Verdeckte Risiken: Wo die EZB als Bankenaufsicht wegsehen muss

Verdeckte Risiken: Wo die EZB als Bankenaufsicht wegsehen muss

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In Schieflage: das Bankenviertel in Madrid. Im Bild das schräge Gebäude der vom Staat geretteten Bankengruppe Bankia.

von Klaus Methfessel

Mit einer billionenschweren Liquiditätsspritze an die Banken wollte die Europäische Zentralbank die Realwirtschaft der Euro-Zone reanimieren. Stattdessen haben südeuropäische Geldhäuser den Geldsegen vor allem zum Kauf heimischer Staatsanleihen genutzt. Das wird nun zum Risiko für die Bankenunion.

Man muss sich Mario Draghi als optimistischen Menschen vorstellen. „Wir sehen Fortschritte“, erklärte der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) im März vor dem EU-Parlament in Brüssel und machte klar, was er bereits für einen Fortschritt hält: „Die Kreditflüsse sind noch immer gedämpft – aber sie gehen in einem langsameren Tempo zurück.“

Dass Draghi bereits Zuversicht verbreitet, wenn sich ein Rückschritt verlangsamt, zeigt den immensen Druck, unter dem die Frankfurter Währungshüter stehen. Die EZB hat in den vergangenen beiden Jahren mit einem Billionen-Euro-Programm für die Banken versucht, die Kreditvergabe an Unternehmen und Konsumenten zu beleben und die Konjunktur anzukurbeln. Es war ein historisch einmaliger finanzieller Kraftakt – und trotzdem sind die Erfolge ausgeblieben. In den rezessionsgeplagten Krisenländern schrumpft trotz dieser beispiellosen Geldspritze die Kreditvergabe an die Privatwirtschaft weiter. Damit nicht genug: Wie sich jetzt zeigt, haben die Banken Italiens, Portugals und Spaniens die billige EZB-Liquidität stattdessen in hohem Maß in heimische Staatsanleihen investiert und damit ihre Bilanzen aufgebläht. Das bringt die EZB nun als zukünftige Aufsichtsbehörde in der Europäischen Bankenunion in die Bredouille.

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Billiges Geld für südliche Banken

Neben Offenmarktgeschäften mit einwöchiger Laufzeit gewährt die EZB den Banken Liquidität in Form so genannter Long Term Refinancing Operations (LTRO), die normalerweise nur über drei Monate laufen. Als aber 2011 die Zinsspreads für Staatsanleihen von Portugal, Italien, Irland, Griechenland und Spanien in die Höhe schossen und die Euro-Zone in die Rezession taumelte, beschloss die EZB, den Banken im Rahmen von zwei LTRO-Geschäften Liquidität von über einer Billion Euro mit einer Frist von drei Jahren zuzuführen. Erklärtes Ziel der im EZB-Jargon „Dicke Bertha“ genannten Mammut-Tender: die Geldpolitik „effektiv in die Realwirtschaft zu übertragen“, damit die Banken „die Kreditvergabe an Haushalte und Unternehmen in der Euro-Zone aufrecht erhalten und ausweiten“.

Geldsegen für Südeuropas Banken (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Geldsegen für Südeuropas Banken (Für eine vollständige Ansicht bitte anklicken)

Für die Banken bedeutete das billiges Geld: Sie zahlen für die Tender einen Zinssatz, der sich nach dem Durchschnitt ihrer Laufzeit bemisst und der seit Ende 2011 von 1,0 auf heute 0,25 Prozent gefallen ist. Vor allem südeuropäische Geldhäuser griffen begeistert zu, während die deutschen und französischen Institute ihre Engagements begrenzt hielten oder wieder zurückfuhren (siehe Grafik). So haben die italienischen Banken ihre Mittelaufnahme bei der EZB von knapp 30 Milliarden Euro Anfang 2011 auf 217 Milliarden Euro Mitte Januar 2014 gesteigert. Zwischenzeitlich hingen sie sogar mit 272 Milliarden Euro am LTRO-Tropf der EZB.

Auch Spaniens unter der geplatzten Immobilienblase leidende Banken langten kräftig zu. Von knapp 40 Milliarden Euro Anfang 2011 kletterte das Volumen bis August 2012 auf 338 Milliarden Euro. Zwar reduzierten sie dann ihre LTRO-Bestände, Mitte Januar 2014 standen die spanischen Kreditinstitute aber immer noch mit 178 Milliarden Euro bei der EZB in der Kreide. Portugals Banken schließlich wiesen zuletzt längerfristige EZB-Finanzierungen in Höhe von 50 Milliarden Euro aus, die zu 90 Prozent aus den beiden Drei-Jahres-Tendern stammen.

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