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Versicherer sagt Börsengang ab: Talanx - Was ist hier schief gelaufen?

von Hauke Reimer

Der Versicherer Talanx sagt den potenziell größten deutschen Börsengang des Jahres ab. Doch was steckt dahinter?

Talanx-Logo Quelle: dapd
Im Sommer wollte das Unternehmen an die Börse gehen. Jetzt wirft Talanx die Pläne über den Haufen. Foto: dapd Quelle: dapd

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Der drittgrößte deutsche Versicherer Talanx hat sich lange auf den Börsengang  vorbereitet,  dafür sogar den ehemaligen Investor-Relations-Chef der Deutschen Bank angeheuert. Vor einer Woche sagte Talanx-Chef Herbert Haas,  nur ein überraschender Schock  könne den Börsengang des Versicherers noch stoppen, erste Termine zur Vermarktung der Aktie („Roadshow“)  waren bereits gemacht.  Die Investoren müssen ihn ganz schön schockiert haben, weil sie den geforderten Preis nicht zahlen wollten.

Versicherungskonzern Talanx lässt Börsengang in letzter Minute platzen

Der geplante Börsengang von Talanx wird zur unendlichen Geschichte. Überraschend zog der Versicherungsriese am Mittwochabend die Notbremse. Der Grund: Der Preis für die Aktien lag einfach zu niedrig.

Versicherungskonzern: Talanx lässt Börsengang in letzter Minute platzen

Die Bewertung soll sich an Allianz und Münchner Rück orientiert haben.  Investoren wollten für den Börsenneuling, wie durchaus üblich, weniger bezahlen als für die an der Börse etablierten Versicherer.  Blamiert sind jetzt beide: Talanx, weil die Entscheidung arg sprunghaft wirkt, und die Banken:  Es sieht stark danach aus, als ob die nicht sorgfältig  genug bei Investoren vorab gecheckt haben, welche Bewertung sie dem Konglomerat (wichtige Marken:  HDI, HDI Gerling , Neue Leben, Hannover Rück) zugestehen.

Die Rettung der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) dürfte sich für die japanische Regierung auszahlen. Beim Comeback an der Börse will JAL sieben Milliarden Euro einsammeln. Es ist der weltweit zweitgrößte IPO in diesem Jahr nach Facebook. Ein japanischer Staatsfonds hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und im Gegenzug Anteile übernommen. Diese wären bei dem von JAL nun veranschlagten Preis je Aktie von 3790 Yen rund sieben Milliarden Euro und damit doppelt so viel wert. Der Fonds hat bereits angekündigt, die gesamte Beteiligung bei dem Börsengang verkaufen zu wollen.

Von den Top Ten der größten IPOs aller Zeiten ist der Konzern damit allerdings noch weit entfernt, wie die folgenden Bilder zeigen:

Bild: REUTERS

Der deutsche Markt für Börsengänge wartet nach den Absagen von Evonik und Talanx  weiter auf den berühmten Eisbrecher, der den Weg für andere Kandidaten frei macht. Die Telefonica-Tochter o2 könnte diese Rolle jetzt übernehmen. Für Anleger  ist die Talanx-Blamage kein Problem: Hannover Rück, ein Filetstück der Gruppe, ist ja bereits börsennotiert und nicht teuer. Angesichts niedriger Zinsen und dementsprechend starker Probleme der Branche bei der Kapitalanlage sind Versicherer zudem generell  nicht übermäßig attraktiv.  Und: Wenn Börsengänge am Preis scheitern (weil Verkäufern die von  Investoren gebotenen Preise zu niedrig sind), deutet dies zudem darauf hin, dass der Markt noch nicht überhitzt ist.

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