US-Ratingagentur: Moody's stuft Chinas Kreditwürdigkeit herab

US-Ratingagentur: Moody's stuft Chinas Kreditwürdigkeit herab

, aktualisiert 24. Mai 2017, 12:25 Uhr
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Ein Junge mit einer chinesischen Flagge läuft in Peking (China) eine Treppe am Tiananmen Platz runter.

Moody's erwartet, dass Chinas Finanzkraft in den kommenden Jahren nachlassen wird, während die Verschuldung zunimmt. Daher stuft die US-Ratingagentur das Land um einen Schritt herab. Der Ausblick sei aber stabil.

Die Ratingagentur Moody's hat die Kreditwürdigkeit der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft China erstmals seit fast 30 Jahren gesenkt. Wie die amerikanischen Bonitätsprüfer in der Nacht zum Mittwoch mitteilten, sinkt die Bewertung um eine Stufe auf A1. In der Skala von Moody's ist das die fünftbeste Note. Es ist die erste Abstufung seit 1989. Zugleich wurde der Ausblick von negativ auf stabil gesetzt, weshalb eine weitere Abstufung zunächst nicht zu erwarten ist. Die chinesische Führung wehrte sich gegen das aus ihrer Sicht unangebrachte Urteil.

Kritisch sehen die Analysten von Moody's vor allem die Schuldensituation Chinas. Sie erwarten, dass die landesweite Verschuldung in den kommenden Jahren weiter steigen wird. Die geplanten Wirtschaftsreformen dürften diesen Prozess zwar verlangsamen, nicht aber aufhalten. Weil die politische Führung hohen Wert auf ein starkes Wirtschaftswachstum lege, werde sie weiterhin konjunkturstützende Maßnahmen ergreifen. Dies bringe eine höhere Verschuldung mit sich.

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Das Finanzministerium in Peking warf Moody's eine verfehlte Methodik vor, bei der ein „pro-zyklischer Ansatz“ verfolgt werde. Zudem unterschätze die Ratingagentur die Fähigkeit Chinas, wirtschaftliche Strukturreformen durchzuführen. Derartige Reformen, die auch der Öffnung der chinesischen Wirtschaft zugute kommen können, erachten Ökonomen als mitentscheidend für das künftige Wachstumspotenzial.

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Quelle: dpa

Das Finanzministerium sieht zudem keine nennenswerte Änderung in seiner Risikoeinschätzung der Schuldenlage. Das sieht Moody's anders: Die Ratingagentur erwartet, dass die staatliche Schuldenquote, also die Staatsverschuldung im Verhältnis zum Wirtschaftswachstum, bis zum Ende des Jahrzehnts graduell ansteigen werde. Mit 45 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) werde die direkte Staatsverschuldung dann auf dem Niveau anderer Länder, die ähnlich wie China bewertet sind, liegen. Auch die indirekte Staatsverschuldung, etwa über die Lokalregierungen, sowie die Verschuldung der Haushalte und der staatseigenen Betriebe werde weiter steigen. Die Gesamtverschuldung Chinas beträgt schon jetzt rund 250 Prozent des BIP.

Positiv verweist die Ratingagentur dagegen zum einen auf die schiere Größe und das schnelle Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft. Zum anderen werden die hohen Ersparnisse der Haushalte und der immer noch riesige Devisenberg des Landes genannt. Dieser ist seit Mitte 2014 zwar um eine Billion US-Dollar geschrumpft, beträgt aber immer noch rund drei Billionen Dollar. Dies gebe der Notenbank reichlich Spielraum zur Stabilisierung der Landeswährung und zur Vermeidung von Kapitalflucht.

Die Reaktion an den Finanzmärkten auf die Ratingentscheidung hielt sich in Grenzen. Am chinesischen Aktienmarkt stabilisierten sich die Kurse nach einem Minus zu Handelsbeginn wieder. Chinas Landeswährung Yuan, die in Grenzen durch den Staat kontrolliert wird, fiel ebenfalls nur zeitweise zurück.

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Quelle: dpa

Chinas Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren an Schwung verloren, wenngleich sich zuletzt eine Stabilisierung abzeichnete und das Wachstum zum Jahresstart positiv überraschte. Von den zweistelligen Wachstumsraten, die jahrelang verzeichnet wurden, ist aber nichts mehr zu sehen. Chinas Wirtschaft soll nach Regierungswillen umgebaut und nachhaltiger aufgestellt werden, weg von einer starken Exportorientierung, hin zu mehr Binnennachfrage. Dieser Prozess ist jedoch in letzter Zeit ins Stocken geraten, weil die Regierung damit beschäftigt war, das rückläufige Wirtschaftswachstum zu stabilisieren.

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