Verluste bei Kurssicherungsgeschäften: Wie sich Greenpeace gegen das Stigma der bösen Zockerei wehrt

Verluste bei Kurssicherungsgeschäften: Wie sich Greenpeace gegen das Stigma der bösen Zockerei wehrt

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Normalerweise macht Greenpeace mit solchen Banner-Aktionen Schlagzeilen. Jetzt sind es allerdings missratene Währungsgeschäfte.

von Saskia Littmann

Dass ausgerechnet eine gemeinnützige Organisation wie Greenpeace Währungsgeschäfte betreibt, hat ein Geschmäckle. Wie gemeinnützig ist es, sich gegen Verluste aus Wechselkursschwankungen abzusichern?

Wer an gemeinnützige Organisationen wie Greenpeace Geld spendet, der geht davon aus, dass dieses auch ausschließlich für den guten Zweck eingesetzt wird. In der Greenpeace-Satzung heißt es denn auch: "Die Mittel des Vereins dürfen nur für satzungsgemäße Zwecke des Vereins verwendet werden." Die weltweit größte Umweltorganisation finanziert sich zu 90 Prozent durch Spenden.

Der Greenpeace-Fauxpas zeigt allerdings einmal mehr: auch eine vermeintlich "gute", weil gemeinnützige Umweltorganisation denkt nicht viel anders als eine große Wirtschaftsorganisation. Die sich eben auch gegen Währungsschwankungen absichern will. Wie jedes andere, profitstrebende Unternehmen auch. Dennoch hat ein solcher Vorfall bei spendenabhängigen Organisationen wie Greenpeace deutlich mehr Geschmäckle, als es bei großen Konzernen der Fall wäre.

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Einem Mitarbeiter von Greenpeace International sind bei Währungsgeschäften gravierende Fehler unterlaufen. Im vergangenen Jahr führte das zu Verlusten in Höhe von 3,8 Millionen Euro. Greenpeace Deutschland bestätigte einen entsprechenden „Spiegel“-Bericht und erklärte dazu auf seiner Homepage: „Wir bedauern den Verlust außerordentlich und möchten uns bei unseren Fördermitgliedern ausdrücklich entschuldigen.“ Ob und wie viel deutsches Spendengeld bei der Aktion verloren ging, konnte Greenpeace bisher nicht benennen.

Währungsgeschäfte, das klingt zunächst nach wilder Spekulation, einige denken zunächst an die wilde Zockerei von Uli Hoeneß. Diese Gedankengänge versucht Greenpeace natürlich zu unterbinden. Auf Anfrage von WirtschaftsWoche Online erklärte ein Sprecher, er könne ausschließen, dass mit Spendengeldern spekuliert wurde. "Wir sind nicht an der Börse und kaufen keine Aktien", so der Sprecher. Es habe sich ausschließlich um Geschäfte zur Absicherung von Wechselkursrisiken gehandelt.

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Auch Brigitte Behrens, Geschäftsführerin von Greenpeace Deutschland, versuchte möglichst schnell, dem ganzen den Anstrich der wilden Börsenspekulation zu nehmen. "Es ist mir wichtig zu betonen, dass Greenpeace International nicht mit Spendengeldern an der Börse spekuliert hat", erklärt Behrens. Grundsätzlich lege Greenpeace Deutschland seine Gelder - immerhin ein Budget von rund 50 Millionen Euro - auf normalen Sparkonten an, so ein Sprecher.

Zockerei hin oder her, viele Spender mögen sich dennoch fragen, warum derartige Geschäfte überhaupt nötig waren. Greenpeace erklärt dazu, dass nationale und regionale Büros der Umweltorganisation ihre Kampagnen oft nicht eigenständig finanzieren können und deshalb auf die Unterstützung von Greenpeace International angewiesen seien. Da letztere in Amsterdam angesiedelt ist, wird mit dem Euro gearbeitet. In den regionalen Büros wird dagegen mit den Landeswährungen hantiert. Schwanken die Wechselkurse stark, kommt es abwechselnd zu Gewinnen oder Verlusten durch die Umrechnung.

Das Risiko für die Schwankungen trug offenbar Greenpeace International, da es für kleinere Büros existenzielle Folgen haben könnte. Im vergangenen Jahr entschied die Organisation, sich gegen die Schwankungen abzusichern, indem Währungen zu festen Kursen gekauft wurden. Ein Geschäft, welches für jeden international tätigen Mittelständler Alltag ist. Mithilfe von Devisengeschäften werden Risiken aus Wechselkursschwankungen beispielsweise durch Termingeschäfte abgesichert. Auch Greenpeace International kaufte Währungen zu festen Kursen - allerdings setzte der entsprechende Mitarbeiter auf einen sinkenden Euro. Sein Pech, dass die Gemeinschaftswährung in den letzten Monaten eher auf- als abwertete. Eine fatale Fehlentscheidung, die die Organisation am Ende 3,8 Millionen Euro kostete.

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