Volksabstimmung in Griechenland: Euro-Rettung steht auf der Kippe

Volksabstimmung in Griechenland: Euro-Rettung steht auf der Kippe

, aktualisiert 01. November 2011, 16:33 Uhr
Bild vergrößern

Aufregung an den Märkten - schon wieder.

von Jörg HackhausenQuelle:Handelsblatt Online

Die Schuldenkrise eskaliert erneut: Investoren flüchten aus Aktien, Euro und Anleihen der Schuldenstaaten. Merkel und Sarkozy vereinbaren ein Krisentreffen. Eine Ratingagentur fordert: Schützt Europa vor Griechenland.

DüsseldorfDie Politik hat lange an einer Illusion festgehalten; der Illusion, sie könne die Schuldenkrise kontrollieren. Nach dem Euro-Gipfel in der vergangenen Woche schien es so, als hätte die Politik die sonst so skeptischen Investoren tatsächlich überzeugt. An den weltweiten Finanzmärkten stiegen die Kurse. Der Schuldenschnitt für Griechenland sollte endlich eine Lösung bringen.

Doch die gute Laune an den Märkten hielt nicht lange an. Sie ist mit einem Schlag dahin, weil der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou angekündigt hat, er wolle sein Volk über die weiterten Sparmaßnahmen abstimmen lassen. Die Mehrheit der Griechen hat es satt, den Gürtel noch enger zu schnallen – und dürfte gegen die Sparpolitik stimmen. Ohne weitere Einsparungen aber könnte der Rettungsplan für den Euro hinfällig sein. Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy sind alarmiert und haben ein Krisentreffen vereinbart. Am Mittwoch soll vor dem G20-Gipfel in Cannes über die neue Lage beraten werden.

Anzeige

„Es ist schwierig vorherzusagen, was passiert, wenn Griechenland die Pläne ablehnt. Es wäre schlimm genug für die EU im Allgemeinen und die Euro-Zone im Besonderen. Es wäre aber noch viel schlimmer für Griechenland“, sagte Christopher Pissarides, Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger. „Bei einem ‚Nein’ müsste Griechenland sofort Bankrott erklären. Ich sehe nicht, dass Griechenland im Euro bleiben könnte.“

Die Ratingagentur Fitch warnt vor einer Bedrohung für die gesamte Euro-Zone. Sie fordert: Errichtet eine Schutzmauer, damit Griechenland nicht das Währungsgebiet anstecken und destabilisieren kann. Von nun an geht es nicht mehr darum, Griechenland vor der Pleite zu retten, sondern den Rest der Euro-Zone vor Griechenland zu retten.

„Wenn es dieses Referendum geben wird, können wir durchaus davon ausgehen, dass die Griechen das Rettungspaket nicht akzeptieren werden“, sagte Howard Wheeldon, Zinsstratege von BGC Partners in London. „Man könnte daraus schließen, dass das Kartenhaus dann zusammenfällt.“

An den Finanzmärkten war das Gejammer groß. Der Dax fiel zeitweise um sechs Prozent auf 5.767 Punkte, nachdem er in der vergangenen Woche noch in Richtung 6.500 Punkte marschiert war. Der Eurostoxx gab um 5,7 Prozent auf 2249 Zähler nach. Zu den größten Verlierern zählten Bankaktien - Deutsche Bank und Commerzbank fielen mehr als zehn Prozent.

Auch der Euro-Kurs spiegelte die Gemütslage der Investoren wider. In der vergangenen Woche war der Euro auf 1,42 Dollar gestiegen. Am Dienstag ging es steil abwärts. Der Kurs der europäischen Währung fiel auf 1,3637 Dollar. Auch zum Yen und zum Britischen Pfund verliert der Euro deutlich. „Die Ankündigung von Papandreou war schon ein Schock. Seit ich heute Morgen angefangen habe zu arbeiten, ist ordentlich Druck auf dem Euro“, sagte ein Händler. Die große Sorge sei, dass Griechenland jetzt doch pleite geht.


Raus aus den Schuldenstaaten, rein in Bundesanleihen

Am Anleihemarkt fackelten die Anleger nicht lange. Sie flüchteten in deutsche Bundesanleihen, die nach wie vor als sicher gelten. Der richtungweisende Bund-Future kletterte um mehr als ein Prozent auf 137 Zähler. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe fiel deutlich auf 1,78 Prozent. Umgekehrt trennten sich die Anleger von Anleihen der Schuldenstaaten. Am stärksten unter Druck geriet Italien. Die Rendite für zehnjährige italienische Staatspapiere stieg um 22 Basispunkte auf 6,29 Prozent. Der Aufschlag zu deutschen Titeln kletterte auf 4,5 Prozentpunkte. Er lag damit so hoch wie noch nie seit Einführung des Euros an den Finanzmärkten im Jahr 1999. Die Europäische Zentralbank stemmte sich dagegen. Nach Aussagen von Händlern soll die EZB am Dienstag in großem Stil italienische Staatsanleihen aufgekauft haben, vor allem Anleihen mit acht- und zehnjähriger Laufzeit.

Bei zehnjährigen Griechen-Anleihen stieg die Rendite um 61 Basispunkte auf 22 Prozent. Die Rendite der zweijährigen Anleihen kletterte auf ein neues Rekordhoch von 108,28 Prozent. Allerdings nimmt das kaum noch jemand ernst. Die Papiere werden kaum noch gehandelt, und wenn, dann nur noch, um damit zu zocken. „Da geht ohnehin kaum noch etwas um, so ein Anstieg hat gar keine Aussagekraft mehr“, sagte ein Händler.

Die Märkte haben wieder in den Panikmodus umgeschaltet. Wann sich die erhitzten Gemüter beruhigen, kann niemand sagen. Vielleicht behalten die Experten der HSH Nordbank Recht, die die ganze Aufregung für überdreht halten. „Wie so oft nach politischen Börsen dürfte sich auch dieses Mal die Verunsicherung recht schnell beruhigen und einer Analyse der Fakten weichen: Darf man so ein Referendum überhaupt abhalten, wie hoch wäre die Annahmequote und was sagen aktuelle Meinungsumfragen dazu?“, heißt es in dem Kommentar der HSH Nordbank. „Wir gehen davon aus, dass der neuerliche Griechenland-Schock eher kurzlebig sein wird, denn die Regierungen der Eurolandstaaten werden weiter - und jetzt vielleicht sogar noch etwas entschlossener - an der Umsetzung der Gipfelbeschlüsse arbeiten.“

Gut möglich, dass der Absturz ebenso übertrieben ist wie die Euphorie, die in der vergangenen Woche nach dem Euro-Gipfel herrschte. Fest steht nur: Seriöse Vorhersagen sind in einer Situation, in der jede Nachricht extreme Kurssprünge auslöst, nicht möglich.

Mit Material von Reuters und dpa

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%