
Japan kann ein Lied davon singen. Carry Trades haben den Wechselkurs des Yen jahrelang gedrückt, ganz abgekoppelt von fundamentalen Wirtschaftsdaten. Bei diesen Trades nehmen Investoren Kredite zu niedrigen Zinsen in Yen oder eben in Euro auf und investieren das Geld in höherverzinste Währungen – etwa aktuell in australische Dollar. Ist die Spirale erst einmal in Gang gesetzt, ist es schwer sie zu stoppen. Gewinner sind die Währungen, in die investiert wird. Sie werden zusätzlich aufgewertet, stärker. (Was jedoch die heimische Wirtschaft gefährden kann, sollte sie viel exportieren.)
Die Weltwährung US-Dollar wird Experten zufolge von der Eurokrise allerdings nicht profitieren können – jedenfalls nicht langfristig. "Bis Ende 2012 könnte der Dollar sogar zur weicheren Währung werden, falls die US-Notenbank aufgrund der Wachstumsverlangsamung die Dollar-Liquidität ausweitet oder falls ein erneutes Gerangel um die US-Schuldenobergrenze die Anleger verunsichert", glauben etwa die Analysten der Schweizer Bank Sarasin. Ihre Heimatwährung, der Franken, ist ebenfalls keine wirkliche Alternative, wenn es nach den Bankern aus Basel geht. "Die Schweizerische Nationalbank wird an der Untergrenze des Eurokurses festhalten und eine weitere Aufwertung des Schweizer Franken verhindern." Auch die Dänische Krone ist an den Euro gekoppelt. Was bleibt?
Schweden und Norwegen gelten als sicherer Hafen
Bild: dpaDer Wert des Euros schmilzt - so sehen derzeit viele Experten die Zukunft des Euros. Die Probleme der Währungsunion, insbesondere in den Staaten Portugal, Italien, Spanien und Griechenland sorgen für die pessimistischen Prognosen. Doch wie sich der Euro gegenüber anderen Währungen wirklich geschlagen hat, kann nur ein Blick auf die Zahlen verraten.
Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang.
Bild: ReutersReal (Brasilien)
Das rasante Wachstum ist vorbei. Ausländische Investoren ziehen ihr Kapital ab. Der Aktienmarkt knickt ein. Brasilien kann sich der Krise im Rest der Welt nicht entziehen. Die brasilianische Notenbank hat zur Stützung der Wirtschaft den Leitzins auf ein Rekordtief gesenkt. Dadurch hat der brasilianische Real sogar gegen den Euro verloren.
Real/Euro: - 5,2 Prozent
Bild: dapdPeso (Argentinien)
Argentinien sorgte in letzter Zeit mit der staatlichen Übernahme der Repsol-Tochter YPE international für Aufsehen. Das südamerikanische Land braucht wieder mal dringend Geld. Es hat seit Jahren mit einer hohen Geldentwertung zu kämpfen. Die Inflationsrate lag 2011 bei fast zehn Prozent. Das Land ist seit 1985 einer der größten Dauerkreditnehmer beim IWF. Argentinien war in seiner Geschichte bereits fünfmal Pleite.
Pesos/Euro: - 3,1 Prozent
Bild: ReutersRupie (Indien)
Die indische Währung befindet sich seit Monaten auf Talfahrt. Ein Grund dafür ist die wachsende Zurückhaltung ausländischer Investoren gegenüber Indien, dessen Wirtschaft im ersten Quartal mit einer Wachstumsrate von 5,3 Prozent den geringsten Zuwachs in neun Jahren verzeichnete. Die Ratingagentur S&P sieht bei Indien schwächeres Wachstum und mangelnder Reformeifer. Dem Land droht eine Herabstufung.
Rupie/Euro: - 2,1 Prozent
Bild: apRubel (Russland)
Die Sorge um eine globale Abschwächung der Wirtschaftsdynamik dürfte den Öl- und Gaspreis weiter belasten. Davon ist die russische Wirtschaft sehr stark abhängig. Etwa die Hälfte des Steuereinkommens generiert der Staat aus dem Energiesektor.
Den ganzen Mai befand sich der Rubel im freien Fall. Inzwischen hat sich der Rubel-Kurs zwar wieder gefangen. Doch der Wertverlust weckte in Russland Erinnerungen an die Rubel-Krise von 1998.
Rubel/Euro: - 1,5 Prozent
Bild: ReutersYen (Japan)
Japans Wirtschaft durchlief in seiner jüngsten Geschichte immer wieder Phasen der Deflation. Seit 2009 befindet sich die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt wieder in so einer Deflationsphase. Diese soll Schätzungen zufolge allerdings 2012 beendet werden können. Dennoch sind die Probleme von Japans Wirtschaft kaum zu übersehen. Die Staatsverschuldung betrug 2011 immerhin 230 Prozent des BIP.
Yen/Euro: - 1,3 Prozent
Bild: dpaFranken (Schweiz)
Der Schweizer Franken gilt als eine der letzten harten Währungen der Welt, als sichere Reserve für Investoren. Das hat dem Franken im vergangenen Jahr so viel Zulauf beschert, dass die Schweizer Unternehmen erhebliche Wettbewerbsnachteile erlitten und Touristen die Schweiz mieden. Der Schweizer Nationalbank (SNB) wurde es irgendwann zu viel. Sie versuchte die Franken-Rally erst mit Liquiditätsspritzen für die Märkte zu stoppen. Als das nicht funktionierte, koppelte sie die Landeswährung an den Euro. Sie werde keine Kurse unter 1,20 Franken je Euro zulassen, erklärte die SNB. Die Maßnahme ließ den Franken zwar im Jahr 2011 nachgeben, allerdings holt er diese Verluste wieder auf.
Franken/Euro: + 1,2 Prozent
Bild: dapdAustralischer Dollar
Australien ist vergleichsweise glimpflich durch die Finanzmarktkrise 2008 gekommen und wächst seitdem kontinuierlich weiter. Doch auch die Inflationsraten steigen seit 2009. Zuletzt lag die Inflation bei 3,5 Prozent.
Australischer Dollar/Euro: + 2,1 Prozent
Bild: ReutersKanadischer Dollar
Kanada, dessen nominelles Staatsoberhaupt Queen Elizabeth ist, gehört zu den Ländern mit den größten Rohstoffvorkommen. Vor allem Öl und Diamanten findet man im nördlich über den USA gelegenen Land in reichlichen Mengen. Das Bruttoinlandsprodukt von Kanada steigt, bis auf einen kleinen Knick von 2008 auf 2009, unaufhörlich weiter. 2011 betrug das BIP rund 1.759 Milliarden US-Dollar. Einzig die letzter Zeit stark gestiegene Inflation stört ein wenig die Bilanz. Lag die Inflationsrate 2009 noch bei knapp 0,3 Prozent, betrug sie zwei Jahre später schon 2,9 Prozent.
Kanadischer Dollar/Euro: + 2,3 Prozent
Bild: Notenbank NorwegenNorwegische Krone
Norwegens Wirtschaft gehört zu den stabilsten in Europa. Hohe Einnahmen aus der Erdölindustrie und gleichzeitig eine niedrige Staatsverschuldung von gerade einmal 48 Prozent des BIP lassen Norwegen gut aussehen. Das lässt sich auch an der norwegischen Krone ablesen. Sie hat im Vergleich zum Euro seit Jahresanfang eine positive Bilanz.
Krone/Euro: + 2,4 Prozent
Der Wert des Euros schmilzt - so sehen derzeit viele Experten die Zukunft des Euros. Die Probleme der Währungsunion, insbesondere in den Staaten Portugal, Italien, Spanien und Griechenland sorgen für die pessimistischen Prognosen. Doch wie sich der Euro gegenüber anderen Währungen wirklich geschlagen hat, kann nur ein Blick auf die Zahlen verraten.
Alle Kursangaben zeigen die Veränderung seit Jahresanfang.
Die „guten“ Währungen sind im hohen Norden Europas zu finden. Der Wechselkurs der Schwedischen Krone notiert gegenüber dem Euro auf dem niedrigsten Niveau seit elf Jahren. Ist also stark aufgewertet worden. Der Grund dafür sind die gesunden Staatsfinanzen der Schweden. Schweden und sein Nachbarland Norwegen haben schließlich auch die höchsten Bonitätsnoten der Ratingagenturen inne: Aaa bei Moody`s und AAA bei S&P. Sie gelten als sicherer Hafen. Kleinanleger können auf diese etwa ganz simple per Fremdwährungskonto setzen.
Und Bundesanleihen? Die Rendite von zehn Jahre Laufenden liegt bei 1,3 Prozent. Der Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank auf 0,75 Prozent sei Dank. Zum Vergleich: Spaniens 10-Jährige rentieren mit sieben Prozent. Sechsmonatige Bundesschatzanweisungen versteigerte der Deutschland sogar mit einer negativen Rendite von minus 0,034 Prozent. Und als wäre das nicht genug: EZB-Präsident Mario Draghi kann sich offenbar auch noch weitere Zinssenkungen vorstellen, wie er jüngst durchblicken ließ. Die Carry Trader freuen sich.






















