Verzicht für grünes Geld: Nachhaltige Anleger pfeifen auf Rendite

Verzicht für grünes Geld: Nachhaltige Anleger pfeifen auf Rendite

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Nachhaltige Geldanlagen werden immer wichtiger.

von Saskia Littmann

Nachhaltige Geldanlagen werden immer beliebter, gerade bei weiblichen Anlegern. Eine neue Studie legt sogar nahe: Für den guten Zweck verzichten Investoren auch auf Rendite.

Mit gutem Gewissen verzichtet es sich leichter. Das zeigt sich bei nachhaltigen Geldanlagen. Demnach sind Anleger offenbar bereit, auf rund zwei Prozent ihrer Rendite zu verzichten, wenn die Anlage auch ihren Vorstellungen in puncto Nachhaltigkeit entspricht. Das gilt vor allem dann, wenn bereits ein großer Teil des Depots in nachhaltigen Anlageprodukten steckt, wie zwei Forscher der Uni Regensburg herausgefunden haben.

In ihrer Studie untersuchten Gregor Dorfleitner und Sebastian Utz die Präferenzen von zahlreichen Privatanlegern. Damit wollten die Betriebswirte den Einfluss sogenannter nicht-finanzieller Effekte auf die Anlageentscheidung bestimmen. Investiert ein Anleger anders, wenn er weiß, dass ein bestimmtes Unternehmen auf Tierversuche verzichtet?

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So sieht die Geldanlage der Deutschen aus

  • Lebensversicherung

    35 Prozent der Deutschen haben eine Lebensversicherung abgeschlossen.

  • Bausparvertrag

    Fast ebenso viele, nämlich 32 Prozent, besitzen einen Bausparvertrag oder Bausparplan.

  • Tagesgeld

    In Deutschland besitzen 29 Prozent der Bürger ein Tagesgeldkonto.

  • Immobilien

    Ebenso viele, nämlich 29 Prozent, sehen ihre Immobilie als Geldanlage an.

  • Fondsanteile, Festgeld, Aktien

    20 Prozent besitzen Fondsanteile, 17 Prozent Festgeld/Termingeld und 12 Prozent Aktien.

  • Edelmetalle

    Deutlich geringer ist dagegen der Anteil der Edelmetallbesitzer: sieben Prozent haben in Goldbarren oder -münzen investiert und vier Prozent zählen Silberbarren oder -münzen zu ihrem Besitz.

  • Kunst und Antiquitäten

    Sechs Prozent sehen ihre Antiquitäten (z. B. einen sehr alten Schrank) als Geldanlage und vier Prozent besitzen wertvolle Kunstgegenstände.

  • Anleihen und Zertifikate

    Jeweils zwei Prozent haben Geld in Anleihen bzw. Zertifikate angelegt.

Dafür befragten die Wissenschaftler sowohl Privatanleger als auch institutionelle Investoren zu ihrem Anlageverhalten. Vermögensverwalter, die die Fragen aus der Sicht ihrer Durchschnittskunden beantworten sollten, dienten als Kontrollgruppe. "Der Befragte hat dabei selber definiert, was für ihn ein nachhaltiges Geldanlageprodukt ist", sagt Dorfleitner.

Zunächst fanden Dorfleitner und Utz heraus, dass nachhaltige Geldanlagen mittlerweile durchaus verbreitet sind. Fast neun von zehn Privatanleger gaben an, von nachhaltigen Finanzprodukten gehört zu haben. Allerdings hatte nur jeder Fünfte schon mal ein solches Anlageprodukt von seinem Berater empfohlen bekommen. Offenbar besteht seitens der Anlageexperten eine gewisse Skepsis, sie vertrauen lieber auf Altbewährtes.

Frauen achten dabei eher auf die Nachhaltigkeit ihrer Geldanlage. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Frau in einen Nachhaltigkeitsfonds investiere, sei höher als beim Mann, so Dorfleitner und Utz. Gleichzeitig sind es vor allem die weiblichen Anleger, die eher bereit sind, für das gute Gewissen bei der Geldanlage auf einen Teil der Rendite zu verzichten.

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Quelle: dpa/Montage

Allerdings: Wird die angelegte Summe höher, sinkt bei den Befragten die Bereitschaft, auf Rendite zu verzichten. Eine genaue Erklärung gibt es dafür nicht. "Einiges deutet darauf hin, dass viele Anleger nur einen Teil ihres Geldes nachhaltig anlegen wollen", sagt Dorfleitner. Der Rest werde dann eben mit der Hoffnung auf eine höhere Rendite normal angelegt.

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Interessanterweise fanden Dorfleitner und Utz heraus, dass es eine große Masse an Anlegern gibt, denen das nachhaltige Wirtschaften eines Unternehmens zwar wichtig ist, die aber dennoch nicht oder kaum in nachhaltige Geldanlagen investieren. Das könnte womöglich an früheren Forschungsergebnissen der Regensburger Wissenschaftler liegen. Vor einiger Zeit veröffentlichte das Team eine Studie, der zufolge das Label "nachhaltig" bei einigen der grünen Aktienfonds definitiv fehl am Platz ist.

"Viele Anleger sind skeptisch, ob ein bestimmter Fonds oder ein anderes Anlageprodukt tatsächlich so nachhaltig ist, wie er beworben wird", sagt Dorfleitner. Insgesamt gebe es nicht nur zu wenige nachhaltige Anlageprodukte auf dem Markt, sie seien für den Anleger auch nicht transparent genug. Es bräuchte klarere Definitionen von Nachhaltigkeit im Anlagebereich, um das Vertrauen der Anleger zu gewinnen. Bisher gibt es zu viele Fonds, die zwar von den Banken das Label "nachhaltig" bekommen, allerdings Aktien von Unternehmen enthalten, welche Verbraucher für sich nicht als nachhaltig klassifizieren würden.

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6 Kommentare zu Verzicht für grünes Geld: Nachhaltige Anleger pfeifen auf Rendite

  • Oder anders ausgedrückt: Frauen lassen sich leichtrer verarschen.
    Beispiel Windkraft. So grün ist die nicht. Die Herstellung der Windkraftturbinen hinterlässt in China eine total zerstörte Umwelt, weil diese große Mengen an seltenen Erden benötigen, deren Förderung die Umwelt verseucht. Nachhaltigkeit ? Nach zwanzig Jahren läuft die Förderung aus. Die Betriebskosten sind dann höher als der zu erzielende Marktpreis, der in der Regel zu Zeiten der größten Stromausbeute negativ ist. D.h. nach zwanzig Jahren werden neue Subventionen fällig, um weiter Windstrom zuu produzieren. Dann muss halt eine neue Anlage her. Und wenn die Anlgen stillstehen wird Kohlestrom genutzt. War also nicht mit dem Umwelschutz und auch nichts mit der Nachhaltigkeit.

  • "Die Herstellung der Windkraftturbinen hinterlässt in China eine total zerstörte Umwelt, weil diese große Mengen an seltenen Erden benötigen, deren Förderung die Umwelt verseucht. Nachhaltigkeit ?"Zitat
    Ihr Argument ist nur soweit richtig,als es den unsachgemäßen Abbau in China betrifft.Diese seltenen Erden gibt es nicht nur in China,sie werden nur dort unter Negierung jeglichen Umwelt- und Menschenschutzes bevorzugt abgebaut.
    Und das ist ein Problem der Chinesen,die das zulassen,weil sie ihre Erden besonders billig anbieten wollen und somit die Verseuchung ihres Landes und ihrer Bevölkerung in Kauf nehmen.Nachhaltig produzierte Windräder kaufen also ihr Neodym nicht in China und vermeiden dadurch eine solch verheerende Umweltbilanz.

  • Das Argument ist nicht insoweit richtig, es ist richtig, weil sich aus Umweltgründen eine saubere Gewinnung nicht rechnet. Das die damit einhergehenden Umweltprobleme ein chinesisches ist und nicht unseres ist an Zynismus kaum zu überbieten.

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