauf bestehen, dass diese Maßnahmen das Defizit nicht erhöhen. Heißt: Selbst wenn Donald Trump seine Wahlversprechen hält und die Konjunktur ankurbelt, würde seine Politik nicht vor dem nächsten Jahr Wirkung zeigen.

„Nach der Wahl von Trump haben die Märkte so reagiert, als gebe es lediglich Aufwärtsrisiken“, erklärt Borowski und warnt: „Die US-Aktienmärkte könnten noch weiter in den Bereich einer Blase hineinlaufen, und die Risiken zunehmend asymmetrisch werden. Das wäre dann eine Gelegenheit, Mittel in die Anleihemärkte umzuschichten.“

Trumps überraschender Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl im November hat Anleger dazu veranlasst, ihre Mittel aus Anleihen abzuziehen und dafür in Aktien zu investieren. Damit ist eine gewaltige Umschichtung in Gang gekommen, von der Investoren sagen, dass sie die Rally an den Bondmärkten beenden könnte. Der Wert aller Aktien weltweit stieg von 65 Billionen Dollar am Tag vor der Wahl bis auf zuletzt 68 Billionen Dollar. Anleihen haben in diesem Zeitraum zwei Billionen Dollar an Wert verloren.

Investoren sind allerdings uneins, ob sich dieser Trend fortsetzen wird, der als „große Rotation“ von Anleihen in Aktien beschrieben wird. Der globale Chefstratege von Charles Schwab Corp., Jeffrey Kleintop, etwa erwartet, dass er noch Jahre halten wird. Amundi, mehrheitlich im Besitz von Credit Agricole SA, hält es für ein wahrscheinlicheres Szenario, dass Bonds eine Erholung erleben werden, weil das Wachstum in den USA doch nur langsam ausfallen wird.

„Die globalen Unwägbarkeiten sind auf einem nie dagewesenen Niveau - mit Brexit, Trump und den Wahlen in Europa“, sagt Borowski. Das größte Risiko für die Weltwirtschaft besteht aus seiner Sicht aber in einem Handelskrieg zwischen den USA und China. „Der Anleihemarkt ist noch nicht tot. Es gibt viele unvorhersehbare Risiken, weshalb wir ernsthaft bezweifeln, dass die Bond-Renditen so stark steigen werden. Anleger werden in US-Treasuries investiert bleiben als sicheren Hafen.“

Borowski zufolge wäre auch möglich, dass Anleger nach Europa zurückkehren - und zwar dann, wenn mit den Wahlen die politischen Unsicherheiten in der Region gebannt sind.

„Einige Investoren sind Europa nach dem Brexit-Votum ferngeblieben“, sagt Borowski. „Doch irgendwann in den nächsten Monaten werden wir wieder beruhigt sein, was die politischen Risiken in Europa und speziell in Frankreich angeht. Wir erwarten nicht, dass Front-National-Chefin Marine Le Pen als Sieger aus der Präsidentschaftswahl hervorgeht.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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