VW-Aktie: Günstig - aber gefährlich

VW-Aktie: Günstig - aber gefährlich

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Die VW-Aktie zuckt nach jedem neuen Detail, das zur Abgaskrise ans Licht kommt. Daran haben nur Zocker Spaß, Anleger sollten VW noch meiden.

von Sebastian Kirsch

Die Volkswagen-Aktien wirkt nach den Kursrückschlägen günstig. Anleger, die jetzt auf eine schnelle Erholung spekulieren, könnte die Entscheidung aber teuer zu stehen kommen.

Martin Winterkorn ist weg. Die Zeichen stehen auf Neuanfang. Frank Schwope, Auto-Analyst bei der NordLB, schätzt die Volkswagen-Aktien deshalb weiter als Kauf ein. „Wir rechnen aktuell mit einer Gegenbewegung zu den Verlusten aus dieser Woche und belassen die Aktie auf Kaufen.“

Diese Gegenbewegung zeigte sich am Donnerstagmorgen bereits. Während Anleger unmittelbar nach dem Rücktritt von Martin Winterkorn verhalten reagierten, und die Aktie weder nach oben noch nach unten schoben, ging es am Morgen danach für die Aktie ins Plus. „Heute ist der Neuanfang glaubwürdiger“, sagt Schwope. Volkswagen gewann bis zum Mittag etwa fünf Prozent.

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Dennoch: Auch Schwope senkte am Donnerstag sein Kursziel für VW bereits zum zweiten Mal in dieser Woche, von 155 Euro auf 135 Euro je Aktie. Damit prognostiziert er, wo der Aktienkurs in einem Jahr stehen könnte. Und so überlegen nun auch viele Anleger, ob sie nach den heftigen Rücksetzern bei Volkswagen in dieser Woche eine scheinbar einmalige Einstiegsgelegenheit für den Dax-Konzern wahrnehmen sollen.

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Auf das Dieselgate folgt der Winterkorn-Rücktritt: Wie das System Volkswagen über Jahre funktionierte, welche Rolle die USA spielen und wie Deutschlands größter Autobauer sich neu erfinden muss.

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Doch so einfach funktioniert es an der Börse nicht, geschädigtes Vertrauen wieder aufzubauen. Aktionäre, die ob der vermeintlich günstigen Einstiegskurse jetzt auf eine schnelle Erholung bei Volkswagen spekulieren, sollten vorsichtig sein. Auch wenn ein für 2015 geschätztes Kursgewinn-Verhältnis von 4,9 für den Dax-Konzern verlockend klingt.

Wer jetzt bei VW einsteigt, spekuliert. Jede Einschätzung zu zukünftigen Erträgen ist verfrüht, das Ausmaß der Krise nicht abzuschätzen. Das Vertrauen in die gesamte Automobilbranche ist erschüttert. Als an diesem Donnerstag bekannt wurde, dass bei einem Test eines BMW X3 auch höhere Abgaswerte gemessen wurden, als nach Euro-6-Grenzwerten zulässig sind, ging es für die BMW-Aktie sechs Prozent ins Minus. Dabei gibt es bislang überhaupt keine Anzeichen auf bewusste Manipulation, wie im Falle VW. Und sogar Daimler, die bislang überhaupt nicht mit möglichen Grenzwert-Überschreitungen in Verbindung gebracht wurden, musste ein Minus der Aktie von fünf Prozent hinnehmen. Derzeit führt jede kleinste Nachricht zu heftigen Kursausschlägen bei allen Automobilwerten.

Börse quittiert auch kleinste Meldungen im Fall VW

Auch erneut bei Volkswagen. Der Konzern hatte am Donnerstagmittag der von Verkehrsminister Alexander Dobrindt eingesetzten Untersuchungskommission mitgeteilt, dass auch in Europa manipulierte Software zur Steuerung der Abgaswerte zum Einsatz kam. Das hätte jedem Investor schon Anfang der Woche klar sein müssen, als VW in seiner Adhoc-Mitteilung erklärte, weltweit seien elf Millionen Fahrzeuge betroffen. Anleger reagierten auf die neue Meldung dennoch nervös: Nach dem Kursanstieg als Folge des Winterkorn-Rücktritts fiel die Aktie am Mittag wieder deutlich nach unten, konnte gerade noch ein Prozent Plus gegenüber dem Vortag verteidigen.

Dabei bahnte sich im Sommer an, worauf Volkswagen bereits lange hinarbeitet: größter Autohersteller weltweit noch vor Toyota zu sein. In diesem Jahr hätte es soweit sein können. VW verkaufte mit 5,04 Millionen Autos im ersten Halbjahr 200.000 Autos mehr als Toyota. Der Traum aus dem ersten Halbjahr scheint nun ausgeträumt. „Die Zielsetzung, Weltmarktführer zu werden, war ohnehin nur ein Marketingziel. Davon kann sich der Konzern nun aber verabschieden. VW steckt in einer massiven Krise.“

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