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US-Großinvestor: Soros legt Deutschland Austritt aus Euro-Zone nahe

Quelle: Handelsblatt Online

Wenn Deutschland nicht bereit ist, seine Stellung in der Eurozone zu nutzen, um den Wachstum voranzutreiben, soll das Land die Einheitswährung verlassen, schreibt der legendäre Investor George Soros in einem Essay.

„Wenn Leute wie ich ein Währungsregime stürzen können, stimmt das System nicht.“

Bild: Reuters

DüsseldorfDer US-Großinvestor George Soros hat Deutschland aufgefordert, den Euro-Raum zu verlassen oder seiner Führungsrolle gerecht zu werden und schwächeren Ländern aus dem Teufelskreis von dramatischer Verschuldung und Rezession zu helfen.

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In der Ausgabe der „New York Review of Books“ vom 10. September schreibt er: Als die Europäische Union geschaffen wurde, war sie der „Inbegriff einer offenen Gesellschaft – eines freiwilligen Zusammenschlusses gleichrangiger Staaten, die einen Teil ihrer Souveränität für das Gemeinwohl aufgaben.

Durch die Eurokrise entwickelt sich die Europäische Union jedoch in eine grundlegend andere Richtung. Die Mitgliedsländer werden in zwei Klassen aufgeteilt – in Gläubiger und Schuldner – wobei die Gläubiger, allen voran Deutschland, die Richtung vorgeben.“

Das Anleihenprogramm der EZB könne vielleicht den Euro retten, allerdings „könnte aber nicht einmal eine unbegrenzte Intervention ausreichen, um zu verhindern, dass die Spaltung der Euro-Zone in Gläubiger- und Schuldnerstaaten dauerhaft wird. [...] und die Gläubiger werden die Richtung vorgeben. Als stärkstes Gläubigerland wird Deutschland als Hegemon hervorgehen.

Anteil Deutschlands an der Euro-Rettung

Die Klasseneinteilung wird dauerhaften Charakter annehmen, weil die Schuldnerländer beträchtliche Risikoaufschläge zahlen werden müssen, um an Kapital zu kommen und es wird für sie unmöglich werden, zu den Gläubigerländern aufzuschließen. Statt zu einer Verringerung der Unterschiede hinsichtlich der wirtschaftlichen Leistung wird es zu einer Ausweitung kommen,“ schreibt Soros laut Pressemitteilung. Darin werden auch Zentrale Passagen aus dem Artikel genannt:

  1. „Für die deutsche Öffentlichkeit ist es überaus schwer zu verstehen, dass Deutschland Europa die falsche Politik aufzwingt. [...] Das ist nicht das Resultat eines heimtückischen Plans, sondern eine unbeabsichtigte Folge einer Entwicklung, in der ein Plan fehlte. Doch die deutschen Politiker sahen die Vorteile dieser Entwicklung für Deutschland, was wiederum ihre politischen Entscheidungen zu beeinflussen begann. [...] Je mehr Zeit vergeht, desto größer wird die Zahl der Gründe, Deutschland für die Politik verantwortlich zu machen, die es Europa auferlegt, obwohl sich die deutsche Öffentlichkeit zu Unrecht beschuldigt fühlt.  Das ist eine Tragödie wahrhaft  historischen Ausmaßes.“
  2. „Wenn die Euro-Mitglieder nicht miteinander leben können, ohne ihre Union in eine dauerhafte Depression zu treiben, wäre eine Trennung in beiderseitigem Einverständnis die bessere Lösung.“
  3. „Ein Austritt Deutschlands wäre ein turbulentes, aber durchaus zu bewältigendes Ereignis, im Gegensatz zu dem chaotischen und langwierigen Dominoeffekt, im Zuge dessen ein Schuldnerland nach dem anderen durch Spekulation und Kapitalflucht aus dem Euro gezwungen würde. [...] Nach anfänglichen Turbulenzen würde sich die Eurozone aus der Depression in die Wachstumszone bewegen.“
  4. „Ungeachtet, ob sich Deutschland für die Führung oder den Austritt entschließt, wären beide Alternativen besser, als den aktuellen Kurs weiter zu verfolgen.  [...] Das Ziel wäre nicht, Deutschland auszuschließen, sondern seine politische Haltung radikal zu ändern.

Soros gehört in der zwei Billionen Dollar schweren Hedgefonds-Branche zu den Starinvestoren. Er verwaltet Vermögenswerte von etwa 25 Milliarden Dollar. Die Investments des 82-Jährigen werden genau beobachtet. Bekannt wurde er, indem er 1992 im großen Stil gegen das britische Pfund wettete.

Der vollständige Essay erscheint auf der Website NY Review of Books und bei Spiegel Online.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.09.2012, 13:45 UhrSteigenberger

    Die neuste Meldung : EU-Grössen in Brüssel wie Währungskommissar O.Rehn
    setzen sich für den erleichterten Zugang von Spanien u. Italien zu den
    EZB-Milliarden ein (Quelle presse.at).
    Da zeigt sich doch, dass die Geberländer-voran Deutschland!- in eine
    Transferunion getrieben werden sollen, die sie finanziell aussaugt u.
    zeitverzögert mit Geldentwertung bestraft!
    Schon der jetzt von der EZB beschlossene unbegrenzte Ankauf von PIGS-
    Anleihen fesselt die Zentralbank in ihrer Reaktionsfähigkeit im Falle
    des Aufkommens einer höheren Inflation, denn für 3 Jahre hat sie sich
    festgelegt u. kann nicht mit starkem Anstieg der Zinsen dann gegensteu-
    ern !
    Soros hat in einem Recht: die perverse Situation, dass Deutschland
    Schulden zu quasi Nulltarif aufnehmen kann - was auch ungesund u. ver-
    zerrend ist- schürt die Wut bei den unfähigen Südeuropäern, die merken,
    dass sie auch privatwirtschaftlich kaum noch Kredit bekommen u. wenn
    zu überhöhten Risikozinsen !, dies hat Sprengstoffwirkung, wenn nicht
    bald eine lösung gefunden wird!
    Nur wenn Deutschland sich nicht isolieren will muss die Politik eine
    Allianz der Nord/-Nordosteuropäer schnüren mit den Niederlanden,Österreich,Finnland, Polen,Estland,Slowakei als Bundesgenossen, quasi die "Nordeurounion" u. es müssen weiter-reduzierte
    Hilfszahlungen an die Pigsländer gewährt werden um den gesamteuropäischen Rahmen zu erhalten.
    Ich möchte gerne sehen wie Hollande in Pleitefrankreich als "Kaiser ohne
    Land" eine Währungsunion von Südeuropa führen wird á la Soros!
    PS: die Wetten von Soros für oder gegen den Euro u. die Grössenordnung
    sollten offengelegt werden !!"

  • 10.09.2012, 00:28 UhrJoker1

    Es gibt nur eine Lösung.
    Raus aus dem Euro und zurück zu den nationalen Währungen.
    Reduziert die Wasserköpfe in Brüssel und Berlin.
    Es muss ein fundamentaler Neuanfang gemacht werden.
    Lasst die Eurozone scheitern und rettet damit Europa.

  • 09.09.2012, 23:25 UhrJens

    Na prima, der Spekulant gibt uns Ratschläge. Wird doch wohl nicht aus Eigennutz sein oder hat die Heuschrecke Mitleid mit ihrer Nahrungsquelle?

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