US-Notenbank: Fed erhöht den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

US-Notenbank: Fed erhöht den Leitzins um 0,25 Prozentpunkte

, aktualisiert 16. Dezember 2015, 21:26 Uhr
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Janet Yellen und die FED haben sich für eine Erhöhung des Leitzines entschieden.

Nach Jahren der Null-Zins-Politik hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte. Der Nachrichtenüberblick zur Zinswende mit den ersten Marktreaktionen.

Die US-Notenbank Fed hat erstmals seit fast zehn Jahren den Leitzins erhöht. Am Mittwoch setzten ihn die Währungshüter auf 0,25 bis 0,5 Prozent. Seit dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise Ende 2008 war der Schlüsselsatz zwischen null und 0,25 Prozent einzementiert. Nun endet die Zeit, in der die Geschäftsbanken praktisch zum Nulltarif mit Liquidität versorgt wurden.

Kredite dürften sich damit tendenziell verteuern. Das ist Ausdruck der Stärke der US-Wirtschaft mit hohen Wachstumsraten und einer niedrigen Arbeitslosenquote. Fed-Chefin Janet Yellen hatte die Finanzmärkte auf den Schritt vorbereitet. Die Notenbank signalisiert ihnen nun, dass sie die Geldpolitik schrittweise - sprich behutsam - weiter straffen will.

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Stimmen zur Zinswende der Fed

  • David Folkerts-Landau, Chefvolkswirt Deutsche Bank

    "Die heutige Entscheidung der Fed, die Zinsen zum ersten Mal seit fast zehn Jahren zu erhöhen, ist ein historischer Moment. Die Zinsanhebung markiert das offizielle Ende der globalen Finanzkrise für die USA und bildet den Auftakt zu einer Normalisierung der amerikanischen Geldpolitik. Dieser Schritt wurde allgemein erwartet. Vor dem Hintergrund, dass auf dem US-Arbeitsmarkt nahezu Vollbeschäftigung herrscht und im kommenden Jahr ein Anstieg der Inflation erwartet wird, war eine Anhebung der Zinsen längst überfällig. Diejenigen, die die Zinsanpassung kritisch sehen, lassen außer Acht, dass die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen durchaus Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent und eine Fed-Bilanz ohne Überschussreserven rechtfertigen - eine Zinspolitik, die weit entfernt vom Krisenmodus ist, der selbst heute noch dominiert."

  • Martin Wansleben, DIHK-Hauptgeschäftsführer

    "Diese Entscheidung der Fed war fällig. Angesichts der guten wirtschaftlichen Situation können die USA einen langsamen Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes gut verkraften. Die Auswirkungen auf die Schwellenmärkte dürften begrenzt bleiben, solange die Notenbank nur moderat an der Zinsschraube dreht. Insgesamt wird die Erhöhung zwar nicht ganz ohne kurzfristige Folgen bleiben. Allerdings sind diese leichter verkraftbar als die Risiken neuer Finanzmarktblasen.
    Die Entscheidung der Amerikaner dürfte es zudem der EZB erleichtern, ihren übertriebenen Aktionismus der letzten Monate zu überdenken. Denn Geld zum Nulltarif allein lässt die Unternehmen hierzulande nicht investieren, dazu brauchen sie vielmehr bessere wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen."

  • Stefan Kooths, Institut für Weltwirtschaft

    "Klar ist, dass sich im Zuge der Normalisierung des Zinsniveaus die Preisblasen an Anleihe-, Aktien- und Immobilienmärkten zurückbilden werden. Bei diesem Prozess lauern erhebliche Gefahren eines sprunghaften Verlaufs, nicht zuletzt auch für die Devisenmärkte und die in US-Dollar verschuldeten Schwellenländer. Es nützt aber nichts, aus Furcht davor den Ausstieg aus der ultra-expansiven Zentralbankgeldversorgung immer weiter hinauszuzögern. Je länger die künstlich niedrigen Zinsen bestehen bleiben, umso mehr Verzerrungen entstehen und desto schmerzhafter würde eine noch spätere Korrektur. Von einer Normalisierung ist die US-Geldpolitik immer noch meilenweit entfernt. Entscheidend wird jetzt sein, wann die Marktteilnehmer den nächsten Schritt erwarten."

  • Jörg Zeuner, KfW-Chefvolkswirt

    "Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht und die Kerninflation ist jetzt schon hoch genug, um mit dem Zinserhöhungszyklus zu starten. Mit dem Zinsschritt beginnt die Fed, Handlungsspielraum für neue Herausforderungen zurückzugewinnen. Denn ein langfristig starker Dollar und ein dauerhaft niedriger Ölpreis bringen durchaus Schwierigkeiten für die US-Wirtschaft."

  • Michael Menhart, Chefökonom Münchener Rück

    "Mit der Zinsentscheidung der Fed ist der lange erwartete Einstieg in eine restriktivere Geldpolitik da. Für nächstes Jahr ist mit weiteren Zinsschritten zu rechnen. Gleichwohl wird die US-Zentralbank unter den Notenbanken der großen Volkswirtschaften wohl erst mal alleine bleiben - die EZB hat ja jüngst sogar ihre expansive Politik noch zeitlich ausgeweitet. Angesichts der Risiken für die Finanzstabilität wäre eine Abkehr von der Politik des billigen Geldes wünschenswert."

  • Holger Sandte, Europa-Chefvolkswirt Nordea Bank

    "Ich finde die Zinserhöhung angemessen, im Grunde überfällig. Der Pfad der Zinserhöhungen im kommenden Jahr dürfte relativ flach bleiben. Gegenwind von den Finanzmärkten, etwa auch ein stärkerer Dollar, dürften das Tempo der Zinserhöhungen drosseln. Für die EZB heißt der Schritt der Fed erst einmal nicht viel."

  • Franck Dixmier, Anleihechef Allianz Global Investors

    "Die Zinserhöhung spiegelt ein begründetes Vertrauen der Mehrheit der US-Notenbanker in die Beschäftigungslage und die Aussichten auf eine mittelfristige Rückkehr der Inflation zur Zielmarke von zwei Prozent wider. Die Fed dürfte jedoch mit einem zweiten Zinsschritt warten, bis sich die Inflation erhöht hat."

  • Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank Group

    "Letztlich möchten die US-Währungshüter die Nullmarke bei den Zinsen hinter sich lassen, um beim nächsten Abschwung über die nötige Zinsmunition zu verfügen. Janet Yellen wird im kommenden Jahr sehr behutsam mit weiteren Zinserhöhungen vorgehen. In Anbetracht der fragilen Lage im verarbeitenden US-Gewerbe bleiben weitere Zinsschritte aber eine Gratwanderung."

  • Otmar Lang, Chefvolkswirt der Targobank

    "Man könnte sich jetzt darüber streiten, ob die sehr kleine Zinsveränderung tatsächlich die große Wende ist - oder nur ein kleines geldpolitisches Trostpflaster für die angespannte Weltwirtschaft. Wie geht es jetzt weiter? Drei Faktoren stehen im Fokus: die US-Inflation, die US-Konjunktur und die Weltwirtschaft."

  • Klaus Wiener, Chefvolkswirt des GDV

    "Für die EZB hat der Zinsentscheid der Fed keine Signalwirkung - dazu sind auch die konjunkturellen Rahmenbedingungen zu unterschiedlich. Die Kapitalmarktzinsen im Euroraum werden wohl noch für sehr lange Zeit auf ihrem extrem niedrigen Niveau verharren."

  • Frank Hübner, stellv. Leiter Volkswirtschaft Sal. Oppenheim

    "Unstrittig ist (...), dass der Startschuss für die Leitzinserhöhungen das Ende eines historisch einmaligen geldpolitischen Experiments darstellt. Da es keine Blaupausen für die Rückabwicklung einer solch ultraexpansiven Kurssetzung gibt, ist diese per se mit Unsicherheit verbunden und dürfte für Schwankungen an Kapital- und Devisenmärkten sorgen. Anfällig sind dabei traditionell die Volkswirtschaften und Währungen der Schwellenländer."

  • Marcel Fratzscher, DIW-Chef

    "Die Entscheidung war längst überfällig. Allerdings hat die US-Notenbank signalisiert, dass sie nur sehr langsam die Zinsen in den kommenden Jahren erhöhen wird. Die Geschwindigkeit der erwarteten graduellen Zinserhöhung könnte sich als zu langsam erweisen und die Risiken für die Finanzstabilität in den USA erhöhen. Die Prognose für die US-Wirtschaft ist gut, die Geldpolitik der USA jedoch für die kommenden Jahre weiterhin sehr expansiv."

  • Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverband BDB

    "Die Zinserhöhung der US-Notenbank ist eine gute Nachricht: Sie zeigt, dass die Fed dem konjunkturellen Aufschwung in den USA vertraut und die Folgen der Finanzkrise zum größten Teil als überwunden ansieht. Die amerikanische Notenbank hat die Marktteilnehmer sorgfältig auf den Zinsschritt vorbereitet."

  • Stefan Kreuzkamp, Chefanleger DWS

    "Die Fed betritt mit ihren Zinsschritt ganz klar Neuland: Noch nie hat sich eine US-Notenbank auf den Weg in einen Zinserhöhungszyklus gemacht, wenn die Raten für das Wirtschaftswachstum so niedrig waren und die eigene Bilanz so aufgeblasen. Die Tatsache, dass die Rücklagen von Finanzinstituten bei der Zentralbank seit 2007 von 15 Milliarden auf 2,5 Billionen Dollar angestiegen sind, macht den Weg für die Fed nicht einfacher. Wir erwarten aber nicht, dass die Fed ihre Bilanz zurückfahren wird, bevor sie nicht noch einige Zinsschritte gegangen ist.

    Dass die Fed ihren Zinserhöhungszyklus startet, so kurz nachdem die EZB ihre Geldpolitik noch weiter gelockert hat, unterstreicht unseren positiven Ausblick für den US-Dollar, von dem wir glauben, dass er im kommenden Jahr die Parität zum Euro erreichen und auch unterschreiten wird."

  • Nick Peters, Fonds Manager Fidelity International

    "Die Entscheidung der Fed ist eindeutig ein Zeichen der Zuversicht in die US-Wirtschaft. In den kommenden Monaten wird die US-Notenbank genau beobachten, wie die Wirtschaft und die Märkte reagieren werden. Ein entscheidender Faktor wird die Reaktion des US-Dollar sein. Viele Beobachter erwarten, dass höhere Zinsen zu einem festeren Dollar führen. Diese Einschätzung teile ich nicht unbedingt: Sollten wir 2016 nur wenige, beispielsweise zwei Zinsschritte sehen, gehe ich von einem schwächeren US-Dollar aus."

  • Luke Bartholomew, Investmentmanager Aberdeen Asset

    "Die Fed hat endlich damit begonnen, die Zinsen anzuheben. Nachdem jetzt diese eine Unsicherheit aufgelöst wurde, werden sich die Fragen nun um die Geschwindigkeit der Erhöhungen im nächsten Jahr drehen. Die Fed hat für das kommende Jahr vier Erhöhungen in Aussicht gestellt, was bedeutend mehr ist als der Markt erwartet hat. In den vergangenen Jahren, waren es die Vorhersagen der Fed, die falsch waren, und der Markt hatte Recht behalten. Wir könnten letztlich am Wendepunkt stehen, an dem der Markt beginnt, die Vorhersagen der Fed ernster zu nehmen."

Der Offenmarktausschuss begründete sein Vorgehen damit, dass sich die Lage auf dem US-Arbeitsmarkt in diesem Jahr "erheblich" verbessert habe. Die Arbeitslosenquote liegt mit fünf Prozent auf dem niedrigsten Stand seit Februar 2008. Außerdem sei die Fed "zuversichtlich", dass die in diesem Jahr bei 0,4 Prozent liegende Inflation mittelfristig auf die Zielmarke von zwei Prozent steigen werde. Dies könnte 2018 der Fall sein.

Weitere Zinserhöhungen in den USA werden nach den Worten von Zentralbank-Chefin Janet Yellen vor allem von der wirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Die erste Anhebung seit fast zehn Jahren spiegele Fortschritte am Arbeitsmarkt wider, sagte Yellen am Mittwoch in Washington. Sie stehe auch für die Erwartung, dass es mit der US-Konjunktur weiter bergauf gehe.

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Federal Reserve Chair Janet Yellen answers a question during a news conference in Washington, Wednesday, Dec. 16, 2015, following an announcement that the Federal Reserve raised its key interest rate by quarter-point, heralding higher lending rates in an economy much sturdier than the one the Fed helped rescue in 2008. (AP Photo/Susan Walsh) Quelle: AP

Auf dem Arbeitsmarkt gebe es noch immer Verbesserungsmöglichkeiten, ergänzte Yellen. Die Normalisierung der Geldpolitik werde "graduell" erfolgen. Bei stärkeren Wachstumsraten oder einer höheren Inflation werde es deutlichere Schritte geben, im gegenteiligen Szenario langsamere Zinserhöhungen.

Marktreaktionen

Die Wall Street reagierte ohne große Kursschwankungen auf die Entscheidung der Fed: Der Dow-Jones-Index lag leicht im Plus, der S&P 500 legte um 0,7 Prozent zu. Die Renditen kurzlaufender US-Anleihen legten nach der Entscheidung leicht zu.

Dem US-Dollar hat die Zinswende nur kurzzeitig Schub verliehen. Der Euro rutschte zunächst um etwa einen halben US-Cent ab, kostete kurz darauf aber mit 1,0937 Dollar wieder etwa so viel wie vor Bekanntgabe der Entscheidung. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen wie Euro oder Yen widerspiegelt, konnte seine Gewinne ebenfalls nicht halten und rutschte ins Minus zurück.

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Der Chefvolkswirt der deutschen Förderbank KfW, Jörg Zeuner, hält die geldpolitische Zäsur in Washington für überfällig: "Wir sind auf dem Weg in die Normalität. Die US-Konjunktur läuft solide, der Arbeitsmarkt hat Vollbeschäftigung erreicht." Die Nullzins-Politik war eine Reaktion auf die Finanzkrise. Damit trug die Zentralbank dazu bei, dass sich die Wirtschaft erholt hat. Auch die Aktienmärkte profitierten davon.

In ihren aktuellen Prognosen veranschlagen die Währungshüter im Mittel einen Zinssatz von 1,375 Prozent für Ende 2016. Im September hatten sie denselben Wert angepeilt. Auch damals hatten viele Experten bereits mit einer Zinserhöhung gerechnet: Die Fed wagte den Schritt nach dem Börsenbeben in China jedoch nicht.

Einen Kommentar zur Entscheidung der US-Notenbank lesen Sie hier.

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