Verbindlichkeiten: Italien stoppt Geldabfluss

Verbindlichkeiten: Italien stoppt Geldabfluss

, aktualisiert 07. August 2017, 13:47 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Italien konnte im vergangenen Monat seine Nettoverbindlichkeiten innerhalb der Euro-Zone verringern. Zum Stichtag betrugen sie nur noch 397,74 Milliarden Euro. Das ist ein gutes Zeichen.

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Ein hochrangiger EZB-Experte hatte unlängst die Vermutung geäußert, dass möglicherweise inzwischen wieder mehr Investorengelder zurück in riskantere Anleihen der südlichen Euro-Länder wie Italien fließen.

Frankfurt/MailandDie Geldabflüsse aus Italien sind im vergangenen Monat deutlich zurückgegangen. Die Nettoverbindlichkeiten des Landes im Zahlungssystem Target 2 der Notenbanken der Euro-Zone verringerten sich im Juli im Vergleich zum Vormonat um 16,12 Milliarden Euro auf 397,74 Milliarden Euro, wie die Bank von Italien am Montag mitteilte. Das ist der niedrigste Stand seit Februar. Der gesamte grenzüberschreitende Zahlungsverkehr der Banken wird im Euro-Raum über Target-2 abgewickelt. Die Target-Salden zeigen die Verbindlichkeiten und Forderungen an, die bei den Notenbanken durch die Transaktionen entstehen. Deutschland ist mit Abstand größter Gläubiger in dem Verrechnungssystem.

Ein hochrangiger EZB-Experte hatte unlängst die Vermutung geäußert, dass möglicherweise inzwischen wieder mehr Investorengelder zurück in riskantere Anleihen der südlichen Euro-Länder fließen. Durch das billionenschwere Anleihenkauf-Programm der EZB waren zuletzt die Target-2-Ungleichgewichte kräftig gestiegen. Dies liegt laut EZB daran, dass viele Banken außerhalb des Euro-Raums, die etwa italienische oder spanische Anleihen an die Währungshüter verkaufen, ein Konto bei der Bundesbank besitzen. Im Endeffekt führen die Aufkäufe so zu einer Zunahme des Target-Saldos für Deutschland.

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Steigende Ungleichgewichte können aber auch ein Anzeichen für Kapitalflucht sein wie auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise 2012. Damals waren beispielsweise die Target-Verbindlichkeiten Italiens und Spaniens deutlich gestiegen und im Gegenzug kletterten die Forderungen der Bundesbank. Zuletzt waren die Target-2-Forderungen der Bundesbank etwas gesunken, wie Daten der Notenbank zeigen. Im Juli verringerten sie sich zum Vormonat um 4,25 Milliarden Euro auf 856,51 Milliarden Euro. Manche deutschen Volkswirte sehen in hohen Target-Forderungen eine Gefahr für Deutschland. Sollte es zu einem Auseinanderbrechen der Eurozone kommen, würden diese nicht beglichen, warnen sie.

Quelle:  Handelsblatt Online
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