Wegen MLP-Einstieg 2008: AWD-Gründer Maschmeyer zahlt 2,9 Millionen Euro, Ermittlungen eingestellt

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Der AWD-Gründer Carsten Maschmeyer

von Annina Reimann

Hannoveraner Staatsanwälte stellten Ermittlungen gegen AWD-Gründer Carsten Maschmeyer ein – gegen Zahlung von 2,9 Millionen Euro. Der Investmentprofi sieht darin kein Schuldeingeständnis.

Die Staatsanwaltschaft Hannover hat nach einer Anzeige der Finanzaufsicht BaFin gegen den Gründer des Finanzvertriebes AWD, Carsten Maschmeyer, wegen Marktmanipulation ermittelt. Die Ermittlungen wurden im Januar eingestellt, nachdem Maschmeyer 2,9 Millionen Euro gezahlt hatte. Das Geld ging zu Teilen an eine wohltätige Organisation und an die Staatskasse. Anklage wurde nicht erhoben. Die Staatsanwaltschaft in Hannover bestätigte der WirtschaftsWoche, dass Maschmeyer in einem Verfahren als Beschuldigter geführt wurde und er auch die Millionensumme gezahlt habe. Eine Sprecherin der Finanzaufsicht BaFin sagte auf Anfrage, dass die Behörde in Sachen MLP Anzeige wegen Marktmanipulation erstattet habe. Die BaFin hatte den Fall zuvor drei Jahre lang bearbeitet. Maschmeyer teilte mit, dass die Staatsanwaltschaft „eine Geldauflage vorgeschlagen“ habe, da es nicht danach ausgesehen habe, dass sich der Anfangsverdacht in einem Verfahren erhärtet hätte. Es handle sich daher weder um eine Strafzahlung noch um ein Schuldeingeständnis.

Die Ermittlungen standen in Zusammenhang mit Maschmeyers Einstieg beim AWD-Konkurrenten MLP im Jahr 2008. Der Finanzprofi hatte ein MLP-Aktienpaket besessen, ohne dies zu melden. Damit könnte Maschmeyer gegen das Wertpapierhandelsgesetz verstoßen haben, nach dem Anteilseigner binnen vier Tagen öffentlich machen müssen, sobald sie bestimmte Schwellen – etwa von 3, 5 oder 20 Prozent der Stimmrechte – überschritten haben. Im August 2008 hatte Maschmeyer bekannt gegeben, dass er Zugriff auf 26,74 Prozent der MLP-Aktien habe. Seine Aktien reichte Maschmeyer an den Schweizer Versicherer Swiss Life weiter, der auch AWD gekauft hatte.

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Im Fokus der Staatsanwaltschaft standen zwei der Meldeschwellen: drei und 25 Prozent der Stimmrechte. Gegenüber der WirtschaftsWoche gab Maschmeyer an, für „unter 24 Stunden“ die Drei-Prozent-Meldeschwelle überschritten zu haben. Er habe Anfang 2008 rund 2,9 Prozent der MLP-Anteile gekauft. Als MLP dann im März eigene Aktien zurückkaufte, sei sein Anteil an MLP über Nacht auf über drei Prozent gestiegen. Er habe daraufhin Aktien verkauft, so dass die vorherige Beteiligung wieder hergestellt worden sei. Maschmeyer räumte ein, dass keine „rückwirkende Meldung dieser passiven Überschreitung der Meldeschwelle“ erfolgt sei. Diese Darstellung deckt sich mit jener der Staatsanwaltschaft. Maschmeyers Anteil soll demnach kurzzeitig bei 3,06 Prozent gelegen haben.

Zusätzlich allerdings hatte es wohl Streit darum gegeben, ob Maschmeyer über Dritte Zugriff auf mehr als 25 Prozent der MLP-Aktien hatte. Falls ja, wären die Stimmrechte ihm zuzurechnen gewesen. Laut einem Sprecher der Staatsanwaltschaft stand der Verdacht im Raum, ob Finanzdienstleister und Privatpersonen im Auftrag von Maschmeyer Aktien gekauft hatten. Die Frage war, ob es zwischen Maschmeyer und den Dritten Absprachen über Zugriff auf Aktienpakete gegeben hatte. Namen von Instituten nannte der Sprecher nicht. Maschmeyer sagte der Wirtschaftswoche dazu, dass die Behauptung, er habe über Dritte Zugriff auf mehr als 25 Prozent der MLP-Aktien gehabt, sich nicht bestätigt habe, die Ermittlungen seien deshalb eingestellt worden. Ein größeres Paket soll Maschmeyer allerdings von der Berenberg Bank bekommen haben. Die Bank hatte am 17. Juli 2008 10,16 Prozent der Stimmrechte gemeldet, kurz bevor Maschmeyer seinen Einstieg verkündet hatte. Die Bank wollte sich nicht zu ihren Geschäften äußern.
Wenn Aufkäufer melden, dass sie bestimmte Aktienpakete zusammen haben, steigen in der Regel die Kurse, sodass Erwerb weiterer Aktien für sie teurer wird. Weil Meldungen über Anteilskäufe also Kurse bewegen können, können Verletzungen von Meldepflichten als Marktmanipulation verfolgt werden.

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8 Kommentare zu Wegen MLP-Einstieg 2008: AWD-Gründer Maschmeyer zahlt 2,9 Millionen Euro, Ermittlungen eingestellt

  • Warum ist der Mann nicht im Gefängnis? Es scheint wieder wie im Feudalismus zu sein. Die Geldelite kann sich von Verbrechen freikaufen. Mit Peanuts im Vergleich zu dem, was sie anderen Menschen an Geld und Existenzen gestohlen haben. Willkommen im tiefsten Mittelalter.

  • ... und weil er glaubt, daß sich der Anfangsverdacht nicht erhärtet und es somit auch zu keinem Verfahren kommt, hat er mal eben 2,9 Mio abgedrückt... einer der letzten Philanthropen - in welchem Land leben wir?

  • "It´s a rich mans world!"ABBA

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