Welt-Konjunktur: Die nächste große Rezession könnte aus China kommen

Welt-Konjunktur: Die nächste große Rezession könnte aus China kommen

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Analysten warnen vor langfristigen Folgen für die Weltwirtschaft, wenn Chinas Wirtschaft einbricht.

Bisher war es oft eine schwächelnde US-Konjunktur, die die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzte. Nun warnen Analysten, dass China der nächste große Unruhestifter werden könnte.

Subprime-Krise, Dotcom-Blase - viele der großen Rezessionen, welche die Weltwirtschaft in den vergangenen Jahrzehnten beschäftigten, wurden stark durch die US-Wirtschaft getrieben oder beeinflusst. Glaubt man Analysten, könnte das beim nächsten konjunkturellen Abschwung anders sein. Eine anhaltende Abkühlung in China könnte in den nächsten Jahren das Weltwirtschaftswachstum unter die Marke von zwei Prozent drücken, erklärt Ruchir Sharma, Schwellenländer-Chef bei Morgan Stanley Investment Management. Das wäre laut Sharma eine weltweite Rezession und zudem der erste globale Abschwung seit 50 Jahren ohne eine gleichzeitige Schrumpfung in den USA.

“Die nächste globale Rezession ist Made in China”, sagt Sharma im Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. “In den nächsten Jahren werden die wunden Punkte für die Weltwirtschaft wohl vor allem in China liegen.”

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Die fünf großen Gefahren für Chinas Wirtschaftswachstum

  • Immobilienblase

    Seit Jahren schießen die Immobilienpreise in Chinas Großstädten in ungeahnte Höhen - seit Monaten mehren sich jedoch Zeichen für einen Kollaps.

  • Schattenbanken

    Neben den trägen Staatsbanken hat sich in China ein großer Markt von nicht-registrierten Geldinstituten etabliert, die der Staat bislang nicht kontrollieren kann.

  • Faule Kredite

    Banken haben ohne genaue Prüfung Firmen immense Kredite für unproduktive und verschwenderische Investitionen gegeben.

  • Überkapazitäten

    Mit Subventionen der Regierung haben viele Branchen gewaltige Überkapazitäten aufgebaut, beispielsweise die Solarindustrie. Aber sie werden ihre Produkte nicht los.

  • Internationale Krisen

    Chinas Wirtschaft hängt vom Export ab. Geraten wichtige Abnehmerländer in Krisen, hat auch China Probleme.

Chinas Einfluss hat zuletzt deutlich zugenommen. Laut Morgan Stanley trug das Reich der Mitte im vergangenen Jahr 38 Prozent zum weltweiten Wachstum bei; 2010 waren es erst 23 Prozent. Viele globale Unternehmen sind vom Erfolg in China abhängig, darunter auch deutsche Autobauer wie VW oder BMW. Zudem ist China wichtigster Handelspartner für viele Staaten wie Brasilien oder Südafrika.

Zwar vermeldete die chinesische Regierung in der vergangenen Woche ein Wachstum von sieben Prozent - genauso viel, wie sie vorhergesagt hatte. Doch genau deshalb gab es einige Zweifel an den Zahlen. Einige Kritiker meinen gar, das tatsächliche Wachstum Chinas läge nur bei rund drei Prozent.

Wirtschaftswachstum Chinas große Zauberei mit Zahlen

Chinas Wirtschaft wächst exakt so, wie die Regierung es vorausgesagt hat - trotz Börsencrash, fallenden Exporten und Co. Alles nur frisierte Zahlen? Vielleicht. Aber wichtiger ist, mit welchen Problemen China kämpft.

Konjunktur in China. Quelle: dpa Picture-Alliance

Gründe für Zweifel gibt es genug. Der jüngste Börsencrash hat viele Privatanleger ihr Vermögen gekostet, Ein- und Ausfuhren entwickelten sich zuletzt rückläufig und im Immobiliensektor hat sich eine gefährliche Blase gebildet. China steht gerade an der wichtigen Schwelle von der "Werkbank der Weltwirtschaft" hinzu einem anderen Wirtschaftsmodell. Viele Unternehmen überdenken ihre Geschäftsmodelle, die Finanzmärkte werden schrittweise auch für ausländische Investoren geöffnet. Allerdings erklärte der Internationale Währungsfonds (IWF), "größere Schwierigkeiten" beim Übergang des Landes zu einem neuen Wachstumsmodell. Dies stelle ein Risiko für die globale Konjunkturerholung dar.

Schwellenländer-Analyst Sharma verweist auf den hohen Schuldenberg, den China angehäuft habe. Die Wirtschaft werde sich weiter abkühlen, weil das Land Probleme habe, seine Schulden zu reduzieren, sagt Sharma. Eine Verlangsamung um weitere zwei Prozentpunkte würde ausreichen, um die Welt in eine Rezession zu stürzen, erklärt er.

Das Weltwirtschaftswachstum, gemessen in Marktwechselkursen, ist in den letzten 50 Jahren während fünf verschiedener Zeiträume unter zwei Prozent gefallen - zuletzt 2008 bis 2009. Alle früheren Rezessionen fielen mit Abschwüngen in der US-Wirtschaft zusammen.

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In seinem eine Milliarde Dollar schweren Emerging Markets Portfolio meidet Sharma chinesische Aktien und die von Ländern, deren Wachstum stark von China abhängt, wie Brasilien, Russland oder Südkorea. Stattdessen bevorzugt er Unternehmen in Osteuropa und in kleineren asiatischen Ländern wie den Philippinen, Vietnam oder Pakistan.

Der jüngste Marktzusammenbruch, bei dem der Shanghai Composite Index in vier Wochen mehr als 30 Prozent verlor und fast vier Billionen Dollar an Marktwert vernichtet wurden, scheint Sharma zu bestätigen. Der Crash habe der Überzeugung mancher Investoren einen Schlag versetzt, dass die chinesischen Behörden Wirtschaft und Märkte fest im Griff haben und immer ihre Ziele erreichen können, sagt Sharma. “Was letzte Woche in China passiert ist, war deshalb so bedeutsam, weil es zum ersten Mal Anzeichen gab, dass etwas nicht unter Kontrolle ist”, erklärt er. “Der Vertrauensschaden wird eine ganze Weile anhalten.”

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