Vorwurf der Marktmanipulation: Porsche kämpft gegen seine gierige Vergangenheit

Vorwurf der Marktmanipulation: Porsche kämpft gegen seine gierige Vergangenheit

von Martin Seiwert und Franz W. Rother

Ab Montag muss sich Porsche für seine heiklen Geschäfte im Zuge der VW-Übernahme vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Marktmanipulation im großen Stil. Auch gegen den Aufsichtsrat rund um Ferdinand Piëch wird ermittelt.

Rechtschaffener schwäbischer Sportwagenbauer gegen halbseidene US-Hedgefonds. So könnte die Überschrift über dem Spektakel lauten, das am Montag kurz nach Mittag im Saal 153 des Stuttgarter Landgerichts unter dem Vorsitz der Richterin Carola Wittig anläuft. 24 meist amerikanische Großinvestoren, deren Geschäft vorwiegend aus Wetten auf Aktien- oder Devisenkurse besteht, fordern 1,4 Milliarden Euro Schadensersatz von Porsche. Das Stuttgarter Unternehmen habe die Anleger schwer geschädigt, weil es im Zuge der versuchten Übernahme von Volkswagen zwischen 2005 und 2008 heimtückisch den Kurs der VW-Aktie manipuliert habe, so der Vorwurf, den Porsche entschieden bestreitet.

Die Überschrift über dem Zivilprozess am Neckar könnte aber auch so lauten: US-Hedgefonds gegen schwäbischen Hedgefonds. Denn ziemlich unumstritten zwischen den verfeindeten Parteien ist, dass die Autoproduktion 2007 und 2008 für den damaligen Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und seinen Finanzvorstand Holger Härter fast zur Nebensache wurde. Viel mehr hantierten die beiden im großen Stil mit hoch riskanten Optionen auf VW-Aktien, wie dies eigentlich vor allem Hedgefonds tun.

Anzeige

Mit Porsche im Clinch

Mit dem Start des Prozesses am Montag tritt eine Auseinandersetzung in eine neue Phase, die sich zu einer der größten und längsten Rechtsstreitigkeiten der deutschen Wirtschaftsgeschichte auswachsen könnte. Denn nicht nur die 24 US-Kläger in Stuttgart, sondern weitere Dutzende Investoren – Fonds, Versicherungen, Banken, aber auch vermögenden Privatanleger – stehen mit Porsche im Clinch.

Ob in New York, Braunschweig, Hannover oder London, immer geht es um den Vorwurf der Marktmanipulation durch Porsche. Der Stuttgarter Autobauer, behaupten die Kläger, soll 2008 über Monate hinweg mithilfe von Aktienoptionen die mehrheitliche Übernahme von VW betrieben, dies zunächst bestritten und hernach viel zu spät zugegeben haben.

Weil dadurch der Kurs der VW-Aktie für kurze Zeit explodierte, seien Anleger schwer geschädigt worden, die auf fallende Kurse setzten. Die Summe, die alle Kläger zusammen als Schadensersatz verlangen, beläuft sich mittlerweile auf rund 5,8 Milliarden Euro. Porsche weist alle Anschuldigungen von sich.

Zivilverfahren in den Streitigkeiten um die Übernahmeschlacht Porsche - VW

  • Braunschweig

    Kläger: Rund 70 Fondsgesellschaften, Banken und Versicherungen, die durch die Inkassogesellschaft ARFB (Berlin) vertreten werden

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE, Volkswagen AG

    Vorwurf: Marktmanipulation

    Forderung: 2,1 Mrd. €

    Stand: Fortsetzung des laufenden Verfahrens voraussichtlich Mitte Mai 2014.

  • Braunschweig (Merckle-Gruppe)

    Kläger: Merckle-Gruppe (Tochterunternehmen HWO GmbH)

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE

    Vorwurf: Unternehmensgründer Adolf Merckle, der sich 2009 das Leben nahm, hatte 2008 auf sinkende VW-Kurse gewettet, tatsächlich stieg der Kurs jedoch sprunghaft an. Der starke Anstieg habe mitunter an Marktmanipulationen durch Porsche gelegen.

    Forderung: 213 Mio. €

    Stand: Beginn des Verfahrens voraussichtlich Anfang Mai 2014.

  • Stuttgart (Verbraucherzentrale)

    Kläger: Verbraucherzentrale für Kapitalanleger, Berlin

    Beklagter: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch

    Vorwurf: Pflichtverletzung

    Urteil: Rücknahme der Entlastung des Porsche-Aufsichtsrates 2008/09

    Stand: Das Oberlandesgericht erklärte die Entlastung des Aufsichtsrates in zweiter Instanz für nichtig, weil Piëch „schwerwiegende Verletzungen seiner Kardinalspflichten als Aufsichtsrat“ vorzuwerfen seien. Piëch scheiterte beim BGH mit dem Versuch, die Möglichkeit für eine Berufung zu erstreiten. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

  • Stuttgart

    Kläger: 24 Hedgefonds, vorwiegend aus den USA

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE

    Vorwurf: Marktmanipulation

    Forderung: 1,4 Mrd. €

    Stand: Am 10. Februar 2014 beginnt der Prozess.

  • Frankfurt

    Kläger: Sieben große Hedgefonds aus den USA

    Beklagte: Ferdinand Piëch, Wolfgang Porsche

    Vorwurf: Marktmanipulation

  • Hannover

    Kläger: Sieben große Hedgefonds aus den USA

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE

    Vorwurf: Marktmanipulation

    Forderung: 1,8 Mrd. €
    Stand: Die in Stuttgart eingereichte Klage wurde nach Braunschweig verwiesen, weil dort ähnliche Verfahren laufen. Das Landgericht Braunschweig sah vorwiegend kartellrechtliche Aspekte und überwies die Klage an das Kartellgericht Hannover.

  • London

    Kläger: Pendragon Capital Management UK

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE

    Vorwurf: Marktmanipulation

    Forderung: umgerechnet Mrd. 144 Mio. €

    Stand: Verfahren ist wegen Streit um Gerichtsort ausgesetzt. Nach „Torpedoklage“ von Porsche hat sich im Juli 2013 das Landgericht (LG) Stuttgart für zuständig erklärt. Pendragon hat dagegen beim OLG Stuttgart Einspruch erhoben.

  • New York

    Kläger: Acht Investmentgesellschaften

    Beklagte: Porsche Automobil Holding SE

    Vorwurf: Marktmanipulation
    Forderung: umgerechnet 185 Mio. €

    Stand: Seit 24 Monaten anhängig, Entscheidung könnte im Februar fallen.

Klagen können eine Bedrohung für Porsche darstellen

Werden die Richter Wiedekings und Härters Methoden am Ende als clever oder als einen Verstoß gegen das Aktiengesetz werten, mithin den Schadensersatzklagen stattgeben? Der Augsburger Wirtschaftsrechtsprofessor Thomas Möllers hat einen ersten wissenschaftlichen Überblick über die Verfahren und die Argumente von Klägern und Beklagten erstellt. Die Studie soll bald veröffentlicht werden. Möllers zählt zu den renommiertesten Wirtschaftsrechtlern in Deutschland. Seine Unabhängigkeit steht außer Frage – er arbeitet weder für Porsche noch für einen der Kläger.

Zwar will sich Möllers nicht festlegen, wie die Verfahren ausgehen. Doch letztendlich kommt er zu dem Fazit, dass die Klagen für Porsche durchaus eine Bedrohung darstellten. „Die Chancen der Kläger stehen 50 zu 50“, sagt Möllers gegenüber der WirtschaftsWoche. Ein solches Prozessrisiko bei aktienrechtlichen Schadensersatzklagen sei „in Deutschland ein hoher Wert“.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%