US-Hedgefonds: Spekulanten warten auf Trumps Schützenhilfe

US-Hedgefonds: Spekulanten warten auf Trumps Schützenhilfe

, aktualisiert 21. November 2016, 13:33 Uhr
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Der Gründer des Hedgefonds Sky Bridge, war nach den Worten des Branchenexperten Sam Dale eine zentrale Figur bei der Spendenbeschaffung für Trump.

von Peter Köhler und Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Wenig regulierte Fonds hoffen auf die neue US-Regierung – und ihren Kollegen Anthony Scaramucci. Der beschaffte Spenden für den neuen US-Präsidenten Trump. Nicht der einzige Hedgefondsmanager unter dessen Einflüsterern.

FrankfurtHedgefonds-Manager reiben sich die Hände. Schon während des Wahlkampfs waren sie nah an den Präsidentschaftskandidaten Donald Trump gerückt und setzten auf den Sieg des Republikaners. Ihre Hoffnung waren weniger strenge Auflagen und niedrigere Steuerbelastungen. Aus ihrer Hoffnung kann schon im nächsten Jahr Realität werden.

Anthony Scaramucci, der Gründer des Hedgefonds Sky Bridge, war nach den Worten des Branchenexperten Sam Dale eine zentrale Figur bei der Spendenbeschaffung für Trump. Jetzt hofft er, dass mit dem neuen Präsidenten die angeblichen Hasstiraden gegen die Wall Street ein Ende haben. „Dieser Unsinn hört auf“, sagt Scaramucci, der außerdem eine zehnprozentige Reduzierung der aufsichtsrechtlichen Vorschriften bei allen Bundesbehörden fordert.

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Aber nicht nur Scaramucci gehört als Mitglied des Übergangsteams zu den Einflüsterern des New Yorker „President elect“ – auch der Hedgefonds-Manager und Ex-Partner bei Goldman Sachs, Steven Mnuchin, gilt als Günstling von Trump und wird als Finanzminister gehandelt. Die Liste der Hedgefonds-Größen im Dunstkreis des 70-jährigen Republikaners lässt sich mit klanghaften Namen wie John Paulson, Carl Icahn und Robert Mercer beliebig fortsetzen.

Die politische Schützenhilfe kommt den Hedgefonds zupass. Ihre Leistung ließ in den vergangenen Jahren immer mehr zu wünschen übrig. Letzte Schlappe: Selbst aus dem Wahltriumph des Immobilien-Moguls haben sie kein größeres Kapital schlagen können.

Nach einer exklusiven Datenanalyse von Hedge-Fund-Research für das Handelsblatt hat die weltweite Hedgefonds-Branche in den drei Handelstagen nach dem Wahlsieg nur ein Plus von 0,61 Prozent erzielt. Dagegen kletterte der Dow Jones, der Aktienindex für die US-Standardwerte, allein am ersten Tag nach der Niederlage der Demokraten schon satte 1,4 Prozent. An den Folgetagen kamen nochmals 1,2 Prozent beziehungsweise 0,2 Prozent hinzu. Da sich die Hedgefonds-Manager auf die Fahnen geschrieben haben, besser abzuschneiden als die öffentlichen Börsen, ist dieses Resultat bescheiden.

Vor allem diejenigen Manager, die mit Käufen auf festverzinsliche Anlagen spekuliert haben, standen auf der Verliererseite, erläutert Philippe Ferreira, Hedgefonds-Experte beim Vermögensverwalter Lyxor Asset Management. Wer auf Kursgewinne bei Aktien setzte, lag dagegen goldrichtig. Aber: Zuletzt hatten viele der Geldsammler besonders auf fallende Kurse bei Bankaktien gesetzt und deshalb schon vorher Aktien verkauft, um sich später günstiger eindecken zu können. Doch statt dicker Gewinne hagelte es für die Spekulanten Kursverluste, da Finanzwerte eine Rally hinlegten.


Trump, der Erlöser

Hedgefonds gehören zu den dominierenden Spielern an den internationalen Finanzmärkten. Wegen der Niedrigzinspolitik der Notenbanken haben ihnen Versicherer, Pensionskassen und Versorgungswerke insgesamt knapp drei Billionen Dollar anvertraut. Ihr Wohl und Wehe bestimmt das Schicksal der Finanzmärkte. Schon vor dem Trump-Sieg kämpfte die Branche mit Problemen und hatte mit einer eher bescheidenen Leistung ihrer Produkte zu kämpfen.

Der gewichtete Index für alle Fonds verbuchte im Jahresverlauf bis Ende Oktober ein Plus von 3,6 Prozent – deutlich weniger, als man mit US-Aktien allein erzielen konnte. Das führte dazu, dass Großinvestoren ihre Engagements bei Hedgefonds verringerten oder sogar komplett strichen. Nicht nur die Leistung wurde bemängelt. Man wollte auch raus aus Anlagen, die in den Augen der Öffentlichkeit riskant sind und von Kerlen mit Penthäusern und Jachten gemanagt würden, sagte David Peden, Anlagemanager für ein Portfolio von 16 Milliarden Dollar beim US-Bundesstaat Kentucky, der Nachrichtenagentur Bloomberg. So wie Peden denken immer mehr Anleger. Im dritten Quartal zogen sie netto 28 Milliarden Dollar ab – so viel sind seit Anfang 2009 nicht mehr abgeflossen.

Da überrascht es nicht, dass Trump jetzt fast als ein Erlöser gesehen wird. Er soll die Fesseln der Regulierung lockern, damit wieder größere Räder an den Kapitalmärkten gedreht werden können. Kurzfristig werden die Hedgefonds versuchen, auf den Zug aufzuspringen und diejenigen Anlageklassen zu kaufen, die von Trump profitieren. Dieser sogenannte „Momentum Trade“ sei aktuell die wichtigste Strategie, sagt Ralf Koppay von Hudson-Rhine Consulting. Insgesamt sei die neue Weichenstellung in Washington positiv für Hedgefonds, meint Fred Ingham, Hedgefonds-Stratege bei der Investmentgesellschaft Neuberger Berman. Als Gründe nennt er höhere Handelsspannen bei Währungen und Zinspapieren sowie einen kleineren Einfluss der Geldpolitik auf die Märkte.

Außerdem böten sich Wetten an, wer von der Modernisierung der Infrastruktur und staatlichen Ausgabenprogrammen in den USA profitieren werde. Hedgefonds-Manager Scaramucci jedenfalls sieht seinen persönlichen Kurs schon einmal kräftig steigen. Falls Donald Trump ihn fragen sollte, ob er am Kabinettstisch Platz nehmen will, werde er „wohl kaum ‚Nein‘ sagen können“.

Quelle:  Handelsblatt Online
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