Weniger Opec-Importe: Abbau der Lagerbestände treibt Ölpreis über 50 US-Dollar

Weniger Opec-Importe: Abbau der Lagerbestände treibt Ölpreis über 50 US-Dollar

, aktualisiert 20. Juli 2017, 19:13 Uhr
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Die Förderkürzung der Opec scheint im Moment zu wirken. Doch in den kommenden Monaten droht weiteres Ungemach.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Erstmals seit Juni klettert der Preis für Brent-Öl wieder über die Marke von 50 US-Dollar. Grund sind sinkende Lagerbestände. Das um Stabilität bemühte Ölkartell sollte sich dennoch nicht zu früh freuen.

FrankfurtZehn Tage lang schon geht es beim Ölpreis langsam aber stetig aufwärts. Nun ist der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent erstmals seit Anfang Juni wieder über die Marke von 50 Dollar geklettert. Den Ausschlag dafür haben Lagerdaten aus den USA gegeben. Sowohl die Rohöl- (-4,7 Millionen Barrel) als auch die Benzinvorräte (-4,4 Millionen Barrel) sind überraschend stark gefallen.

Die Zahlen lassen vermuten, dass die Förderkürzungen des Ölkartells Opec und zehn weiteren Förderstaaten wirken. Die Rohölvorräte in den USA liegen inzwischen auf dem Vorjahresniveau und nähern sich dem von der Opec angepeilten Fünf-Jahresdurchschnitt an. Gleichwohl liege das Niveau immer noch ein Viertel darüber, merken die Analysten der Commerzbank an.

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Dabei helfen auch sinkende Importe aus Opec-Staaten, nicht zuletzt Saudi-Arabien. Diese seien nach Angaben von Société Générale in den vergangenen vier Wochen auf 810.000 Barrel pro Tag gefallen, so stark wie seit 2015 nicht mehr.

Hinzu kommt der Effekt, dass die Amerikaner in diesem Jahr ihre Ölproduktion zwar stark gesteigert haben, dank des aufgehobenen Exportverbots aber selbst mehr Öl in die Welt verkaufen. Mit mehr als einer Million Barrel pro Tag hat sich die Menge gegenüber Ende 2016 mehr als verdoppelt.

Als weiteren Preistreiber erkennt Jan Edelmann, Ölanalyst von der HSH Nordbank, eine robuste Nachfrage aus China. Die Ölverarbeitung des Landes sei in der letzten Woche fast auf das Rekordniveau aus dem vergangenen Dezember gestiegen. Die eigene Produktion fällt hingegen, weshalb die Chinesen mehr Öl importieren müssen.

Den jetzigen Durchbruch der 50-Dollar-Marke als Zeichen für einen längeren Aufschwung zu sehen, käme verfrüht. Zum einen nehmen die Sorgen vor einem Zerbrechen der Förderkürzung der Opec zu. Als erstes der 14 Mitgliedsländer hat sich am Montag Ecuador aus dem Abkommen verabschiedet. Weil die Staatskasse leer sei, könne das südamerikanische Land nicht weiterhin kürzen, begründete Ölminister Carlos Perez die Entscheidung.

Zwar trägt Ecuador mit 22.000 Fass nur einen kleinen Teil der täglichen Förderkürzung der Opec in Höhe von 1,164 Millionen Barrel bei. Vollständig umgesetzt hatte das Land seine Verpflichtungen ohnehin nie. Doch der offizielle Bruch mit dem Abkommen könnte am Fundament der Vereinbarung nagen.

Im Juni erhöhten bereits weitere Kartell-Mitglieder ihre Förderung, darunter auch das Schwergewicht Saudi-Arabien, das für rund ein Drittel der Opec-Fördermenge steht und erstmals auch seine Kürzungsvorgaben nicht erfüllte. Wurde das Abkommen im Mai noch überwiegend eingehalten, sank die Umsetzungsquote laut Schätzung der Internationalen Energieagentur im Juni schon auf 78 Prozent – den schlechtesten Wert seit Beginn der Kürzungen im Januar.

Mehr Ärger steht der Opec auch von anderen Mitgliedern ins Haus. Nigeria und Libyen, zwei Staaten, die von den Kürzungen ausgenommen sind, konnten ihre Produktion in den vergangenen Monaten schon stark steigern. Libyen könnte seine Produktion bis Jahresende noch einmal um knapp 50 Prozent auf dann 1,25 Millionen Barrel pro Tag erhöhen.

Und schließlich wäre da noch die Ölproduktion in den USA, die weiter steigt. „Bis zum Jahresende wird erwartet, dass die US-Frackingindustrie die von der Opec hinterlassene Lücke vollständig schließt“, erklärt Edelmann von der HSH Nordbank. Das bedeute zwar nicht, dass die Kürzungen vollends ins Leere gehen. Die Suche nach ausgleichenden Kräften am Ölmarkt dürfte dann aber verstärkt in die Hände der Nachfragekräfte fallen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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