
Der drittgrößte deutsche Versicherer Talanx hat sich lange auf den Börsengang vorbereitet, dafür sogar den ehemaligen Investor-Relations-Chef der Deutschen Bank angeheuert. Vor einer Woche sagte Talanx-Chef Herbert Haas, nur ein überraschender Schock könne den Börsengang des Versicherers noch stoppen, erste Termine zur Vermarktung der Aktie („Roadshow“) waren bereits gemacht. Die Investoren müssen ihn ganz schön schockiert haben, weil sie den geforderten Preis nicht zahlen wollten.
Die Bewertung soll sich an Allianz und Münchner Rück orientiert haben. Investoren wollten für den Börsenneuling, wie durchaus üblich, weniger bezahlen als für die an der Börse etablierten Versicherer. Blamiert sind jetzt beide: Talanx, weil die Entscheidung arg sprunghaft wirkt, und die Banken: Es sieht stark danach aus, als ob die nicht sorgfältig genug bei Investoren vorab gecheckt haben, welche Bewertung sie dem Konglomerat (wichtige Marken: HDI, HDI Gerling , Neue Leben, Hannover Rück) zugestehen.
Bild: REUTERSDie Rettung der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) dürfte sich für die japanische Regierung auszahlen. Beim Comeback an der Börse will JAL sieben Milliarden Euro einsammeln. Es ist der weltweit zweitgrößte IPO in diesem Jahr nach Facebook. Ein japanischer Staatsfonds hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und im Gegenzug Anteile übernommen. Diese wären bei dem von JAL nun veranschlagten Preis je Aktie von 3790 Yen rund sieben Milliarden Euro und damit doppelt so viel wert. Der Fonds hat bereits angekündigt, die gesamte Beteiligung bei dem Börsengang verkaufen zu wollen.
Von den Top Ten der größten IPOs aller Zeiten ist der Konzern damit allerdings noch weit entfernt, wie die folgenden Bilder zeigen:
Bild: dapdPlatz 10
Die Deutsche Telekom AG konnte bei ihrem Börsenstart 1996 13 Milliarden Dollar einnehmen. Der Konzern mit Sitz in Bonn ist das größte Telekommunikationsunternehmen Europas. Weltweit beschäftigt die Deutsche Telekom 246.777 Mitarbeiter, davon 121.564 in Deutschland.
Bild: APPlatz 9
Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki.
Bild: dpaPlatz 8
Der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors legte 2010 einen starken Börsenstart hin: 15,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen beschäftigt rund 200.000 Mitarbeiter.
Bild: dpaPlatz 7
Das soziale Netzwerk Facebook schrieb mit seinem Börsengang im Mai 2012 Geschichte. 16 Milliarden Dollar konnte das Internet-Unternehmen einsammeln. Die Aktie ist allerdings im Sinkflug. Anleger, die beim Börsengang noch 38 Dollar pro Papier gezahlt hatten, haben bis Anfang August fast die Hälfte ihres Einsatzes verloren. Die Aktie sackte zwischenzeitlich auf 20 Dollar ab. Facebook hat weltweit 955 Millionen Nutzer.
Bild: REUTERSPlatz 6
Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln.
Bild: REUTERSPlatz 5
Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein.
Bild: dapdPlatz 4
Der Kreditkartenanbieter Visa wagte im Frühstadium der Finanzkrise im März 2007 seinen Börsenstart und erzielte mit knapp 17,9 Milliarden US-Dollar das bislang vierthöchste Volumen. Das Unternehmen hat 6800 Mitarbeiter und ist international tätig.
Bild: REUTERSPlatz 3
Kaoru Kato (im Bild) ist der Präsident und CEO von Japans größtem Mobilfunkanbieter NTT Docomo Inc. Der Konzern ging bereits 1998 an die Börse. Das Volumen ist bis heute das drittgrößte überhaupt: 18,1 Milliarden US-Dollar.
Bild: dpaPlatz 2
Vor dem Börsengang der ABC hatte die Notierung der Industrial and Commerce Bank of China (ICBC) mit 11,19 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 den Rekord als größter Börsengang der Welt gehalten. Die Bank hat weltweit rund 16.000 Filialen, davon aber nur etwa 200 außerhalb Asiens, und beschäftigt knapp 400.000 Mitarbeiter.
Die Rettung der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) dürfte sich für die japanische Regierung auszahlen. Beim Comeback an der Börse will JAL sieben Milliarden Euro einsammeln. Es ist der weltweit zweitgrößte IPO in diesem Jahr nach Facebook. Ein japanischer Staatsfonds hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und im Gegenzug Anteile übernommen. Diese wären bei dem von JAL nun veranschlagten Preis je Aktie von 3790 Yen rund sieben Milliarden Euro und damit doppelt so viel wert. Der Fonds hat bereits angekündigt, die gesamte Beteiligung bei dem Börsengang verkaufen zu wollen.
Von den Top Ten der größten IPOs aller Zeiten ist der Konzern damit allerdings noch weit entfernt, wie die folgenden Bilder zeigen:
Der deutsche Markt für Börsengänge wartet nach den Absagen von Evonik und Talanx weiter auf den berühmten Eisbrecher, der den Weg für andere Kandidaten frei macht. Die Telefonica-Tochter o2 könnte diese Rolle jetzt übernehmen. Für Anleger ist die Talanx-Blamage kein Problem: Hannover Rück, ein Filetstück der Gruppe, ist ja bereits börsennotiert und nicht teuer. Angesichts niedriger Zinsen und dementsprechend starker Probleme der Branche bei der Kapitalanlage sind Versicherer zudem generell nicht übermäßig attraktiv. Und: Wenn Börsengänge am Preis scheitern (weil Verkäufern die von Investoren gebotenen Preise zu niedrig sind), deutet dies zudem darauf hin, dass der Markt noch nicht überhitzt ist.























