Währungshandel: Notenbanken vermiesen Händlern das Geschäft

Währungshandel: Notenbanken vermiesen Händlern das Geschäft

, aktualisiert 06. Oktober 2016, 08:54 Uhr
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Eine Euro-Münze steht auf einer US-Dollar-Note: Eine steigende Anzahl von Investoren und Händlern sagt, dass sich der Euro-Dollar-Kurs so wenig bewegt, dass es sich nicht lohnt, sich damit zu beschäftigen.

Quelle:Handelsblatt Online

Täglich werden am Devisenmarkt 4,5 Milliarden Euro umgesetzt, aber die Händler erleben eine extreme Verlustserie. Auch das populärste Währungspaar der Welt verschafft ihnen keine Atempause - weil es sich kaum bewegt.

LondonIm abgelaufenen Quartal hatte sich der Euro in der engsten Spanne aller Zeiten zum Dollar bewegt. Das verdeutlicht die wohl größte Herausforderung, vor der Händler standen: Die für sie gewinnbringende Volatilität, die Schwankungen zwischen den einzelnen Währungen, ging am gesamten Devisenmarkt zurück, an dem täglich 5,1 Billionen Dollar (rund 4,5 Milliarden Euro) umgesetzt werden. Das sorgte dafür, dass ein Index für die Erträge der besten Fonds im September bereits den siebten Monat in Folge nachgab.

Der Knackpunkt sind vor allem die Zentralbanken. Der Divergenz-Handel, wonach sich die Federal Reserve mit Zinserhöhungen von ihren wichtigsten Konkurrenten absetzt und den Dollar nach oben schickt, gerät ins Stocken. Eine lustlose US-Konjunktur zwingt die dortigen Notenbanker, die Straffung aufzuschieben.

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Der Euro trat zuletzt auf der Stelle. Investoren kamen zu dem Schluss, dass der Europäischen Zentralbank (EZB) die Munition ausgeht, um die Geldmenge auszuweiten. Das trübe Bild breitete sich sogar auf den Yen aus, der unter den Währungen der Industriestaaten in diesem Jahr die beste Entwicklung aufwies. Händler versuchen, sich einen Reim auf die jüngsten Maßnahmen der japanischen Notenbank zu machen.

„Die meisten dieser Manager schnitten ziemlich gut ab, als sie sich 2014 und 2015 den Wetten auf einen steigenden Dollar anschlossen“, sagt Ugo Lancioni, Vermögensverwalter in London bei Neuberger Berman Group LLC. „Aber jetzt, wo es keinen Trend gibt, haben sie zu kämpfen.“

Eine steigende Anzahl von Investoren und Händlern sagt, dass sich der Euro-Dollar-Kurs so wenig bewegt, dass es sich nicht lohnt, sich damit zu beschäftigen. Prognosen aus einer Umfrage von Bloomberg zeigen, dass sich das Währungspaar bis 2018 nicht mehr als rund ein Cent von seiner Spanne aus dem dritten Quartal entfernen wird. Diese lag bei 1,0952 Dollar bis 1,1366 Dollar und ist die engste Spanne innerhalb eines Quartals seit Einführung der europäischen Gemeinschaftswährung im Jahr 1999.


Erträge auf dem Rückzug

„Wir sind weder in die eine noch in die andere Richtung im Bereich Euro-Dollar aktiv“, erklärt Roger Hallam, Investmentchef für Devisen bei JP Morgan Asset Management in London. „Der Markt macht sich langsam Gedanken um die Grenzen der Geldpolitik. Es gibt keinen echten Impuls dafür, dass der Euro aus jetziger Sicht signifikant schwächer gehandelt wird.“

Ein Volatilitätsmaß von JP Morgan Chase, das die Schwankungen von Währungen aufzeichnet, wies erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder in zwei direkt aufeinanderfolgenden Quartalen einen Rückgang auf. Er fiel auf 9,9 Prozent, verglichen mit über 12 Prozent im Juni - nachdem die Auswirkung des Brexit-Votums verblasste.

Der Parker Global Index für Erträge befindet sich ebenfalls weiter auf dem Rückzug und baute seine Verluste auf ein Minus von 3,5 Prozent im bisherigen Jahresverlauf aus, der stärkste Rückgang seit 2011. Die damit seit sieben Monaten währende Verlustserie ist die längste seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2003.

Der Momentum-Handel, also Trends wie einer erwarteten Dollar-Stärke zu folgen, hat seit Anfang Juli abgenommen, wie ein anderer Index der Deutschen Bank AG zeigt. Der Index ist seit Jahresbeginn um 2,4 Prozent gestiegen und läuft damit auf die schlechteste Entwicklung seit 2012 zu.

Für Ulf Lindahl, Chef von A.G. Bisset Associates LLC, wäre nach eigenen Angaben ein starker Anstieg des Euro nötig, um sich bei der Gemeinschaftswährung wieder einzukaufen. Das jedoch sei nur noch eine Frage der Zeit - denn der Euro habe sich schon zu lange seitwärts bewegt.

„Wir sind neutral beim Euro gegenüber dem Dollar, und das seit dem 1. August“, sagt Lindahl. „Aber wir sind vorbereitet, zu kaufen, wenn er sich höher bewegen sollte.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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