Wacklige Börsengänge: Börsenkandidaten zittern um IPO-Termin

Wacklige Börsengänge: Börsenkandidaten zittern um IPO-Termin

Erst enttäuschten Zalando und Rocket Internet beim Börsengang, nun brechen die Aktienmärkte ein. Für Börsenkandidaten wie Scout24 oder TLG sind das riskante Startbedingungen. Mit Rückziehern ist zu rechnen.

Vielleicht ist es doch noch nicht zu spät: Die deutsche Biotech-Firma Probiodrug will trotz der jüngsten Kurseinbrüche an Europas Aktienmärkten an ihrem geplanten Börsengang festhalten. Das 1997 gegründete, auf die Alzheimer-Forschung spezialisierte Unternehmen aus Halle (Saale) will mit der Ausgabe von maximal 1,7 Millionen neuen Aktien bis zu 32 Millionen Euro einnehmen. Priobiodrug strebt an die Amsterdamer Börse Euronext. Rund die Hälfte der neuen Papiere wollen die bisherigen Wagniskapital-Finanzierer zeichnen. Die Zeichnungsfrist hat am 13. Oktober begonnen und läuft bis zum 23. Oktober, die Preisspanne liegt bei 15,25 bis 19 Euro. Für den 27. Oktober ist die Erstnotiz geplant.

So viel Zuversicht, dass der Börsengang gelingt, ist angesichts der aus Anlegersicht gescheiterten Börsengänge der Internetunternehmen Zalando und Rocket Internet und angesichts der deutlich eingetrübten Stimmung am Aktienmarkt eigentlich nur ignoranter Sturheit oder übersteigertem Selbstbewusstsein zu erklären. Für Börsengänge, die im Angelsächsischen kurz IPOs (initial public offerings) genannt werden, sind die Aussichten inzwischen wieder deutlich schlechter als noch vor ein oder zwei Monaten. Noch im September notierten die Börsen in New York und Frankfurt nah an ihren Rekordständen, dem chinesischen Internetkonzern Alibaba gelang sogar mit einem Erlös von 25 Milliarden Dollar an der Wall Street der größte Börsengang aller Zeiten. Die Aktie notiert auch drei Wochen nach ihrem Debüt gegenüber ihrem Ausgabepreis gut 25 Prozent im Plus, seit der Erstnotiz hat sie nur 1,5 Prozent eingebüßt.

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Aber nur zwei Wochen nach dem Alibaba-Start war von der Begeisterung über Aktien nur noch wenig übrig. Die mit Milliardenbewertungen gestarteten Börsenneulinge Zalando und Rocket Internet verloren seit ihrem Handelsstart auf dem Frankfurter Parkett Anfang Oktober beide zeitweise 20 Prozent ihres Börsenwertes ein. Und in der vergangenen Woche beschleunigte sich an der Börse die Talfahrt. In nur drei Wochen sind die Leitindizes Dow Jones Industrial um gut fünf Prozent, im Frankfurter Dax sogar um gut zehn Prozent gefallen. Erstmals seit einem notiert der Dax wieder deutlich unter 9000 Punkten.

Unter diesen Voraussetzungen ist es höchst fraglich, ob die bereits angekündigten Börsengänge tatsächlich noch stattfinden. Bei soviel Verkaufsdruck ist es eigentlich keine gute Idee, an die Börse zu gehen. Die Gefahr, das Unternehmen ihre Anteile unter Wert am Aktienmarkt platzieren oder der Börsengang nicht soviel Geld wie erwartet erlöst, ist deutlich gestiegen.

Kursverluste beim Börsengang Crash für Börsenneuling Rocket Internet

Beim Börsengang von Rocket Internet kommt die Aktie zum Handelsstart nicht über den Ausgabepreis hinaus - und rutscht wenig später um 13 Prozent ins Minus. Statt Traumstart gab es eine Bruchlandung.

Rocket Internet, Beteiligungsfirma und Internet-Inkubator der Samwer-Brüder, startete seine Börsennotiz am 2. Oktober. Quelle: REUTERS

Die ersten Börsenaspiranten treten bereits auf die Bremse. Der Online-Marktplatzbetreiber Scout24 und die Gewerbeimmobilien-Firma TLG Immobilien wollen noch einige Tage abwarten, ehe sie ihre weit gediehenen Vorbereitungen für einen Börsengang fortsetzen. "Es macht überhaupt keinen Sinn, die Aktien gegen die Stimmung am Markt an die Börse zu drücken", sagte einer der Insider gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Auch eine Verkleinerung des emittierten Aktienvolumens sei möglich.

TLG Immobilien hatte den Börsengang vor zwei Wochen schon angekündigt, der Börsenprospekt wäre eigentlich in dieser Woche fällig gewesen. Nun zögert der US-Finanzinvestor Lone Star aber mit der Veröffentlichung, die die Zeichnungsfrist einläutet. Der TLG-Eigentümer hatte vor drei Jahren bei der Privatisierung der Treuhand-Liegenschaftsgesellschaft (TLG) den Zuschlag bekommen und wollte nun den Einstieg in den Ausstieg schaffen. "Lone Star wird das nicht um jeden Preis machen", sagte ein Banker. "Wenn man jetzt an die Börse geht, ist es mutig. Macht man es nicht, wird das niemand kritisieren." Scout24 und TLG können den Start noch bis Ende Oktober hinauszögern, ohne aus rechtlichen Gründen mit den Vorbereitungen von vorne anfangen zu müssen.

Der Berliner Kabelanbieter Tele Columbus lässt sich dagegen bei seinen Börsenplänen nicht beirren: Der Prospekt solle wie geplant Ende der Woche veröffentlicht werden, sagten mehrere Insider. Von Anfang kommender Woche an könnten die Tele-Columbus-Aktien dann gezeichnet werden. Die Emission könnte rund 500 Millionen Euro schwer werden. Das Unternehmen gehört einer Vielzahl von Banken und Hedgefonds, die billig bei Tele Columbus eingestiegen waren. Sie würden doppelt profitieren: sowohl durch eine hohe Börsenbewertung ihrer Anteile als auch durch die Option, eigene Anteile später einfach über die Börse zu verkaufen und so aus ihren Investments wieder auszusteigen.

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