Verkehrte (Finanz)welt: Warum Märkte gegen politische Unsicherheit resistent sind

kolumneVerkehrte (Finanz)welt: Warum Märkte gegen politische Unsicherheit resistent sind

Kolumne

Brexit, Frankreich-Wahl, Terrorismus - Unsicherheitsfaktoren gibt es genug. Trotzdem nehmen es die Märkte vermeintlich gelassen, die erwarteten Schwankungen scheinen auszubleiben. Warum ist das so?

Die politische Unsicherheit ist weltweit hoch. Der Brexit, Wahlen in Frankreich und US-Präsident Trump sind nur einige Beispiele. In den Medien und der Finanzszene wird derzeit über den Einfluss politischer Unsicherheit auf die Finanzmärkte diskutiert. Verbreitet hört man die Meinung, dass es einen Zusammenhang seit einiger Zeit nicht mehr gebe. Angesichts der Gemengelage klingt das zunächst paradox. Wie ist es möglich, dass die in der Regel sehr sensiblen Finanzmarktteilnehmer und Investoren die Politik aus ihren Erwartungen ausklammern?

Volatilität und politische Unsicherheit nicht im Gleichklang

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Als Referenz wird gerne der globale „Index der politischen Unsicherheit“, den US-amerikanische Wissenschaftler seit 20 Jahren berechnen, herangezogen. Vor kurzem befand er sich auf einem Höchststand.

Zum Autor

  • Harald Bareit

    Harald Bareit, CFA, ist Geschäftsführer der Asset Management Gesellschaft QC Partners GmbH und engagiertes Mitglied sowie ehemaliger Präsident der CFA Society Germany.

In der Diskussion wird dieser Unsicherheitsindex dann mit Volatilitätsindizes wie dem VIX, dem Volatilitätsindex der Terminbörse Chicago, oder dessen deutschem Pendant, dem VDax, verglichen. Volatilitätsindizes messen die erwartete Schwankungsbreite von Aktienkursen, zeigen also die „Nervosität“ der Investoren. Die Beobachtung: Während beide Indizes früher in etwa parallel verliefen – je höher die politische Unsicherheit, desto höher die in Volatilität gemessene Unsicherheit am Finanzmarkt – habe sich jüngst eine auseinanderlaufende Entwicklung gezeigt. Die derzeit gemessene hohe politische Unsicherheit spiegle sich also nicht in einer höheren Volatilität wieder. Wie kann das sein?

Kurze vs. lange Frist

Zunächst sollte man bei der Betrachtung der erwarteten Schwankungen am Aktienmarkt beachten, für welchen Zeitraum der jeweilige Index beziehungsweise Future berechnet wurde. Während Volatilitätsindizes immer nur die nächsten 30 Kalendertage beleuchten, werden bei Volatilitätsfutures verschiedene Laufzeitbänder betrachtet, etwa ein, drei oder sechs Monate.

Harald-Bareit Quelle: Presse

Harald Bareit, CFA, ist Geschäftsführer der Asset Management Gesellschaft QC Partners GmbH und engagiertes Mitglied sowie ehemaliger Präsident der CFA Society Germany. Foto: ©QC Partners GmbH.

Bild: Presse

Betrachtet man diese verschiedenen Laufzeiten, so stellt man rasch fest, dass die Spreads – also die Differenz –zwischen kürzeren und längeren Laufzeiten sehr hoch sein kann. Jüngstes Beispiel ist die Wahl in Frankreich: Der europäische Volatilitätsindex VSTOXX umfasste zum Ende des ersten Quartals mit 30 Tagen nur den ersten Wahlgang, während das 1-Monats-VSTOXX Future mit 60 Tagen auch den zweiten Wahlgang abdeckte. Der VSTOXX notierte noch recht niedrig, der 1-Monats-Future deutlich höher - der Spread zwischen beiden Indikatoren war zwischenzeitlich auf dem höchsten Stand seit 2009. Was bedeutet dies und was hat es mit politischen Unsicherheiten zu tun?

Zunächst einmal können die meisten politischen Gefahren mit einem Datum versehen werden – ihr Zeitpunkt steht exakt fest. Mit Blick auf die nahende Wahl in Frankreich zeigt das, dass der zu erwartende zweite Wahlgang im Zeitfenster des VSTOXX gar nicht berücksichtigt war. Beim 1-Monats-Future hingegen schon. Und hier war bereits eine deutlich höhere Volatilität und ergo Unsicherheit zu beobachten. Aktuell hat der VSTOXX übrigens bereits begonnen zu steigen – die Prognose des VSTOXX Future hat sich also erfüllt.

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Zudem sollte in der Diskussion beachtet werden, dass häufig der globale „Index für politische Unsicherheit“ für Vergleiche herangezogen wird. Er wird jedoch auch für einzelne Länder erhoben. Global steht der Indikator auf einem Allzeithoch, lokal zeigen sich erhebliche Unterschiede. Für Frankreich und Großbritannien werden beispielsweise hohe Werte angezeigt, während Deutschland und den USA mit niedrigen Werten mehr Sicherheit zugerechnet wird. Daher macht es mehr Sinn, lokale Unsicherheitsindizes mit lokalen Volatilitätsindikatoren zu vergleichen, um Verzerrungen zu vermeiden. Vergleicht man beispielsweise den amerikanischen VIX mit dem Unsicherheitsindex für die USA, so sieht man, dass sich beide aktuell gleichlaufend auf niedrigen Niveaus befinden.

Fazit

Politische Unsicherheiten spielen nach wie vor eine Rolle für die Finanzmarktteilnehmer. Dennoch sollten Finanzmarktteilnehmer bei der Betrachtung von Volatilitätsindizes und- futures immer die unterschiedlichen betrachteten Zeiträume berücksichtigen. Es zeigt sich immer wieder, dass deren Verläufe unterschiedlich interpretiert werden können. Auch ist es – trotz globaler Finanzmärkte – nicht immer hilfreich, globale Unsicherheitsindikatoren mit lokalen Volatilitätsindizes zu vergleichen. Am Schluss steht somit eine gute Botschaft: Auch die Investoren bleiben politisch.

Börse Frankfurt Märkte im Zeichen der Weltpolitik

Die Märkte dürften heute ganz im Zeichen der Weltpolitik stehen. Der US-Angriff auf Syrien und die Gespräche zwischen US-Präsident Trump und seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping zeigen die globalen Unsicherheiten.

Was ergibt die Zahlenflut? Quelle: dpa

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