VW-Aktie stürzt ab: Volkswagen verliert 15 Milliarden an Börsenwert

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VW-Aktie stürzt ab: Volkswagen verliert 15 Milliarden an Börsenwert

, aktualisiert 21. September 2015, 16:27 Uhr
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Der Skandal um VW belastet auch den Frankfurter Börsenbarometer Dax

Nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulation in den USA verliert die VW-Aktie zeitweise mehr als 20 Prozent. Es drohen Milliardenbußen, Zivilklagen, Anlegeraufstand und Führungswechsel. Ist die Aktie jetzt billig?

Einen Kurssturz von 20 Prozent und mehr ist bei den Schwergewichten im Aktienindex Dax eine Seltenheit. Dass es ausgerechnet Deutschlands Vorzeige-Autobauer Volkswagen trifft ist für viele Börsianer ein Alarmsignal. Die Kursverluste der VW-Aktie belasten auch andere Autohersteller wie Daimler oder Zulieferer wie Elring-Klinger sowie den Dax insgesamt. Nun geht unter Anlegern die Angst um: Kommen noch mehr schlechte Nachrichten? Haben auch andere Hersteller manipuliert? Auch in Europa? Oder ist das eine einmalige Gelegenheit, VW-Aktien günstig wie lange nicht zu kaufen?

Das Eingeständnis von Abgas-Manipulationen in den USA hat die Volkswagen-Aktie zum Beginn der Handelswoche abstürzen lassen. Die VW-Stammaktie (WKN 766400) fiel in gegenüber Freitag um bis zu 21,5 Prozent und konnte sich bis zum Nachmittag (Stand 15:00 Uhr) nur leicht erholen. Mit einem Kurs von 132,20 lag sie noch immer mehr als 18 Prozent im Minus. Die stimmrechtslosen Vorzugsaktien (WKN 766403) erwischte es noch schlimmer: Sie fiel in der Spitze um 22,8 Prozent und lag am Nachmittag bei einem Kurs von 130 Euro noch immer knapp 20 Prozent im Minus.

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Durch die Kursverluste ist der Börsenwert von Volkswagen über Stamm- und Vorzugsaktien gerechnet um insgesamt 15 Milliarden Euro geschmolzen, von knapp 77 auf nur noch 61,8 Milliarden Euro. Die Analysten überschlagen sich: Die Deutsche Bank belässt es demonstrativ bei Ihrer Kaufempfehlung mit Kursziel 260 Euro solange keine Details bekannt sind, die Analysten von S&P Capital IQ belassen die Empfehlung für das Papier auf "halten" und senken das Kursziel von 195 auf 133 Euro. Auch die NordLB bleibt bei ihrer Einstufung "Kaufen", reduziert das Kursziel allerdings von 210 auf 155 Euro. Analyst Frank Schwope kommentiert, die Kursreaktion sei übertrieben und dürfte in den kommenden Tagen zur einer Gegenreaktion führen. Das Analysehaus Kepler Chevreux verabschiedet sich hingegen von seiner bisherigen Kaufempfehlung, senkt das Kursziel von 255 auf 185 Euro drastisch und betont, das Ausmaß des Schaden sein noch nicht absehbar.

Stimmen zum Abgas-Skandal bei VW

  • Bernd Osterloh, VW-Betriebsratschef

    Osterloh fordert im Skandal um manipulierte Abgastests in den USA ein entschiedenes Durchgreifen auch innerhalb des Konzerns. „Das muss jetzt mit aller Konsequenz und Offenheit aufgeklärt werden; und wir müssen Konsequenzen daraus ziehen“, sagte er dem Magazin „Stern“. Die Verantwortlichen müssten zur Rechenschaft gezogen werden. Osterloh, der als einer der mächtigsten Männer bei Volkswagen auch Mitglied des Aufsichtsrats ist, äußerte sich geschockt über die Vorwürfe und forderte: „Wir müssen verloren gegangenes Vertrauen bei unseren Kunden zurückgewinnen.“ Vor allem Konzernchef Martin Winterkorn stehe dabei nun in der Pflicht.

  • Stephan Weil, Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Kontrolleur

    „Eine Manipulation von Emissionstests ist völlig inakzeptabel und durch nichts zu rechtfertigen“, sagte der SPD-Politiker, der als amtierender Regierungschef in Niedersachsen Mitglied im Präsidium des Aufsichtsrates von VW ist. „Es muss selbstverständlicher Anspruch des VW-Konzerns sein, die gesetzlichen Vorschriften einzuhalten.“ Er habe die Nachricht "mit Besorgnis zur Kenntnis genommen. Die gegen VW in den USA erhobenen Vorwürfe wiegen schwer“, sagte Weil. Er gehe davon aus, dass diese Vorfälle „schnell und gründlich aufgeklärt werden. Erst danach kann über mögliche Folgen entschieden werden."

  • Angela Merkel, Bundeskanzlerin

    Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine rasche und volle Aufklärung der Abgas-Manipulationen des Volkswagen-Konzerns gefordert. Merkel sprach sich „angesichts der schwierigen Lage“ für „volle Transparenz“ aus und forderte: „Ich hoffe, dass möglichst schnell die Fakten auch auf den Tisch kommen.“

  • Sigmar Gabriel, Wirtschaftsminister

    Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Abgas-Manipulationen scharf kritisiert. Der Vizekanzler geht aber von keinem nachhaltigen Schaden für die deutsche Industrie insgesamt aus. „Dass das ein schlimmer Vorfall ist, ist glaube ich klar“.Natürlich gebe es Sorge, dass der exzellente Ruf der deutschen Automobilindustrie und vor allem von Volkswagen darunter leidet: „Ich bin aber sicher, dass das Unternehmen schnell und restlos den Fall aufklären und die denkbar eingetreten Schäden wieder gut machen wird.“ Der Fall sei aber nicht typisch. „Der Begriff „Made in Germany“ ist weltweit ein Qualitätsbegriff.“ Deshalb müsse schnell aufgeklärt werden: „Aber ich glaube nicht, dass das ein dauerhafter und prinzipieller Schaden für die deutsche Industrie ist.“ Gabriel sprach sich dafür aus, Messfehler oder Manipulationen vielleicht einmal insgesamt zu überprüfen.

  • Umweltministerium

    Die Bundesregierung fordert von den Autoherstellern „belastbare Informationen“, um mögliche Manipulationen bei Abgastests auch in Deutschland prüfen zu können. Diese Überprüfung müsse durch das Kraftfahrtbundesamt vorgenommen werden, sagte ein Sprecher des Umweltministeriums. Er forderte zudem die Hersteller auf, eng mit den US-Behörden zusammenzuarbeiten, um eine „lückenlose Aufklärung“ zu ermöglichen. Der Sprecher sagte, seinem Haus lägen „keine weiteren Kenntnisse über mögliche Schummeleien deutscher Automobilproduzenten vor“.

  • Alexander Dobrindt, Verkehrsminister

    CSU-Verkehrsminister Alexander Dobrindt hat Volkswagen aufgefordert, Kunden "vollumfänglich aufzuklären", um dadurch Vertrauen zurückzugewinnen. Er betonte, die Regierung wolle selbst aktiv dafür sorgen, dass derartige Manipulationen in Zukunft nicht wieder vorkämen.

  • Ferdinand Dudenhöffer, Autoexperte

    Volkswagen-Chef Martin Winterkorn kann nach Meinung von Autofachmann Ferdinand Dudenhöffer angesichts des Abgas-Skandals in den USA nicht im Amt bleiben. Winterkorn, in dessen Verantwortung auch die konzernweite Forschung und Entwicklung falle, habe entweder von den Manipulationen gewusst oder aber er sei ahnungslos und habe seinen Geschäftsbereich nicht im Griff, sagte der Direktor des CAR-Instituts der Universität Duisburg-Essen der „Frankfurter Rundschau“. „In beiden Fällen würde ich sagen, dass Winterkorn an der Konzernspitze nicht mehr tragbar ist.“ Der „Westdeutschen Allgemeinen“ sagte er: „Jeder Politiker könnte bei einer solchen Angelegenheit nicht in seinem Amt bleiben.“

  • TÜV Süd

    In Europa werden die Auto-Abgaswerte nach Angaben des TÜV Süd bereits während der Produktion streng überwacht. „Da gibt es klare Regeln“, sagte ein Sprecher. Für alle Fahrzeuge, die in der EU zugelassen werden sollen, müssten die Hersteller externe Kontrollen sicherstellen. „Die Fahrzeuge werden nach dem Zufallsprinzip vom Band genommen und kontrolliert“, sagte er. Allein der TÜV Süd nehme pro Jahr mehr als tausend dieser Kontrollen vor.

  • BMW

    BMW ist nach eigenen Angaben von dem Skandal nicht betroffen. Bei Überprüfungen eines Dieselfahrzeugs habe es keine auffälligen Abweichungen der Werte gegeben, erklärte das Unternehmen. Bei BMW habe sich die EPA nicht gemeldet, hieß es in München. Wie sich der Skandal auf den Absatz von Diesel-Fahrzeugen in den USA auswirken werde, lässt sich nach Einschätzung von BMW noch nicht beurteilen. Für BMW machen diese Fahrzeuge bislang erst einen kleinen Anteil aus: In den letzten Jahren habe der Absatz von Dieselwagen in den USA drei bis sechs Prozent des gesamten Absatzes ausgemacht - höchstens rund 20.000 Fahrzeuge jährlich.

  • Daimler

    Daimler ist nach eigenen Angaben nicht von den Ermittlungen der US-Umweltschutzbehörde EPA wegen Abgas-Manipulationen betroffen. "Es gibt nach unseren Erkenntnissen keine Untersuchungen zu Mercedes-Benz", teilte der Stuttgarter Konzern am Montag mit.

  • DIW

    Nach Meinung von Experten des DIW wird der VW-Abgasskandal im schlimmsten Fall auch die deutsche Konjunktur belasten. "Die Autoindustrie ist technologisch eine der Schlüsselbranchen, es ist die Leitindustrie schlechthin in Deutschland", sagt Industrieexperte Martin Gornig vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. "Wenn es zu Absatzeinbußen kommt, könnte es auch Zulieferer treffen und damit die gesamte Wirtschaft."

  • BDI

    Ulrich Grillo, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, hat von VW eine schnelle Aufklärung des Abgasskandals gefordert. "Wir kritisieren jegliche Manipulation scharf", sagte er. "Jedes Unternehmen muss sich an die geltenden Regeln halten." Er begrüße aber, dass VW die Vorwürfe von unabhängigen Fachleuten prüfen lassen wolle. "Jedes Fehlverhalten muss lückenlos aufgeklärt werden. Jetzt helfen nur Transparenz, Offenheit und Tempo."

Tatsächlich drohen Volkswagen tiefgreifende Konsequenzen. VW-Chef Martin Winterkorn kündigte bereits am Sonntag eine externe Untersuchung der Vorgänge an. Die US-Umweltschutzbehörde EPA verdächtigt VW, bei zahlreichen Diesel-Fahrzeugen die offiziellen Abgastest willentlich manipuliert zu haben. Fast eine halbe Million Autos sind von einem Rückruf bedroht. Für den Konzern könnte dies nach Angaben der Behörde eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar nach sich ziehen. Sogar eine strafrechtliche Verfolgung ist nicht ausgeschlossen, zudem drohen auf Klagen von Anlegern, die sich durch von VW zurückgehaltene Informationen zu den Ermittlungen getäuscht fühlen. Zudem dürfte der immense Imageschaden die Verkaufszahlen in den USA und Europa belasten. Der Stuhl von Winterkorn beginnt zu wackeln. Am kommenden Freitag sollte auf der turnusmäßigen Aufsichtsratssitzung sein Vertrag vorzeitig verlängert werden.

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