Wieder sicherer Hafen?: Gold als Investment boomt

Wieder sicherer Hafen?: Gold als Investment boomt

, aktualisiert 19. August 2016, 08:50 Uhr
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Edelmetalle als Investment sind derzeit gefragt.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Gold gilt als Krisenwährung in turbulenten Zeiten – mit dieser Erwartung haben Anleger in den vergangenen Jahren aber viel Geld verloren. Doch nun steigen Spekulanten ein und der Preis steigt. Was steckt dahinter?

DüsseldorfDie Not vieler Anleger ist groß: Klassische Sparanlagen werfen wegen der Zinsflaute kaum noch etwas ab, bei Staatsanleihen müssen Investoren zum Teil sogar drauflegen. Gold steht daher hoch im Kurs - auch weil das Edelmetall als sicherer Hafen in unruhigen Zeiten gilt. Das Interesse der Investoren ist so groß wie nie zuvor, das treibt den Preis in die Höhe.

„Der Goldpreis ist ein Fieberthermometer und die Temperatur ist derzeit hoch“, sagt Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Aus seiner Sicht ist das Edelmetall bei Investoren derzeit vor allem als sicherer Hafen beliebt. Sorgen um die Konjunkturentwicklung Chinas, das Brexit-Votum, die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen in den USA, geopolitische Krisenherde wie der Nahe Osten oder der Konflikt zwischen China und den Philippinen im südchinesischen Meer sorgten für Unruhe.

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Weinberg rechnet damit, dass der Goldpreis langfristig weiter steigt. Derzeit müssen Käufer für eine Feinunze (31,1 Gramm) etwa 1340 Dollar hinblättern. Zu Jahresanfang waren es noch rund 1075 Dollar. Selbst der sonst in den Sommermonaten Juli bis September häufig einsetzende Preisrückgang ist bisher ausgeblieben. „Scheinbar wird Gold weiterhin unter anderem aus Sicherheitsaspekten nachgefragt“, erläutert Michael Blumenroth, Goldmarktexperte der Deutschen Bank.

Gold gilt zwar als sicherer Hafen, doch knapp fünf Jahre lang haben Anleger mit dieser Erwartung viel Geld verloren. Trotz der Unsicherheiten um den Verbleib von Griechenland in der Euro-Zone und der drohenden Insolvenz des südeuropäischen Landes sowie des militärischen Konfliktes zwischen Russland und der Ukraine erlebte das Edelmetall einen Kursrückgang um mehr als 40 Prozent. Der Preis fiel Anfang 2011 bis Ende 2015 vom Rekordhoch in Höhe von 1921 auf 1053 US-Dollar.

Doch auch die Charttechnik spricht mittlerweile für weiter steigende Preise. „Nach der Anstiegswelle seit Juni dieses Jahres konsolidiert das Gold seit Anfang/Mitte Juli bisweilen sehr konstruktiv“, meint der technische Analyst Holger Struck. Sollte der Preis nicht mehr unter die Marke von 1312/1300 US-Dollar fallen, geht Struck von Kursen von 1500 Dollar noch in diesem Jahr aus. Den Unterstützungsbereich von rund 1300 Dollar können Anleger als Stopp-Loss-Marke nutzen, um bei fallenden Kursen die Verluste zu begrenzen.

Das Edelmetall wirft zwar keine Zinsen ab, lockt aber mit dem Versprechen von Sicherheit und Wertsteigerung. Gold als Investment boomt derzeit: Im ersten Quartal dieses Jahres wurden 617 Tonnen Gold für die Geldanlage gekauft. Der Wert hat sich gegenüber dem vierten Quartal 2015 mehr als verdreifacht, als nur 205 Tonnen dafür gekauft werden. Die Notenbanken haben im ersten Quartal dieses Jahres 109 Tonnen käuflich erworben, 481 Tonnen wurden als Schmuck weiterverarbeitet, 80 Tonnen für technologische Anwendungen.


Weniger Nachfrage nach Goldschmuck

Im ersten Halbjahr kauften Investoren nach Angaben des World Gold Council (WGC) 1064 Tonnen des Edelmetalls – das entsprach knapp der Hälfte der globalen Nachfrage. Für den Rest stehen Schmuckhersteller und Industrie. Der Goldminenlobby zufolge war die Nachfrage der Investoren sogar um 16 Prozent höher als in der ersten Jahreshälfte 2009. Nach dem Ausbruch der Finanzkrise waren Anleger scharenweise in Gold geflüchtet.

Auch die Schmuckbranche in Deutschland profitiert nach Angaben des Bundesverbandes der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) von der Entwicklung. „Wir stellen aktuell eine steigende Nachfrage nach echtem Gold- und Platinschmuck fest“, sagt BVJ-Geschäftsführer Joachim Dünkelmann. „Die Wahrnehmung, dass Gold eine sichere Anlage ist, kann die Branche beflügeln.“

Weltweit sackte die Nachfrage der Schmuckindustrie bereits im ersten Halbjahr nach Angaben des World Gold Council auf den niedrigsten Stand seit 2010. Vor allem in preissensiblen Märkten wie Indien hielten sich die Verbraucher zurück. Das Land ist der zweitgrößte Goldimporteur der Welt. Fast jede Familie hat für schlechte Tage vorgesorgt. Im Notfall werden Ketten, Ohrringe und Armreifen verkauft. Aber „die Verbraucher sind besonders auf der Hut, was die Preisentwicklung anbelangt“, erläutert der WGC.

Anleger haben verschiedene Möglichkeiten: Sie können Münzen und Goldbarren kaufen, aber auch Wertpapiere, die die Entwicklung des Goldpreises nachbilden, zum Beispiel Zertifikate. Die Deutsche Börse berichtet von boomender Nachfrage nach sogenannten Xetra-Gold-Anleihen, dabei wird für jeden Anteilschein ein Gramm des glänzenden Edelmetalls hinterlegt. 90,67 Tonnen Gold lagern inzwischen in den Tresoren in Frankfurt – gut 50 Prozent mehr als zu Jahresbeginn. „Das jüngste Wachstum ist vor allem auf die Nachfrage von institutionellen Investoren wie Vermögensverwaltern und Versorgungswerken zurückzuführen, aber auch von Privatanlegern“, sagt Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities.

Das gestiegene Interesse der Anleger zeigt sich auch bei Euwax-Gold: An der Börse Stuttgart wurden 2016 für das zu 100 Prozent mit Gold unterlegte Exchange Traded Commodity (ETC) fast viermal so viele Kauf- wie Verkaufsorders ausgeführt. Mit den kontinuierlichen Zuflüssen wuchs der für Euwax Gold physisch eingelagerte Edelmetallbestand seit Jahresbeginn um über 48 Prozent und überschritt am 27. Juli erstmals die Marke von fünf Tonnen.

„Sicherheitsorientierte Anleger schätzen an Euwax-Gold, dass das ETC wirklich zu 100 Prozent mit Gold unterlegt ist und das Edelmetall im Inland lagert“, sagt Rupertus Rothenhäuser, Geschäftsführer der Börse Stuttgart Securities.


Wie Anleger noch investieren können

Eine Möglichkeit, von der Wertentwicklung des gelben Edelmetalls zu profitieren, sind börsengehandelte Fonds. Genauer gesagt Produkte, die viele für Fonds halten, de facto aber gar keine sind: Exchange Traded Commodities (ETC). Genauso wie Indexfonds (Exchange Traded Funds, ETF), die sich bereits seit Jahren steigender Beliebtheit erfreuen, ermöglichen auch ETC einfach und kostengünstig in eine Vielzahl von Märkten zu investieren. Doch im Gegensatz zu ETFs sind ETC rechtlich gesehen kein Sondervermögen und damit nicht frei von Ausfallrisiken im Falle einer Insolvenz des Emittenten.

Um die Gefahr zu verringern, werden ETC im Gegensatz zu Zertifikaten in der Regel aber besichert – so wie beim Xetra- und auch Euwax-Gold. Neben der direkten physischen Besicherung kann ein Emittent dieser börsengehandelten Rohstoffprodukte auch bei einem Treuhänder für das betreffende Wertpapier Anleihen von Schuldnern mit hoher Bonität als Sicherheit hinterlegen – zum Beispiel Bundesanleihen.

Mit entsprechenden ETCs können Anleger sogar auf fallende Goldkurse setzen. Bereits seit einigen Jahren bietet das Unternehmen ETF Securities einen „ETFS Daily Short Gold“ (WKN: A0V9X0) an, die einen „umgedrehten“ Kursverlauf abbilden - je tiefer Gold fällt, umso besser für den Anleger. Und die Commerzbank hat viele gehebelte ETC-Produkte im Angebot: Maximal mit dem vierfachen Hebel (WKN: ETC018). Das gilt natürlich auch in der anderen Richtung. Sollte der Goldpreis an einem Tag um fünf Prozent steigen, betragen die Verluste bei diesem Produkt 20 Prozent.

Allerdings hängt der Goldpreis stark von der US-Geldpolitik ab. Wenn US-Staatsanleihen plötzlich wieder mehr als einen halben Prozentpunkt höhere Renditen bringen, dann sieht der renditelose Rohstoff daneben nicht sehr attraktiv aus. Doch derzeit sieht es aus, als ob vor Dezember es keine neue Zinserhöhung in den USA geben sollte. Doch auch darüber ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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