
Der Sprung aufs Parkett fällt aus: Der Versicherungskonzern Talanx geht wider Erwarten doch nicht an die Börse. Die Investoren wollten zu wenig Geld für die neuen Aktien bezahlen, begründete der Konzern am Mittwochabend die überraschende Absage in letzter Minute.
Das Unternehmen, zu dem neben Marken wie HDI und HDI-Gerling auch die Mehrheit am Rückversicherer Hannover Rück gehört, setzt damit den vorläufigen Schlusspunkt hinter eine jahrelange Reihe von Ankündigungen. Damit entfällt der größte Börsengang, der in Deutschland für dieses Jahr noch erwartet worden war. Talanx wollte mit einer Kapitalerhöhung im Zuge des Börsengang eine Milliarde Euro einsammeln, um damit weiter im Ausland zu expandieren.
Der Konzern galt als Kandidat für den Aktienindex der mittelgroßen Werte, den MDax, langfristig wurde sogar ein Aufstieg in den Dax für möglich gehalten. „Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, sagte Vorstandschef Herbert Haas, der die Börsenpläne vorangetrieben hatte. Seit zehn Tagen hatte das Unternehmen Gespräche mit möglichen Investoren geführt. Haas zufolge wurden sich beide Seiten jedoch beim Preis nicht einig: „Die Höhe des von den Investoren geforderten Abschlags auf den Unternehmenswert war weder für uns noch für unseren Anteilseigner akzeptabel.“ Das Unternehmen wolle die Aktien nicht zu jedem Preis an den Markt bringen.
Damit gehört Talanx weiterhin komplett dem HDI, einem Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (VaG), der auch bei einem Börsengang die Mehrheit behalten hätte. Ein neuer Anlauf am Aktienmarkt ist nicht in Sicht. „Talanx ist operativ in sehr guter Verfassung, und wir werden unsere Strategie auch ohne Börsengang konsequent weiter vorantreiben“, sagte der Vorstandschef.
Bild: REUTERSDie Rettung der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) dürfte sich für die japanische Regierung auszahlen. Beim Comeback an der Börse will JAL sieben Milliarden Euro einsammeln. Es ist der weltweit zweitgrößte IPO in diesem Jahr nach Facebook. Ein japanischer Staatsfonds hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und im Gegenzug Anteile übernommen. Diese wären bei dem von JAL nun veranschlagten Preis je Aktie von 3790 Yen rund sieben Milliarden Euro und damit doppelt so viel wert. Der Fonds hat bereits angekündigt, die gesamte Beteiligung bei dem Börsengang verkaufen zu wollen.
Von den Top Ten der größten IPOs aller Zeiten ist der Konzern damit allerdings noch weit entfernt, wie die folgenden Bilder zeigen:
Bild: dapdPlatz 10
Die Deutsche Telekom AG konnte bei ihrem Börsenstart 1996 13 Milliarden Dollar einnehmen. Der Konzern mit Sitz in Bonn ist das größte Telekommunikationsunternehmen Europas. Weltweit beschäftigt die Deutsche Telekom 246.777 Mitarbeiter, davon 121.564 in Deutschland.
Bild: APPlatz 9
Japans Telekommunikations-Riese Nippon Tel ging bereits 1987 an die Börse und nahm 15,3 Milliarden Dollar ein. 1999 wurde der Konzern umstrukturiert und ging in der NTT Communications Corp auf. Im Bild NTT-Präsident Masanobu Suzuki.
Bild: dpaPlatz 8
Der US-amerikanische Automobilkonzern General Motors legte 2010 einen starken Börsenstart hin: 15,7 Milliarden Dollar. Das Unternehmen beschäftigt rund 200.000 Mitarbeiter.
Bild: dpaPlatz 7
Das soziale Netzwerk Facebook schrieb mit seinem Börsengang im Mai 2012 Geschichte. 16 Milliarden Dollar konnte das Internet-Unternehmen einsammeln. Die Aktie ist allerdings im Sinkflug. Anleger, die beim Börsengang noch 38 Dollar pro Papier gezahlt hatten, haben bis Anfang August fast die Hälfte ihres Einsatzes verloren. Die Aktie sackte zwischenzeitlich auf 20 Dollar ab. Facebook hat weltweit 955 Millionen Nutzer.
Bild: REUTERSPlatz 6
Der italienische Energieversorger Enel SpA beschäftigt über 58.000 Mitarbeiter. Bei seinem Börsengang im Jahr 1999 konnte der Konzern 16,5 Milliarden Dollar einsammeln.
Bild: REUTERSPlatz 5
Ein Blick auf den AIA-Turm in Hong Kong. Die asiatische Sparte des US-Versicherers AIG nahm bei seinem Börsengang im Oktober 2010 17,8 Milliarden Dollar ein.
Bild: dapdPlatz 4
Der Kreditkartenanbieter Visa wagte im Frühstadium der Finanzkrise im März 2007 seinen Börsenstart und erzielte mit knapp 17,9 Milliarden US-Dollar das bislang vierthöchste Volumen. Das Unternehmen hat 6800 Mitarbeiter und ist international tätig.
Bild: REUTERSPlatz 3
Kaoru Kato (im Bild) ist der Präsident und CEO von Japans größtem Mobilfunkanbieter NTT Docomo Inc. Der Konzern ging bereits 1998 an die Börse. Das Volumen ist bis heute das drittgrößte überhaupt: 18,1 Milliarden US-Dollar.
Bild: dpaPlatz 2
Vor dem Börsengang der ABC hatte die Notierung der Industrial and Commerce Bank of China (ICBC) mit 11,19 Milliarden US-Dollar im Jahr 2006 den Rekord als größter Börsengang der Welt gehalten. Die Bank hat weltweit rund 16.000 Filialen, davon aber nur etwa 200 außerhalb Asiens, und beschäftigt knapp 400.000 Mitarbeiter.
Die Rettung der Fluggesellschaft Japan Airlines (JAL) dürfte sich für die japanische Regierung auszahlen. Beim Comeback an der Börse will JAL sieben Milliarden Euro einsammeln. Es ist der weltweit zweitgrößte IPO in diesem Jahr nach Facebook. Ein japanischer Staatsfonds hatte dem Unternehmen nach der Insolvenz 2010 mit rund 3,5 Milliarden Euro unter die Arme gegriffen und im Gegenzug Anteile übernommen. Diese wären bei dem von JAL nun veranschlagten Preis je Aktie von 3790 Yen rund sieben Milliarden Euro und damit doppelt so viel wert. Der Fonds hat bereits angekündigt, die gesamte Beteiligung bei dem Börsengang verkaufen zu wollen.
Von den Top Ten der größten IPOs aller Zeiten ist der Konzern damit allerdings noch weit entfernt, wie die folgenden Bilder zeigen:
Talanx hatte den Gang aufs Parkett seit Ende der 1990er Jahre immer wieder in Aussicht gestellt. Erst Anfang vergangener Woche hatte das Unternehmen den Zeitraum auf den Herbst eingegrenzt. Finanzkreisen zufolge sollte es schon Ende September losgehen. Zu Talanx gehören neben den Marken HDI und HDI-Gerling auch die PB Versicherungen der Postbank und die Targo Versicherungen sowie weitere Versicherer in Polen und anderen Ländern. Außerdem hält der Konzern die Mehrheit am weltweit drittgrößten Rückversicherer Hannover Rück, der selbst im MDax notiert ist.
Zuletzt hatten die Hannoveraner stark im Ausland expandiert, etwa durch Beteiligungen und Übernahmen in Japan und Polen. In Deutschland fährt Talanx in der Sparte Privat- und Firmenkunden dagegen einen harten Sparkurs. Bis 2015 sollen in dem Bereich bundesweit 730 von rund 5600 Jobs abgebaut werden.























