
Spekulanten haben in der vergangenen Woche ihre Wetten auf eine Rally bei den Rohstoffpreisen erneut ausgebaut. Sie wurden damit allerdings auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Die Preise sackten weiter deutlich ab und traten in einen Bärenmarkt ein, nachdem die US- Notenbank keine zusätzlichen geldpolitischen Stützungsmaßnahmen ankündigte.
Hedgefonds und andere Vermögensverwalter erhöhten die Zahl ihrer Netto-Kaufaufträge für 18 US-Terminkontrakte und Optionen in der Woche bis zum 19. Juni um sieben Prozent auf 628.560 Kontrakte, wie aus Daten der Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hervorgeht. Das entspricht der höchsten Zahl in vier Wochen und dem zweiten Wochenanstieg in Folge.
Schon am 21. Juni trat der Rohstoffmarkt in eine Bärenphase ein - er hat also in letzter Zeit mehr als 20 Prozent nachgegeben. Einen Tag zuvor hatte die Federal Reserve zwar angekündigt, ihr Programm zum Verkauf kurzfristiger Anleihen und Kauf längerfristiger Papiere (Operation Twist) etwas aufzustocken. Allerdings gab es keine dritte Runde von Anleihekäufen, eine so genannte quantitative Lockerung. Hinzu kamen einige negative Konjunkturzahlen: So fielen die Arbeitslosenzahlen in der vergangenen Woche schwach aus und auch Zahlen vom Immobilienmarkt und zum herstellenden Gewerbe enttäuschten.
“Alle haben damit gerechnet, dass es zu einer weiteren geldpolitischen Lockerung kommt und haben sich entsprechend positioniert”, sagt Jeffrey Sherman, Vermögensverwalter bei DoubleLine Capital in Los Angeles. “Wir stehen vor volatilen Zeiten bei den Rohstoffen, da alle versuchen herauszufinden, was der nächste Wachstumsmotor sein wird.”
Der Rohstoffindex Standard & Poor's GSCI Spot Index büßte in der vergangenen Woche 3,2 Prozent ein und hat damit seit seinem Jahreshoch im Februar 21 Prozent verloren. Von den 24 Rohstoffen in dem Index rutschen die Preise von 16 letzte Woche ab. Angeführt wurde die Verliererliste von Silber, das sich um sieben Prozent verbilligte. Der Baumwollpreis sackte am 21. Juni um 6,9 Prozent ab - so stark wie seit 1991 nicht mehr.
Spekulanten lagen zweimal daneben
In der Woche bis zum 20. Juni steckten Investoren zusätzlich 1,16 Mrd. Dollar in Rohstoff-Fonds, wie aus Daten von EPFR Global hervorgeht. Dafür verantwortlich waren hauptsächlich Zuflüsse in Gold- und andere Edelmetall-Fonds - sie zogen 1,2 Mrd. Dollar an neuem Geld an. Das waren die höchsten Zuflüsse für die Fonds in 20 Wochen, erklärte Cameron Brandt von EPFR.
Die Wetten auf einen steigenden Goldpreis gingen um fünf Prozent hoch auf 104.646 Kontrakte, erklärte CFTC. Sie stiegen damit die vierte Woche in Folge und waren so hoch wie seit dem 1. Mai nicht mehr. Die Kaufaufträge für Silber zogen per Saldo um 2,4 Prozent auf 7490 Kontrakte an.
Mit beiden Wetten lagen die Spekulanten daneben. Der Goldpreis fiel letzte Woche um 3,8 Prozent und verzeichnete damit seinen stärksten Wochenrückgang in diesem Jahr. Zurückzuführen war der Verlust auf rasche Verkäufe der Investoren nach der Entscheidung der US-Notenbank.
“Die Fed hat die US-Wachstumserwartungen gedämpft”, sagt Chad Morganlander, ein Fondsmanager bei Stifel Nicolaus & Co. Solange China nicht die Nachfrage ankurbelt und auch die Federal Reserve mehr unternimmt “verhalte ich mich auch lieber abwartend”, fügte er hinzu.






















